Auf dem Weg zum mobilen Unternehmen

1 Kommentar Drucken

Es ist gerade einmal sechs Jahre her, dass das iPhone sich anschickte, das Unternehmen zu erobern. Während der Markt für mobile Endgeräte vorher in eher konservativen Bahnen verlief, explodierte er nach dieser Initialzündung regelrecht. Und schon bald mussten sich die IT-Verantwortlichen mit der Integration dieser Endgeräte in die Unternehmens-IT herumplagen. Im Gegensatz zum vergangenen Vorstands-Hype Blackberry kamen diese neuen Endgeräte nicht mit einer fertigen Unternehmens-Lösung daher – im Gegenteil: der Mobilmarkt wird fast ausschließlich aus dem Konsumentenmarkt getrieben. Unternehmen wie Apple und Google scheren sich schlicht nicht um den Enterprise-Markt.

Doch gerade dieser Umstand bedeutet eine der größten Revolutionen in der Geschichte der Unternehmens-IT. Unternehmen können sich – mangels Alternativen – dem Druck der Konsumentenmärkte nicht mehr entziehen. Die neuen Endgeräte laufen dem PC den Rang ab. Die Produktzyklen verkürzen sich dramatisch und damit auch die Möglichkeiten zur Ersatzbeschaffung. Länger als 6 Monate ist heute kein Gerät mehr „up to date“, ein Lebenszyklus von 18 Monaten ist eher schon die Ausnahme. Die Endgeräte- und Plattformvielfalt steigt rasant an. Apple, Samsung, Google/Motorola, Microsoft/Nokia buhlen um die Gunst der Endanwender und heizen den Trend zur Diversifizierung weiter an. Aus dieser Palette von Endgeräten das „Richtige“ für das Unternehmen auszuwählen – schier unmöglich! Kein Wunder, dass man mit Bring-your-own-Device diese Entscheidung zum Endanwender outsourcen möchte. Doch die Frage, wie und ob man den Endgeräte-Zoo managen kann, ist damit noch nicht beantwortet.

Verstehen Sie mich nicht falsch: der größte Knackpunkt bei der Sicherheit mobiler Endgeräte ist nicht deren Management – der Knackpunkt ist, dass sie nach heutigem Kenntnisstand schlichtweg nicht vertrauenswürdig sind. Niemand außer den Betriebssystem-Herstellern selbst durchblickt die Kommunikation der Endgeräte mit den jeweiligen Hersteller-Clouds bis ins Detail. Und dennoch scheint die Cloud für den sinnvollen Einsatz mobiler Endgeräte unvermeidlich zu sein. Aus dem Spagat zwischen Mobilität, Privatnutzung und einer potenziell unsicheren Plattformen müssen sich also neue Bereitstellungmodelle für Unternehmensanwendungen und -daten ergeben. Die reine „Härtung“ des Endgeräts anhand der zur Verfügung stehenden Bordmittel und mittels Mobile Device Management (MDM) ist mit Sicherheit zu kurz gesprungen.

Aber genug der Schwarzmalerei – daraus, dass klassische Sicherheitsarchitekturen in Frage gestellt und herkömmliche Bereitstellungsmodelle für Unternehmensanwendungen impraktikabel werden, ergeben sich auch große Chancen. Server-based Computing bietet Antworten auf Fragen zur sicheren Datenhaltung und zur automatisierten, industriellen Bereitstellung von Anwendungen. Die flächendeckende Verwendung von virtualisierten Windows-Desktops auf unterschiedlichsten Endgeräten und Bediensystematiken ist dabei nicht zielführend. Will man den Anwender abholen, so muss man sich auf die native Bediensystematik der jeweiligen Endgeräteklasse einlassen. Doch das geht nur, wenn man entweder die jeweilige Mobilbetriebssystemvariante virtualisiert bereitstellt und/oder sichere Applikationen unter der jeweiligen Betriebssystemplattform bereitstellt. Wegen des oben aufgeführten Trends zur Diversifizierung ist hier eine größtmögliche Plattformunabhängigkeit das oberste Gebot.

Das Erstarken von Webtechnologien wie HTML5 und WebRTC bereitet den Boden für die Entwicklung plattformunabhängiger Apps. Neue Spieler im Markt der mobilen Betriebssysteme, wie Firefox OS und Sailfish OS, demonstrieren eindrucksvoll, wohin der Weg geht. Auch die Abhängigkeit von qualitativ hochwertigen, unterbrechungsfreien Netzen wird durch offline-fähige Webtechnologie durchbrochen. Selbst Echtzeitkommunikation aus dem Browser wird mit WebRTC möglich. Ein weiterer wichtiger Baustein, um klassische, Festnetz-gebundene Kommunikation durch moderne Mobilkommunikation zu ergänzen – oder gar zu ersetzen. Das Wiedererstarken von webbasierten Anwendungen bildet eine wichtige Grundlage für den Umbau der Unternehmens-IT.

Doch damit diese Entwicklung für uns positiv verläuft, muss ein Umdenken stattfinden. Wir müssen begreifen, dass das Konsumentenverhalten einer der wichtigsten Einflussfaktoren auf unsere Arbeitswelt ist. Wir müssen lernen, dass nicht das Endgerät unter Kontrolle gebracht werden muss, sondern die darauf verarbeiteten Daten. Wir müssen erkennen, welche Chancen sich aus der mobilen Vernetzung der Mehrzahl unserer Mitarbeiter und Kunden ergeben. Nur so kann die Unternehmens-IT eine gestaltende Kraft auf dem Weg zum mobilen Unternehmen sein – und die wichtigste Basis neuer, vielversprechender Geschäftsmodelle.

Mit diesem spannenden Themenkomplex befassen wir in unserem Seminar „Das mobile Unternehmen“. Wir freuen uns darauf, mit Ihnen die Aspekte der zunehmenden Unternehmensmobilität und den Weg zum mobilen Unternehmen zu diskutieren.

zugeordnete Kategorien: Endgeräte, UC
zugeordnete Tags: , , ,

Sie fanden diesen Beitrag interessant? Sie können



Ein Kommentar zu "Auf dem Weg zum mobilen Unternehmen":

  1. Dr. Kauffels schreibt:

    Wieder ein Beitrag, der versucht, dem Massen-Verlangen nach neuen Endgeräten oder diesen selbst etwas Positives abzugewinnen. Nur weil eine Masse, in diesem Fall die der Konsumenten, etwas möchte, heißt das noch lange nicht, dass das Ziel der Begierden wirklich unter Betrachtung aller möglichen Konsequenzen, Nebenwirkungen und Kosten etwas letztlich Wünschenswertes darstellt. Das gilt auch für Konsumenten und Konsumgüter. Außerdem gibt es auch immer wieder regional unterschiedliche Betrachtungsweisen. Während eine Frau sich hierzulande nur dann mit einem Pelzmantel auf die Straße begeben kann, wenn sie wünscht, dass er farblich verändert wird, sind Pelze in Russland und China nach wie vor heiß begehrt. Kann man nun daraus, dass Millionen Russinnen und Chinesinnen sich einen Pelzmantel wünschen, unbedingt schließen, dass Pelzmäntel aus zu diesem Zweck gestorbenen Tieren wirklich toll sind ? Es kommt wohl auf den Standpunkt an. Daraus, dass es offensichtlich eine Fangemeinde für technische Spielsachen gibt, für die der tatsächliche Nutzwert erheblich unwichtiger als die Farbe oder Marke ist, kann man sicherlich nicht unmittelbar schließen, dass diese Geräte auch für Unternehmen wirklich Vorteile bringen. Soviel ich weiß, hat das noch niemand wirklich mit harten Zahlen belegen können. Warum sind virtualisierte Windows-Desktops nicht zielführend, wenn die Informationsverarbeitung eines Unternehmens primär genau auf diesen Anwendungen beruht ? Mit wenigen Ausnahmen beschränkt sich die Begeisterung für die neuen Endgeräte und auch der sichere Umgang damit eher auf jüngere Leute. Wieso sollen diese als Konsumentengruppe den älteren Mitarbeitern vorgezogen werden ? Tatsache ist, dass die Diskussion oftmals die Problematik und vor allem die hohen Kosten für ein Unternehmen gerne zugunsten positiverer, aber im Wesentlichen kaum belegter Argumentationen in den Schatten stellt. Die Aussage „dass das Konsumentenverhalten einer der wichtigsten Einflussfaktoren für die Arbeitswelt ist“, kann vielleicht für Unternehmen gehalten werden, die Konsumenten direkt versorgen oder eine Rolle bei den entsprechenden Wertschöpfungsketten spielen. Was ist aber mit Unternehmen oder Organisationen, die mit Konsumenten nichts zu schaffen haben, z.B. Behörden oder Maschinenbauer, deren Kunden keine Konsumenten im hier genannten Sinn sind ? Die Ausbreitung der kleinen neuen Helferlein ist längst nicht mehr zu stoppen, aber eine kritischere Auseinandersetzung wäre schon angebracht. Wenn man dem Benutzer in seiner Rolle als Endgeräte-Konsument zu viel Macht gibt, macht man nicht nur den Bock, sondern direkt das Erdbeben zum Gärtner. In der Geschichte der DV hat der Benutzer noch nie eine ruhmreiche Rolle gespielt sondern durch Fehlbedienung, Dummheit und Ignoranz ungezählte Milliarden-Beträge in den Sand gesetzt und natürlich auch für dauerhaft hohe Kosten bei Service und Support gesorgt. Wieso sollte er sich jetzt fundamental gebessert haben, nur weil er ein neues Endgerätchen in der Hand hat ? Vorher schneit es schwarz. Die Endgeräte-Industrie hält sich mit dauerhaftem Werbebeschuss der Konsumenten am Leben. Wer hier auch nur kurzzeitig schwächelt, dem droht das schnelle Ende. Aber, es ist schon zu merken, dass es immer schwieriger wird, die Konsumenten zu begeistern. Das bedeutet, dass diese Industrie nur dann funktioniert, wenn sie sich laufend selbst durch eine Mischung von Werbung und Innovation am Leben erhält, wobei das Tempo schon jetzt atemberaubend schnell ist. BYOD ist letztlich nichts anderes als der Versuch der interessierten Industrie, den Konsumdruck von Privatpersonen nach Möglichkeit auf Unternehmen zu erweitern, ohne jedoch auf deren spezifische Bedarfe einzugehen. Und da wäre dann doch vielleicht mal ein Konsumstreik angebracht.

Anmerkungen, Fragen, Kommentare, Lob und Kritik:

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

.