Das Fax stirbt 2018 – T.38 ein Verfahren ohne Zukunftssicherheit

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Zugegeben, die Überschrift klingt zunächst einmal reißerisch, aber entspricht durchaus der Wahrheit. Viele von Ihnen haben sicher schon von den Umstellungen gehört, die bis 2018 im öffentlichen PSTN vollzogen werden, sprich, dass die ISDN Vermittlungstechnik durch das paketbasierte IP ersetzt wird.

Ich spreche dabei bewusst von IP und nicht von TCP/IP, da die Umstellung in der Regel nicht das TCP Verfahren nutzen wird, sondern UDP und das wird für das Fax zum Todesstoß. Ich hoffe, dass den meisten von Ihnen der Unterschied zwischen UDP und TCP geläufig ist, für alle anderen hier eine kurze Erläuterung der Unterschiede:

Beim Umstieg auf die IP Technologie muss man sich immer die Hierarchieebenen des DoD oder ISO/OSI Modells vor Augen führen. Dieses besagt, dass die IP Adresse (Layer 3) zum Auffinden des Teilnehmers im Netzwerk genutzt wird, die beinhalteten Daten jedoch mittels TCP/UDP Portnummern (Layer 4) angezeigt werden. Dabei setzt man bei TCP auf ein Verfahren, das eine Transportsicherung zulässt. Hierzu wird vor dem Versenden der Daten, zwischen Sender und Empfänger, ein sogenannter Circuit aufgebaut und jedem einzelnen Paket eine aufsteigende Sequenznummer zugewiesen, die vom Empfänger bestätigt werden muss. Erfolgt diese nicht, wird der Versender das verlorene Paket erneut senden (Timeout and Re-Transmission).

UDP ist hier bedeutend einfacher gestrickt, da es keine Transportsicherung beinhaltet, die diesen Namen verdient. Hier werden die Daten „verbindungslos“ übertragen, in der Hoffnung, dass sie beim Empfänger ankommen. Daraus resultiert, dass verlorene Informationen nicht erneut übermittelt werden können.

Das bringt uns dann zurück zur VoIP Technik. Hier werden Sprachdaten immer mittels UDP übertragen, da:

  • Die Vollständigkeit aller Pakete kein Muss ist um Sprache zu übertragen (bis zu 5% Paketverluste kann man hinnehmen ohne Qualitätseinbußen)
  • Eine Wiederholung eines verlorenen Paketes keinen Sinn ergibt, da es zu spät beim Empfänger eintrifft um in den Sprachdatenstrom eingebaut zu werden (TCP Re-Transmission nach 1,5-facher Round Trip Time, RTT)

Das, was aber für die Sprache richtig ist, wirkt sich verehrend auf das Fax aus. Gehen hier einzelne Pakete verloren, so bedeutet dies, dass im zu übertragenden Dokument Inhalte fehlen können.
Daher hat man bei der ITU mehrere Verfahren standardisiert, wie das Thema Fax in IP Netzen umzusetzen ist. Diese sind als Ergänzung zum T.30 Standard zu sehen und umfassen die Varianten T.38 und T.37.

Das Protokoll T.37 findet dabei leider in der allgemeinen Betrachtung wenig Gehör, was eigentlich sehr schade ist, handelt es sich doch um eine TCP Übertragung, die auf dem SMTP Protokoll beruht.

Die Vorgehensweise dabei ist, dass ein Fax Gateway die empfangenen Daten nach T.30 sammelt und diese dann als E-Mail Anhang (TIFF Datei) an das Zielsystem versendet (Store and Forward). Durch den Rückgriff auf SMTP und TCP ist dabei sichergestellt, dass alle Daten beim Empfänger ankommen.

Leider gibt es nur eine geringe Verbreitung von T.37 Lösungen, die aber natürlich auch die Frage aufwerfen: Warum nicht direkt das Dokument per E-Mail versenden?

T.38 hingegen setzt auf eigenes Protokoll, das Internet Facsimilé Protocol (IFP). Vereinfacht gesagt wird auch hier das Fax in ein Bild umgewandelt, nur dass die Bitabfolge jetzt direkt in Echtzeit übertragen wird und nicht wie bei T.37 erst zwischen gespeichert werden muss. IFP verhält sich dabei ähnlich wie RTP. Dies bedeutet, das Protokoll nutzt keine „well known Ports“, sondern diese werden beim Verbindungsaufbau mittels des SDP Protokoll ausgetauscht und sind Session spezifisch.

Die Übertragung kann sowohl über TCP als auch über UDP erfolgen.

Das Verfahren wird als IFT Internet Facsimile Transfer bezeichnet und ist im ITU Dokument T.38 von 11/2015 näher beschrieben.

Das IFP Paket Format besteht aus 2 Feldern:

  • Dem T30_INDICATOR TYPE, der die u.a. die Art des modulation trainings definiert (von ITU-T V.27 2400 bis ITU-T V.33 14 400
  • Und dem eigentlich Datenanteil T30_DATA mit folgenden Werten: ITU-T V.21 Channel 2 bis ITU-T V.33 14 400

Die weiteren Ausführungen der ITU gehen jedoch davon aus, dass die Übertragung in der Regel mittels UDP erfolgen. Um dabei auftretende Paketverluste zu kompensieren sieht der Standard deshalb die Einführung von Redundancy Messages innerhalb des Datenanteils vor.

Alternativ kann aber auch das RTP Protokoll genutzt werden.

Kurzum: T.38 ist ein paketorientiertes, auf UDP ausgelegtes Verfahren zur Übertragung eines leitungsvermittelnden, analogen Dienstes und dies kann nicht funktionieren. Man versucht hier einen Dienst in eine Welt zu retten, die schon entsprechende Dienste für das Problem Dokumentenübertragung hervorgebracht hat (s. E-Mail).

Man packt doch auf ein Maultier kein Gepäck um dann das Maultier, inkl. Gepäck, mit dem LKW über die Autobahn zu fahren.

Und im Ergebnis zeigt sich dann auch, dass T.38 nicht wirklich eine befriedigende Lösung darstellt.

Selbst große Provider geben ganz unumwunden zu, dass es bei einem Dokumentenversand von mehr als 4 bis 5 Seiten zu Abbrüchen kommt. Auch werden nur Übertragungsraten bis 14 400 bps laut ITU Dokument unterstützt und auch der Hinweis auf rechtliche Argumente, wie der Schriftform, zieht nicht wirklich. Hier ein Auszug von it-recht-kanzlei.de:

Erklärungen per E-Mail, Telefax oder Computerfax entsprechen daher in Regel nicht der Schriftform.

  • Erklärungen per Telefax: Erklärungen per Telefax entsprechen nicht der Schriftform, denn das Fax dient lediglich der Übermittlung. Der Empfänger erhält eine Unterschrift nur in Form einer Kopie, nicht das zur Wirksamkeit der Erklärung erforderliche Original.
  • Erklärungen per E-Mail: Auch E-Mails entsprechen nicht der Schriftform. Denn E-Mails sind nur über das Internet übertragbare Nachrichten, die lediglich dann das Schriftformerfordernis erfüllen, wenn ein Ausdruck der E-Mail mit einer Unterschrift versehen ist.

Die schriftliche Form kann allerdings gemäß §§ 126 Abs.3, 126 a BGB durch die elektronische Form ersetzt werden.

Das elektronische Dokument muss dazu mit einer so genannten „qualifizierten elektronischen Signatur“ im Sinne des Signaturgesetzes versehen sein (§ 126 a BGB) und der Erklärungsempfänger muss mit der elektronischen Form einverstanden sein. Handelt es sich um einen Vertrag, müssen die Vertragsparteien jeweils ein gleichlautendes Dokument wirksam elektronisch signieren.

Ist die Schriftform nicht Wirksamkeitsvoraussetzung, sind Erklären per Telefax oder per E-Mail wirksam, auch mündliche Erklärungen. Aus Beweisgründen kann bei wichtigen Erklärungen aber z.B. ein per Einschreiben versandter, unterschriebener Brief oder bei Verträgen die Unterschriften der Vertragspartner dennoch sinnvoll sein.

Quelle: http://www.it-recht-kanzlei.de/gesetzliche-schriftform.html

Fazit: Das Fax wird den Wandel vom PSTN zum IP basierten Netzwerk nicht überleben, machen Sie sich daher heute schon Gedanken, wie Ihre Geschäftsprozesse ohne Fax gestaltet werden können. Mögliche Lösungen, wie digital signierte Dokumente, werden heute schon vom Gesetzgeber anerkannt.

Der Versuch, den Fax Dienst über 2018 hinaus zu nutzen, wird böse Überraschungen bereithalten.

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Ein Kommentar zu "Das Fax stirbt 2018 – T.38 ein Verfahren ohne Zukunftssicherheit":

  1. AK schreibt:

    interessanter Artikel, gut geschrieben, vielen Dank dafür.

    Aktuell ist aber in Deutschland der Zugang zu Telefax-Diensten noch Teil der Grundversorgung (§78 TKG), zumindest die Telekom Deutschland GmbH muss daher eine Lösung für dieses Thema bereitstellen

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