Das Schweizer Taschenmesser für den Netzbetrieb?

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Kennen Sie schon das aktuelle Top-Produkt eines bekannten Schweizer Herstellers? Ganze 80 Funktionen hat dieses Universalmesser. Aber mal Hand aufs Herz. Haben Sie schon mal versucht, damit im Garten einen Ast abzusägen oder am Auto eine Schraube festzudrehen? Ich benutze dafür lieber einen vernünftigen Fuchsschwanz oder nehme mir den passenden Schraubendreher aus einem gut sortierten Werkzeugkasten.

Auch Tools für den Netzbetrieb scheinen mir zuweilen diesem Schweizer Messer ähnlich. Oder sagen wir es anders: Der Anspruch an die Tools ist dem Anspruch an das Schweizer Messer vergleichbar: Man möchte ein Tool für alle Aufgaben. Selbstverständlich Multi-User- und Mandanten-fähig. Einerseits soll es das Front-End für den User Help Desk sein, das alarmiert und selbsttätig Tickets erstellt. Andererseits möchte der Netzwerk-Spezialist daraus detaillierteste Informationen für das Trouble Shooting zu Tage fördern können. Natürlich soll die Netzwerk-Dokumentation in graphischer Form hinterlegt sein und sich von selbst aktualisieren, wenn eine neue Komponente durch den Auto-Discovery-Prozess erkannt wurde. Alle Performance-Parameter im Netz sind über einen Zeitraum von mindestens einem Jahr vorzuhalten, schließlich weiß man ja vorher nicht, wer im Fall des Falles auf welche Parameter wann zurückgreifen muss. Und die Unternehmensleitung möchte jederzeit auf Knopfdruck einen Report über den Gesundheitszustand des Netzes erhalten. Und am Ende soll das Tool natürlich Kosten sparen. Mit anderen Worten, der hohe Investitionsaufwand soll sich durch Einsparungen auf der Personalseite am Ende amortisieren.

War ich deutlich genug? Es ist klar, dass es so etwas nicht geben kann. Ich nenne zwei Gründe: Erstens werden Sie so etwas kaum benötigen. Ich stelle mir nur gerade vor, mein Chef könnte sich auf Knopfdruck einen Report ziehen. Danke nein! Den Report möchte ich doch lieber selbst aufbereiten und meinem Chef geben. Es kann schließlich sein, dass Erläuterungsbedarf besteht. Außerdem werden Sie wohl kaum alle verfügbaren Performance-Parameter im Netz aufzeichnen wollen, denn das schlägt sich bei manchem Tool in hohen Lizenzgebühren nieder. Als Beispiel führe ich gerne den Parameter „FCS Errors“ an. Tritt dieser Fehler auf, ist sofortiges Handeln vonnöten, um den Fehler abzustellen. „FCS Errors“ sind im Rahmen der Alarmierung zu behandeln.

Sie werden also zunächst Ihren Bedarf analysieren. Welche Informationen benötigen Planung, Betrieb und Trouble Shooting wirklich? Welche Informationen haben Ihnen in der Vergangenheit bei der Fehlersuche geholfen? In welchen Fällen hätten Sie eine Störung schneller beseitigen können, wenn Sie bestimmte Informationen gekannt hätten, die Ihnen aber mangels Tools vorenthalten waren. Wer in Ihrem Hause soll die Verantwortung für welches Tool übernehmen, und hätte auch Freude (!) daran? Welche Tools gibt es in Ihrem Hause bereits, welche werden nur mangelhaft genutzt? Wo könnten andere Betriebsprozesse auch ohne neue Tools die Kundenzufriedenheit erhöhen? Ich bin darauf bereits in meinen „Standpunkt“ vom Januar 2012 eingegangen.

Zweitens – und das erkennen Sie spätestens jetzt – werden Sie mit Tools keine Kosten sparen. Denn der personelle Aufwand für Einführung und Pflege ist in jeden Fall hoch. Häufig übersteigt er sogar die Anschaffungs- und Wartungskosten. In Anbetracht dessen empfehle ich, möglichst einfache und passgenaue Tools anzuschaffen. Suchen Sie gar nicht erst nach dem Schweizer Taschenmesser!

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