Android: Tauglich für Unternehmen?

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Kaum eine Diskussion ist zur Zeit so kontrovers wie die über die Nutzbarkeit von Android. Auf der einen Seite ist es die Basis für die Mehrzahl der inzwischen verkauften Smartphones, auf der anderen Seite gibt es massive Kritik. Wie sinnvoll und nutzbar ist dieses Betriebssystem wirklich?

Seit Apple mit dem iPhone die Welt der Mobiltelefonie für immer komplett gewandelt hat gibt es auch die Kritik an der geschlossenen Lösung, die Apple hier bietet. Kombiniert man das mit den stringenten Vorgaben für die Entwickler im App-Shop, dann wird der Ruf nach einer „offenen“ und „freien“ Lösung schnell laut. Diesem Ruf ist Google mit Android gefolgt. Und der Erfolg gibt Google auf den ersten Blich recht. Aber seit der Einführung von Android ist diese Technologie von Problemen geplagt. Die Trennung von Hardware und Software generiert einen ganzen Haufen neuer und nur schwer zu lösender Probleme. So haben fast alle Anbieter Android mit eigener Software ergänzt, sei es um eine Oberfläche mit einer eigenen Identität zu schaffen, sei es, um fehlende Funktionen von Android zu ergänzen. Das Ergebnis ist wie schon fast vorhersehbar nicht immer erfreulich. In vielen Fällen dauert es Monate bis die Anbieter eine neue Android-Version bereitstellen. Hinzu kommen Inkompatibilitäten zwischen Android-Software und den Ergänzungspaketen. Bei dem von uns getesteten Samsung Tab 10.1 hat die Samsung-Software gleich mal Flash abgeschossen. Erst mit dem Update auf Flash 11 hat sich das Problem behoben. Ist die Unterscheidung im Apple Appshop zwischen iPhone und iPad-Applikationen schon ärgerlich, dann treibt der Android Appshop schnell jeden Nutzer auf die Palme. Die fehlende Qualitätsssicherung, auch Offenheit genannt, hat eben ihren Preis.

Ist Android deshalb automatisch schlecht? Nein sicher nicht. Hersteller wie Cisco haben angefangen mit dem Cius eher geschlossene „Enterprise-ready“ Versionen auf den Markt zu bringen (siehe auch Avaya Flare). Dies ist gleichzeitig auch das Eingeständnis, dass das offene Android im Moment nur sehr bedingt Unternehmens-tauglich ist. Betreiber können hier schnell mit den vielen Haken und Ösen in einem Service-Desaster enden. Aber es ist auch ein Hinweis darauf, dass Android in der Tat einen brauchbaren Kern hat. Und Google hat ja auch mit der Einführung von Android 3 offen eingestanden, dass die völlige Offenheit auf Dauer nicht funktioniert und dass Wege zu einem kontrollierbaren Ökosystem gefunden werden müssen. Warten wir ab, in welchem Umfang sich Android diesbezüglich verändert.

Gleichzeitig kann man Android nicht von Google trennen (immerhin erfordert jedes Android-Phone auch einen Google-Account). So wie bei Apple das iPhone und das iPad Teil eines umfassenden Systems sind, ist Android ein Baustein im IT-Service-Angebot von Google. Google verfolgt seit Jahren die Vision von komplett Web-basierten Diensten und Android ist ein Baustein in dieser Entwicklung. Hier stellt sich die Frage, ob Unternehmen, die über Android nachdenken, mit dieser Etscheidung nicht mehr generell eine Entscheidung für die Google-Komplettlandschaft inklusive Docs und Google+ verbinden müssen (warum dann das Samsung Tab 10.1 keine HTML5-Anwendungen wie den Vimeo-Dienst unterstützt, der geht nur über Flash, das ist kaum zu verstehen. Aber das muss man wohl als einen weiteren Baustein des Android-Chaos hinnehmen). Google hat hier auf der Unternehmensseite in Deutschland vielleicht bisher nicht die ausreichende Akzeptanz, aber es kann ein Fehler sein, die Google-Dienste bei der Gestaltung einer Kollaborations-Plattform nicht zu berücksichtigen. Google+ ist ein großer Schritt vorwärts. Die Idee der Circles ist für viele Anwendungsbereiche, seien es Abteilungsdiskussionen oder seien es Projeke, eine interessante Bereicherung.

Tatsächlich scheint dies die vielleicht zentrale Frage der Android-Diskussion für den Unternehmenseinsatz zu sein: wie steht man zu Google insgesamt und zu den angebotenen Diensten!

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