DC-History (1): die geordneten 70er

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Teil 30 von 71 aus der Serie "Professionelle Datenkommunikation"
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Das in Teil 4 der Reihe vorgestellte OSI-Referenzmodell ist der grundlegende Standard für die Verteilung von Aufgaben in einem Kommunikationssystem. In einem Prozess, der rückblickend ungefähr 20 Jahre gedauert hat, konnten alle für die Übertragungstechnik wichtigen Technologien, die in den Teilen 5 – 29 der Reihe vorgestellt wurden, in die OSI-Schichtensystematik eingegliedert werden. Die Entwicklungen bei den höheren Schichten und vor allem der letztliche Erfolg der TCP/IP-Protokollfamilie werden allerdings nur dann wirklich verständlich, wenn man den Entwicklungshintergrund zusammenhängend betrachtet. Deshalb beginnen wir in dieser Folge mit einem historischen Abriss der Entwicklung der DV und den Folgen für die Datenkommunikation.

Es gibt heute eigentlich nur wenige Anwendungsbereiche, in denen TCP/IP-Protokolle nicht die Arbeit tun, die OSI-Protokolle hier hätten tun sollen, nur wesentlich weniger aufwendig und meist viel billiger.

Das war allerdings ein sehr langwieriger Prozess, für den die Bezeichnung „schwere Geburt“ kaum ausreicht.

Der Grund dafür ist eine recht enge Bindung der höher angesiedelten Kommunikationsfunktionen an die Betriebssysteme.

Aus der Perspektive eines Betriebssystems ist eine Netzwerk-Adapterkarte, sagen wir einmal für Ethernet, ein I/O-Gerät. Für ein I/O-Gerät braucht man einen I/O-Treiber, der es ermöglicht, das I/O-Gerät von diesem Betriebssystem aus zu steuern. Das merkt jeder selbst: wenn man einen neuen Drucker gekauft hat, muss man auch einen passenden Treiber installieren. Das geht meist schnell und problemlos, der Treiber ist ein kleines Programm. Was die Netzwerk-Anbindung betrifft, verhält es sich genauso. Ob nun Ethernet, WLAN oder DSL: man benötigt nur einen Treiber, damit der Rechner über diese Schnittstelle kommunizieren kann.

Bei den Funktionen ab der OSI-Schicht 3 ist das nicht mehr so einfach. Hier geht es nämlich um Funktionen, die das Betriebssystem weder vollständig sehen noch vollständig kontrollieren kann (Schichten 3 und 4, Routing und Transportkontrolle) oder die sehr tief in die Kernfunktionen des Betriebssystems eingreifen (Schicht 5 Kommunikation auf Systemebene, Schicht 6 Datendarstellung, Schicht 7 Anwendungsunterstützung).

Wie bereits angedeutet, gewinnt man kein tieferes Verständnis hinsichtlich der heutigen Implementierungen, wenn man sich nicht wenigstens kurz mit der Entwicklungsgeschichte der Datenverarbeitung beschäftigt.

Wir beginnen mit dem Zeitraum 1970 – 1979. Zu dieser Zeit war die statistische Mehrheit der heute aktiv in der Datenkommunikation tätigen Profis noch in der Planungsphase. Die Umbrüche der „wilden 60er“ zeigten zwar langsam Wirkung auf das tägliche Leben in politischer und sozialer Hinsicht, aber da die erste Mondlandung schon fast wieder vergessen war, war das Interesse des durchschnittlichen Menschen an Informations-Technologie eher gering. In Deutschland entstanden aber wie überall die ersten Informatik-Studiengänge.

In diesen Jahren war die Welt der Datenverarbeitung vollständig von Großrechnern bestimmt. Mit zunehmender Anzahl von Benutzern bestimmter auf diesen Rechnern laufender Anwendungsprogramme ergab sich zunächst die Notwendigkeit, die Terminals der Benutzer auch in einer gewissen Entfernung vom RZ betreiben zu können. So entstanden die ersten Terminal-Netze, die natürlich mit einer vom jeweiligen Hersteller vollständig entworfenen und durchkonstruierten Architektur realisiert wurden. Das sicherlich bis heute bekannteste Beispiel ist SNA (Systems Network Architecture) von IBM. Bei SNA gab es als unterste Stufe die Terminals. Eine Menge von (völlig dummen) Terminals wurde durch einen Controller gesteuert. Eine Menge von Controllern wiederum wurde von einem sog. Kommunikations-Vorrechner (Front-End) versorgt. Der oder die Kommunikations-Vorrechner (Front-Ends) wurden mittels des I/O-Kanals an den IBM-Host angeschlossen. Sowohl die Verbindung zwischen Host und Kommunikations-Vorrechner als auch die zwischen Controllern und Terminals wurden mit komplett von IBM entwickelten Technologien hergestellt. Terminals wurden z.B. mit einem dicken Koaxialkabel an den Controller angebunden, damit die atemberaubende Datenrate von ca. 9600 Bit/s. auch unfallfrei realisiert werden konnte.

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