esmog Planung Elektrosmog-reduzierter WLANs
Das TERW-Konzept
 
Der vorliegende Report gibt zunächst einen kurzen Überblick über die kommenden Technologiegenerationen und ihre Nutzungsmöglichkeiten. Danach wird Thema RF-EMF-Belastung durchleuchtet und die Ergebnisse der aktuellen Forschungsstudien vorgestellt. Daraus werden dann die wichtigen fundamentalen Designregeln abgeleitet, die zum so genannten TERW-Design führen. Diese Regeln vereinen das Ziel möglichst geringer RF-EMF-Belastung mit dem Ziel möglichst hohen Funktionenreichtums.
 
Umfang
167 Seiten - April 2005
 
Autor
Dr. Franz-Joachim Kauffels
 
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Die neuen Kommunikationsmöglichkeiten rund um WLANs und zukünftig auch WiMAX sind sowohl aus wirtschaftlicher als auch aus funktioneller Sicht ausgesprochen attraktiv und werden sich in den kommenden Jahren noch schneller als bisher ausbreiten. Insbesondere die kommerziellen Vorzüge der neuen Systeme sind derart deutlich, dass sie eine enorme Verbreitung erfahren werden. Man rechnet international mit jährlichen Wachstumsraten von mindestens 20%. Die für ein individuelles Endgerät erzielbaren Datenraten liegen bei derartigen Lösungen weit höher als bei den bekannten Systemen, die auf GPRS oder UMTS basieren. Wegen der vergleichsweise geringen Reichweiten ist allerdings der Aufbau einer flächendeckenden Wireless-Infrastruktur erforderlich, die gleichzeitig das Potenzial hat, innerhalb von Unternehmen und Organisationen die bisherige kabelbasierte Vernetzung mittelfristig zu verdrängen.

Die massive Ausbreitung von Wireless-Infrastrukturen wirft jedoch die Frage nach der Belastung von Menschen durch die entstehenden elektromagnetischen Felder (RF-EMF) auf. Neue europäische Studien belegen, dass es ein generelles gesundheitliches Risiko durch Elektrosmog gibt. Die Ergebnisse dieser Studien gehen weit über die bisherigen Annahmen hinaus. Wir haben diese Studien analysiert und geben in dem vorliegenden Technologie Report konkrete Empfehlungen für die Handhabung von Grenzwerten und die Planung und den Betrieb von Funknetzen.

Generell war und ist ein sensibler und vorsorgeorientierter Umgang mit diesen Fragestellungen nützlich und entspricht den Empfehlungen von WHO, EU-Kommission und anderen Institutionen.  Die neuen Studien zeigen jetzt, dass die z.B. im Rahmen der CE-Zertifizierung vorgeschriebenen Grenzwerte für RF-EMF unter Umständen nicht ausreichend sind, um Wirkungen innerhalb menschlicher Körper mit Sicherheit völlig auszuschließen. Aus den Ergebnissen dieser Studien ergeben sich jedoch andererseits auch Grenzwerte, bei denen keine Belastung mehr festzustellen war.

Erschwerend bei der Erschließung der Thematik sind unterschiedliche Quantifizierungen in Radiotechnik und Dosimetrie. Da Elektrosmog aber – völlig unabhängig von der zurzeit nicht mit Sicherheit endgültig zu beantwortenden Frage, ob und ab welchen Grenzwerten er eine nachweisbar negative Auswirkung auf den menschlichen Organismus hat – für nichts nutze ist, sollte man von Anfang an darauf hinwirken, ihn so weit wie möglich zu minimieren. Wesentlich für die Betrachtung entsprechender Maßnahmen ist die Schaffung eines nachvollziehbaren Übergangs zwischen den üblicherweise verwendeten physikalischen Quantitäten für Feldstärken und der dosimetrischen spezifischen Absorptionsrate SAR, die beispielsweise auf dem Beipackzettel von GSM-Handys angegeben ist.

Die aktuelle WLAN-Technologiegeneration liegt hinsichtlich der RF-EMF-Feldstärke und der durch sie entstehenden spezifischen Absorptionsrate im menschlichen Gewebe um Faktoren zwischen 1.000 und 100.000 unter den Grenzwerten, die entstehen, wenn man die neuen Studien berücksichtigt. Schon mit dieser Technologiegeneration ist eine Planung mit möglichst geringer persönlicher Belastung möglich und sinnvoll. Neue Standards wie IEEE 802.11h und 11n sowie IEEE 802.16 (WiMAX) ermöglichen eine hinsichtlich der RF-EMF-Belastung weiter optimierte und im Betrieb automatisch kalibrierende kabellose Infrastruktur. Insgesamt sind mit den neuen Technologien Versorgungsstrukturen möglich, deren Gesamtbelastung bei deutlich erweiterter Funktionalität weit unter der Belastung existierender  Systeme wie GPRS, UMTS oder DECT liegt.

Doch auch wenn die neuen Systeme jedes für sich hinsichtlich einer möglichst geringen Elektrosmog-Belastung für die individuellen Endbenutzer optimiert sind, steigt, wenn man nichts weiter unternimmt, natürlich dennoch die Gesamtbelastung gegenüber heute einfach durch die entstehende Vielfalt. Dies ist allerdings ein durchaus abwendbares Schicksal!

Die Minimierung der Gesamtbelastung setzt die Beachtung einiger wesentlicher, einfacher Grundregeln ganz früh im Designprozess voraus. Das in dieser Studie eingeführte TERW-Designkonzept unterstützt die Planung funktional reichhaltiger und gleichzeitig besonders belastungsarmer drahtloser Infrastrukturen in einer frühen Stufe. Realisierungen, die diesem Konzept folgen, weisen, wenn überhaupt, nur marginale Mehrkosten gegenüber einem funktional äquivalenten Design, welches auf die Belastung überhaupt keine Rücksicht nimmt. Die durchschnittlichen jährlichen Kosten werden jedoch auf etwa 20% der bisherigen Kosten fallen und gleichzeitig die RF-EMF-Belastung durchschnittlich um den Faktor 100 - 200 gesenkt.

Ein wesentliches Instrument in diesem Zusammenhang ist die Substitution von betriebsintern genutzten GSM-Handys durch Voice-over-WLAN-Endgeräte und die Einführung einer drahtlosen "Voice Ready"-Infrastruktur. VoWLAN ist nur die konsequente Weiterentwicklung von VoIP. Da VoWLAN-Handys aber funktional äquivalent zu GSM-Handys sind, kann man z.B. innerhalb eines Betriebes fast völlig auf den Einsatz von GSM-Handys verzichten. Angesichts der enormen Kosten, die das Handytelefonieren in Unternehmen verursacht, ist das enorm attraktiv. Noch in 2005 werden die ersten Handys, die GSM und VoWLAN unterstützen, vorgestellt.

Ein Unternehmen oder eine Organisation, die VoWLAN flächendeckend einführt, fällt dadurch automatisch in die Rolle eines TK-Providers. Damit ist aber auch unmittelbar die Verantwortung verbunden, im Sinne der Sorgfaltspflicht über die rein technische Planung hinaus die Interessen der betroffenen Mitarbeiter nach möglichst weitgehendem Schutz vor möglichen gesundheitlichen Schäden durch die Einwirkung der vielen zusätzlichen elektromagnetischen Felder zu berücksichtigen und zu vertreten.

Darüber hinaus ist es durchaus im Rahmen des Möglichen, dass die heute existierenden Grenzwerte nach den neuen Erkenntnissen herabgesetzt werden. Wenn man aber den Entscheidungsprozess der Gremien und deren Zusammenhänge durchleuchtet, kann man schon jetzt sagen, in welchem Rahmen das wenn überhaupt geschehen wird. Dieser Aspekt ist ganz besonders wichtig, denn eine spätere Nachbesserung von Systemen hinsichtlich neuer Grenzwerte wird gegebenenfalls sehr teuer.