Die Zukunft von VoIP und UC liegt in der Cloud

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Seit geraumer Zeit beobachten wir bei ComConsult Research die Vorgänge am deutschen und am europäischen Markt. Das Fazit, das sich hieraus ergibt, wird dem ein oder anderen Leser nicht gefallen, aber es wird sich mittelfristig nicht mehr verhindern lassen: VoIP und UC Lösungen werden zukünftig aus der Cloud erbracht werden.

Natürlich fragen Sie sich jetzt, was denn an dieser Erkenntnis neu sein soll, da doch schon seit mehreren Jahren hierfür massiv geworben wird. Dafür muss man zunächst einmal einen Blick auf die aktuelle Situation der VoIP und UC Verbreitung und auf die Akzeptanz von Cloud Lösungen werfen und in einem dritten Schritt die aktuellen Neuerungen und Anforderungen auf Seiten der Kommunikation von Unternehmen und Kunden betrachten.

Doch zunächst ein Blick auf die aktuelle Situation im Enterprise UC, oder besser, Telefonie Markt.

Laut Aussage vom Alcatel Lucent Enterprise werden heute noch bei Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern ca. 60% aller Projekte mit digitalen Telefonsystemen umgesetzt und auch bei größeren Installationen mit bis zu 1000 Nutzern ist der Anteil mit ca. 25% immer noch sehr hoch.

Diese Zahlen entsprechen im Übrigen auch unseren Erfahrungswerten, die wir aus Befragungen unserer Kunden gewonnen haben. Diese besagen, dass ca. 20% aller Neu-Installation in Vermittlungstechnik ausgeführt werden.

Diese Zahlen sind vor allem deshalb interessant, da ja alle Netzprovider angekündigt haben ihre Telefondienste ab 2017 bevorzugt nur noch als VoIP Service zur Verfügung zu stellen.

Dies bedeutet aber auch, dass diejenigen Kunden, die sich heute bewusst für eine digitale Telefonlösung entscheiden, noch nicht erkannt haben, dass sie sich auch von der Zukunft der Kommunikation abkoppeln und die Mehrwerte von UC nicht sehen oder keinen Business Case erkennen können.

Und dieser Business Case muss nicht zwangsläufig bei der Kommunikation im eigenen Unternehmen gesucht werden, sondern kann sich durchaus auch an Prozessen orientieren, die über die eigene Unternehmensgrenze hinausgehen. Doch dazu später.

Zu diesen eher ernüchternden Zahlen kommt zusätzlich die Erkenntnis, dass der Einsatz von UC im deutschen Markt immer noch auf sich warten lässt. Auch hier zeigen die Unternehmen eine starke Zurückhaltung beim Einsatz von erweiterten Kommunikationsdiensten wie IM, Präsenz oder Kollaboration mittels der Enterprise VoIP Plattform. Laut einer Reihe renommierter Lösungsanbieter beschreiten nur ca. 30% aller Neu-Installationen diesen Weg.

Auf der anderen Seite suchen jedoch die Netzbetreiber neue Einnahmequellen, da ihr klassischen Gebührenmodelle zur Abrechnung von Telefongesprächen zunehmend zum Erliegen kommen. Flat Rate-Modelle zur Abrechnung von Telefondienstleistungen sind nach ihrem Durchbruch bei der Mobiltelefonie jetzt auch im Festnetz völlig normal und haben eine erstaunliche Bandbreite erreicht.

  • Nationales Festnetz
  • Nationale Mobilfunknetze
  • Europa
  • International

sind nur einige Beispiele, die heute angeboten werden, um die zeit- und/oder entfernungsabhängig tarifierten Verbindungsdienstleistungen abzulösen und damit die Festnetzanbieter in eine schwierige Ertrags-Situation bringen.

Zusätzlich drängen immer stärker Firmen wie sipgate QSC oder NFON in den Markt, so dass große Netzbetreiber wie Vodafon oder auch die Telekom eigene Cloud basierte Telefonanlagenlösungen betreiben müssen um weiterhin wettbewerbsfähig zu sein.

Diese, aktuell sehr sprachorientierten Lösungen, bieten dabei ein erstaunliches Leistungsspektrum, darunter natürlich alle klassischen Merkmale, die man im Büroumfeld zwingend erwartet, wie: halten, makeln, weiterleiten, anklopfen, Rufumleitung permanent oder nach Zeitvorgabe, Rufweiterleitung bei besetzt, Fax-Versand & Empfang am Arbeitsplatz, Voicemail, Speech-to-Text und MWI. Aber auch übergreifende Leistungsmerkmale wie Anrufübernahmegruppen, zeitgesteuerte Ansagen oder einfache Kontaktcenter-Funktionen können umgesetzt werden.

Nun wird der ein oder andere anführen, dass es mit der Qualität und Verfügbarkeit solcher Lösungen nicht weit her sein kann. Dabei verkennen diese Kritiker, dass hinter der Diensterbringung durchaus professionelle Lösungen stehen. Nicht jeder Anbieter setzt auf eine OpenSource Lösung wie Asterisk* oder Kamailio. Viele Anbieter, darunter Telekom oder NetCologne, nutzen z.B. Swyx und haben daher auch einen entsprechenden Support seitens des Herstellers im Rücken.

Natürlich steht und fällt die Gesprächsqualität mit der zur Verfügung stehenden Internet-Bandbreite bzw. mit der Möglichkeit den Sprachverkehr zu priorisieren. Lösungen wie die von NetCologne oder der Telekom sind zudem an die Bereitstellung einer Datenleitung gekoppelt.

Nach nunmehr 5 Jahren Erfahrung mit einer Cloud TK Lösung von sipgate können wir bei der ComConsult Research ein positives Fazit bezüglich der oben genannten Faktoren ziehen: Die Ausfälle in diesem Zeitraum beliefen sich auf wenige Stunden, die dabei genutzte Internetanbindung hatte im Betriebszeitraum (wöchentlich Mo-Fr, 8:00- 17:00) eine Verfügbarkeit von annähernd 100%.

Die Vorteile, die sich aus dieser Lösung ergeben, liegen für uns klar auf der Hand:

  • Einfache Administration im Vergleich zur vorher genutzten Asterisk* Lösung
  • Schneller & Qualifizierter Support bei Problemen
  • Kein Aufbau von eigenem, TK-spezifischen Know How nötig
  • Kurze Vertragslaufzeit
  • Geringer CAPEX Bedarf (nur Tischtelefone und Softclients + Zubehör)
  • Geringe monatliche Kosten gegenüber dem zuvor genutzten PMX Anschluss (Pay as you grow & pay what you need)

Und dabei reden wir bis jetzt nur über einen reinen Sprachdienst.

Ergänzt wird die eingesetzte Lösung durch diverse andere cloudbasierte Kommunikationsanwendungen. Für Präsenz, IM und Videochat kommt Skype for Business auf Basis von Office365 zum Einsatz. Für Videokonferenzen mit dritten nutzen wir Zoom.

Wie man also sieht sind UC und VoIP als Clouddienst heute schon voll einsatzfähig.

Nun weiß man aber auch, dass wir hier in Deutschland beim Einsatz von Lösungen im Bereich der Kommunikation eher konservativ bzw. abwartend agieren. Oft spielt dabei das Argument der Datensicherheit und der Verfügbarkeit eine entscheidende Rolle, aber auch die Frage nach den einsetzbaren Leistungsmerkmalen ist immer noch immens wichtig.

Gerade der letzte genannte Punkt ist übrigens eines der Hauptargumente für eine Anlage, die auf Basis klassischer Vermittlungstechnik beruht oder ein proprietäres VoIP Protokoll einsetzt. SIP basierte VoIP Lösungen erreichen hier bei Weitem nicht den Leistungsumfang wie ihre „alten“ Mitbewerber. Einen Nachteil, den sie jedoch mit dem Ansatz der Multimediafähigkeit ausgleichen können.

Man ist heute daher immer noch der Meinung, dass eine Kommunikationslösung im Eigenbetrieb gerade in diesen Bereichen einfacher zu beherrschen ist als eine moderne Cloud-Lösung.

Was jetzt aber die Verfügbarkeit und Sicherheit anbelangt, spätestens mit der Umstellung des Primär Multiplex Anschlusses auf einen SIP Trunk verliert die bisher abgeschlossenen TK-Welt ihren Sicherheitsnimbus. Sie wird jetzt genauso angreifbar wie alle anderen Infrastrukturen, die mittels TCP/IP miteinander kommunizieren.

Und was die Bedeutung der Leistungsmerkmale anbelangt zeigt sich, dass die zwischenmenschliche Kommunikation im Büroalltag sich immer mehr von einer verbalen zu einer nonverbalen Verständigung verlagert.

Schauen Sie nur auf die nachfolgende Generation, für diese ist ein Leben ohne WhatsApp bzw. Kurznachrichtendienst kaum vorstellbar, worüber die Sprachfunktion des Smartphones fast in Vergessenheit gerät. (Und auch ich nutzte dieses hauptsächlich um Textnachrichten aller Art zu lesen und immer weniger zum Telefonieren.)

An dieser Stelle möchte ich noch einmal den Faden bezüglich der Netzbetreiber aufgreifen. Wie schon gesagt, sehen wir hier Stand heute ein breites Angebot an Telefonanlagen Lösungen. Dabei spielt es erstmal keine Rolle, ob der Dienst aus einer Privat Cloud (früher nannte man das Outsourcing) oder einer Public Cloud als SaaS (Software as a Service) angeboten wird. Was noch fehlt ist die volle Integration von UC Diensten. Es gibt hier und dort zaghafte Ansätze Funktionen wie IM oder Präsenz in die Produkte mit aufzunehmen, aber der Fokus liegt immer noch auf der Telefonie.

Aber die Provider werden zum Handeln gezwungen. Wie schon eingangs erwähnt, bricht ihnen das Geschäft mit den Vermittlungsentgelten weg. Daher müssen sie sich neue Geschäftsfelder erschließen, denn als reiner Leitungsanbieter werden die Margen in der Zukunft nicht ausreichen um erfolgreich am Markt bestehen zu können. In diesem Zusammenhang möchte ich nur auf die Kosten der Internetanbindungen verweisen. Vor 4 Jahren bewegten sich die Kosten eines 10 Mbit Glasfaseranschlusses auf einem Niveau, für das sie heute durchaus 100 – 200 Mbit erhalten.

Was liegt da also näher als qualifizierte Dienste anzubieten – und genau dies passiert derzeit.

Bevor wir aber jetzt die Cloudlösungen genauer unter die Lupe nehmen, möchte ich noch einmal kurz die Definition der unterschiedlichen Varianten voranstellen um Missverständnisse zu vermeiden.

Laut NIST, dem amerikanischen Pendant zum DIN, lassen sich Cloud-Services in folgende vier Kategorien einteilen:

  1. In einer Private Cloud wird die Cloud-Infrastruktur nur für eine Institution betrieben. Sie kann von der Institution selbst oder einem Dritten organisiert und geführt werden und kann dabei im Rechenzentrum der eigenen Institution oder einer fremden Institution stehen
  2. Von einer Public Cloud wird gesprochen, wenn die Services von der Allgemeinheit oder einer großen Gruppe, wie beispielsweise einer ganzen Industriebranche, genutzt werden können und die Services von einem Anbieter zur Verfügung gestellt werden.
  3. In einer Community Cloud wird die Infrastruktur von mehreren Institutionen geteilt, die ähnliche Interessen haben. Eine solche Cloud kann von einer dieser Institutionen oder einem Dritten betrieben werden.
  4. Werden mehrere Cloud Infrastrukturen, die für sich selbst eigenständig sind, über standardisierte Schnittstellen gemeinsam genutzt, wird dies Hybrid Cloud genannt.

Nachdem nun die Definition von Cloud Services geklärt ist, können wir uns jetzt den Anbietern und ihren Lösungen zuwenden.

Wichtig bei der Betrachtung ist hier die Art der Cloudlösung, die zur Verfügung gestellt wird. Zur Unterscheidung kann man grob folgende Einteilung hernehmen:

  • Reine Cloud PBX Anbieter wie QSC oder sipgate betreiben einen Public Cloud Service
  • Netzbetreiber wie die Telekom und Vodafone bieten neben klassischen Lösungen immer auch eine Public Cloud Lösung an
  • IT Provider wie Dimension Data oder T-Systems können neben Public Cloud-Diensten auch Privat- und Hybrid- Cloud Services anbieten

Um die Komplexität der Produktvielfalt zu verdeutlichen habe ich mir einmal das Beispiel der Deutschen Telekom herausgegriffen. Hier kann man sehr gut erkennen, wie sich ein Provider bemüht den Umstieg vom Netzbetreiber zum Serviceanbieter zu vollbringen.

Grundsätzlich unterscheidet man hier zwei Produktgruppen. Zum einen sind da die reinen VoIP Dienste und als zweiten Bereich kann man eine Reihe von UC und Kollaboration Services erkennen.

Die VoIP Cloud besteht dabei aus zwei Produkten:

  1. DeutschlandLAN Skype for Business mit dem Hauptfocus auf Zusammenarbeit und den daraus resultierenden Einbußen bei den Leistungsmerkmalen im Bereich der klassischen Telefonie
  2. DeutschlandLAN Swyx mit dem exakt gegensätzlichen Ansatz (viele Leistungsmerkmale weniger UC)

Hinzu kommen für den Bereich der reinen Kollaboration und für Video- und Webkonferenzen die folgenden Lösungen:

  1. iMeet – eine browserbasierte Konferenz- und Kollaborationsplattform der Firma PGi – für bis zu 125 Teilnehmer (Inkl. HD Voice & Video, Screen & Filesharing)
  2. Das etablierte Cisco WebEx
  3. Das ebenfalls browserbasierten Unify Circuit inkl. einer optionalen Telefonie-Integration (hierfür wird allerdings ein All-IP Anschluss der Telekom benötigt)
  4. Und natürlich noch einmal Skype for Business von Microsoft

Wie man an der Produktsituation erkennen kann, ergeben sich eine Reihe von Möglichkeiten eine professionelle Cloud Lösung zu beziehen, die die unterschiedlichen Erwartungen an die Unternehmenskommunikation erfüllen. Der Focus dieser Lösungen liegt allerdings ganz klar auf dem KMU Bereich. Enterprise Kunden mit mehr als 5000 Teilnehmern werden hier bewusst nicht angesprochen.

Möchte man jetzt noch einen Schritt weitergehen und eine VoIP/UC-Lösung nach eigenen Vorstellungen umsetzen, so ist auch das mittels Cloud Ansatz möglich. Hierbei wechselt man dann jedoch das Modell hin zu einer Privat Cloud (s. Definition). Es gilt jedoch auch einige Nachteile gegenüber dem Public Cloud Modell zu beachten.

Der Aufbau einer Public Cloud erfolgt in der Regel mittels eines oder weniger Produkte, welche über eine Mandantenfähigkeit verfügen. Dies bedeutet, dass auf einer Instanz (Sever-Farm) mehrere Kunden parallel verwaltet werden können und dabei für jeden Kunden ein spezifischer, abgeschlossener Bereich zur Verfügung gestellt wird.
Auf der Basis dieser Bereitstellung, ergeben sich für den Service Anbieter eine Reihe von Vorteilen:

  1. Er muss nicht für jeden Kunden eine gesonderte Instanz aufsetzen
  2. Mengenvorteile beim Einkauf, z.B. bei den Lizenzen, können an die Kunden weitergegeben werden
  3. Die Anpassung der zugrundeliegenden Hardware und Software erfolgt Bedarfsgerecht je nach Anzahl der Nutzer
  4. Durch die Fokussierung auf wenige Produkte können Betriebskonzepte kostenoptimal gesteuert werden.

Natürlich haben Public Cloud Modelle auch Nachteile. Werden spezielle Zusatzleistungen benötigt wie Call & Contact-Center Integration in bestehende Betriebsprozesse auf Basis selbstentwickelter Software oder revisionssichere Sprachaufzeichnungsdienste, versagen in der Regel alle Public Cloud Lösungen.

Hier schlägt nun die Stunde der IT-Provider und ihrer Privat- bzw. Hybrid-Cloud Lösungen. Diese reichen vom reinen Out-Sourcing der Enterprise VoIP & UC Lösung bis hin zu Baukastenlösungen, die bei Bedarf speziell auf den Kunden angepasst werden können.

Dieses Modell wird vor allem von denjenigen Firmen gewählt, die sich vermehrt auf ihre Kernkompetenz fokussieren möchten. Als Beispiel fällt mir da aus meiner eigenen Erfahrung die Allianz Versicherung ein. Hier hat man vor einigen Jahren den Bereich der TK und Datennetze an einen IT-Provider ausgelagert. Wie gesagt früher nannte man dies Outsourcing heute würde man wohl eher von einer Privat Cloud sprechen.

Die Vorteile, die sich aus dieser Entscheidung ergeben, sind in erster Linie die Verlagerung der Kosten von CAPEX zu OPEX. Aber auch die Einsparung von Personalkosten ist hier ein nicht ganz unwichtiger Faktor.

Vergleicht man jedoch am Ende den Eigenbetrieb mit einer Privat Cloud Lösung wird man erstaunt feststellen, dass die Einsparungen bei Weitem nicht das Niveau erreichen wie bei einem Public Cloud Modell. Zum Teil ist es sogar so, dass der Eigenbetrieb weit günstiger ist als so manches Cloud Modell. Das wiederum liegt zum Teil am fehlenden Mengengerüst und an den speziellen Anforderungen der einzelnen Kunden.

Anderseits bieten gerade cloudbasierte UC Lösungen, egal ob Privat oder Public, einen guten Einstieg um die Vorteile der Mehrwertkommunikation zu erkunden. Ehrlicherweise muss man doch heute immer noch feststellen, dass VoIP und UC Produkte für die Betreiber einer klassischen TK-Anlage vollständiges Neuland sind und das obwohl wir schon das Jahr 2016 schreiben. Unsere Kurse bei der ComConsult Akademie zu diesen Themen erfreuen sich jetzt schon seit über 10 Jahren einer ungebrochenen Beliebtheit und eine Sättigung ist immer noch nicht abzusehen.

Gerade die Kombination aus neuer Basis Technologie (IP & SIP) und den Mehrwertdiensten aus dem UC Bereich erschweren es den Mitarbeitern aus dem klassischen TK Umfeld, schnell neue Lösungen aufzubauen und zu betreuen. Dies und der Mangel an gut ausgebildeten Mitarbeitern im ITK Sektor verstärken mit der Zeit den Trend Services auszulagern.

Jedoch muss der Schritt in Richtung IP basierter Dienste sowieso getätigt werden, möchte man nach 2017 noch telefonieren. Gerade mit dem Wechsel in der Basistechnologie, weg von ISDN hin zu SIP & IP, werden sich auch viele neue Projekte für UC, Video & Web Kollaboration ergeben.

Denn ein Aussitzen dieser Lösungen wird nur dazu führen, dass die Mitarbeiter sich Plattformen außerhalb der Unternehmens IT suchen werden, was zu erheblichen Sicherheitslücken, führt die nur schwer geschlossen werden können.

Aber auch die Unternehmen, die derzeit noch am Eigenbetrieb hängen und nicht planen diesen aufzugeben, werden in den kommenden Jahren immer mehr den Kostendruck zu spüren bekommen.

Wer sich die Quartalszahlen von Microsoft, Amazon, Alphabet und Co aus dem Sommer 2016 anschaut, wird unschwer erkennen, dass die größten Zuwächse dieser Unternehmen im Bereich der Clouddienste angefallen sind. AWS, als Spin Off zur besseren Auslastung der Amazon Rechenzentren gegründet, erwirtschaftet heute die größten Gewinne innerhalb des Konzerns.

Ähnlich sieht die Situation bei Microsoft aus, seit der Einführung von Skype for Business und Office 365 sind dies die am schnellsten wachsenden Umsatz- und Gewinnträger.

Und es sind genau diese Anbieter, die mit immer günstigeren Angeboten den Eigenbetrieb mittelfristig unrentabel werden lassen.

Hinzu kommt, dass auch die etablierten Anbieter von UC und VoIP Lösungen ihre Liebe zur Cloud entdeckt haben.

Egal ob Alcatel, Avaya, Innovaphone, Mitel oder Unify, alle bemühen sich in der Cloud Fuß zu fassen, um das Geschäft von Morgen nicht zu verlieren. Seit der Markteinführung von WebEx, gibt es den klaren Trend, Kommunikation, die nicht auf Telefontechnik beruht, ins Web zu verlagern.
Dazu gehören eben alle Dienste, die UC so reizvoll machen:

  • File- & Desktop Sharing
  • Web- & Videokonferenzen
  • Präsenz & IM

Daher ist es denn auch nicht verwunderlich, dass Unify Circuit, obwohl erst seit zwei Jahren auf dem Markt, schon als etablierte Cloudanwendung zu bezeichnen ist.

Dabei wird die Lösung nicht nur über Partner wie der Deutschen Telekom vermarktet, man kann den Dienst auch direkt bei Unify einkaufen.

Diese Situation lässt daher auch andere Marktteilnehmer wie z.B. Alcatel Lucent Enterprise nicht unberührt. Auch hier hat man sich zu einem offensiven Umgang mit dem Thema entschieden.

Die Lösung hier heißt Rainbow und stellt ähnlich wie bei Unify eine elegante Möglichkeit dar, webbasierte UC Funktionen mit einem Amtszugang bzw. VoIP Diensten zu versehen.

Noch gibt es den Service nur als Testversion, jedoch ist auch hier mit einem raschen Markteintritt zu rechnen.

Nebenbei hat man dabei auch eine Lösung für VoIP Services erarbeitet. Diese werden zwar nicht direkt über Alcatel Lucent Enterprise vertrieben, sondern über den Partner Dimension Data, bieten aber dafür alle Leistungsmerkmale, die man von der OpenTouch Lösung her kennt.

Außerdem kann diese VoIP Cloud auch mit Spezialanwendungen wie Call & Contactcenter Lösungen oder einer Voice Recording Lösung, die den Regeln von MiFID II entspricht, versehen werden. Dabei läuft der Vertrieb dieser Lösung über Dimension Data, während Alcatel Lucent Enterprise für den Betrieb der Infrastruktur verantwortlich zeichnet.

Wie man daraus unschwer erkennt, folgt nun auch die Enterprise Telefonie dem Weg in die Cloud.

Diese Annahme lässt sich durchaus belegen. Im vergangenen Jahr stellte Nemertes Research eine Studie vor, in der die Bereitschaft abgefragt wurde Kommunikationsanwendungen aus der Cloud zu beziehen. Diese Studie ist zwar eine weltweite Betrachtung, aber es zeigt sich, dass es einen globalen Trend hin zu Cloud Lösungen unverkennbar gibt.

Um dies zu verdeutlichen hier zwei Statistiken auf die entscheidende Frage:

  • Wie hoch ist die Akzeptanz von Cloud basiertem VoIP & UC?

Doch es sind nicht nur die Kosten, die heute über den Frage Cloud vs. Eigenbetrieb entscheiden. Zunehmend rückt auch der Faktor der unternehmensübergreifenden Kommunikation in den Focus. Dabei spielen rein sprachgebundene Dienste heute nur noch eine Rolle unter vielen. Immer öfter werden daher auch Video und Datendienste als Echtzeitmedium genutzt um effektiv in einem Team zu agieren.

Das folgende Beispiel ist zwar schon ein paar Jahre alt, zeigt aber immer noch sehr gut, was sich Unternehmen von UC erhoffen:

UC ist mit dem Grundversprechen angetreten, die Nutzung aller möglichen Kommunikationskanäle zum reibungslosen und verlustfreien Austausch von Informationen zu ermöglichen. Dabei sollte dies über die Integration verschiedenster Technologien und Protokolle, wie Email, Telefonie, Multiuser Videokonferenz oder Dokumentenbearbeitung und Chatfunktion erfolgen.

Die grundlegende Einschränkung, die bis heute besteht, ist jedoch:

Die Funktionen beschränken sich auf einen geschlossenen Benutzerkreis, der mit dem System verbunden ist und (in fast allen Fällen) über eine spezielle Client-Software verfügt.

Bei Personen außerhalb dieses Benutzerkreises versagen heutige UC Enterprise Implementierungen.

Dass aber eine übergreifende Kommunikation gewünscht und gewollt ist, zeigt das von mir angeführte Beispiel.

Auf MSNBC erschien vor einiger Zeit ein Artikel mit der Überschrift, „Hunderte von Lieferanten, eine Boeing 737

Die Herausforderung, die hier von einem leitenden Mitarbeiter von Boeing beschrieben wurde, ergab sich aus folgenden Punkten:

  • Montage eines Produktes
  • das aus 367.000 Teilen besteht,
  • mittels hunderter verschiedener Lieferanten hergestellt wird,
  • bei einer Produktionsgeschwindigkeit von mehr als einem Flugzeug pro Tag
  • mit einem Bestellvolumen, das die Produktion für über 6 Jahren auslastet

Eine Microsoft Fallstudie zitiert dazu einen Boeing IT-Produkt-Manager mit den Worten:
„Wir versuchen so oft wie möglich UC Föderationen mit unseren Lieferanten zu schließen, so dass sie leicht mit unseren Engineering-Teams zusammenarbeiten können. Unsere Teams können dabei ihre Präsenz-Informationen und Meldungen sehen, als ob sie Teil unseres UC-Lösung wären. Dies hat dazu beigetragen, die Entwicklung zu beschleunigen und die Kosten zu reduzieren. “

Aber auch aktuelle Fallbeispiele zeigen, dass Kommunikation über Unternehmensgrenzen hinweg in Betriebsprozesse eingebunden werden muss, die weit mehr zur Verfügung stellen als den bloßen Austausch von Sprachinformationen.

Viele von ihnen kennen das Problem, dass, wenn sie online ein Girokonto eröffnen möchten, die kontoführende Bank die Identität des Antragstellers überprüfen muss. Bisher war dies nur über Verfahren wie Post-Ident oder durch einen persönlichen Besuch in einer Bankfiliale möglich, was in beiden Fällen immer einen gewissen Aufwand mit sich brachte. Diese Vorgehensweise kann nun ad acta gelegt werden. Internet Banken wie die DKB nutzen hierzu seit einiger Zeit die Möglichkeit von Web-ID.

Dabei werden alle Kundendaten online übermittelt und geprüft und anschließend mittels eines Video-Calls, z.B. Skype, die Identität des Antragstellers überprüft, indem dieser ein Ausweisdokument vor die Videokamera hält.

Wie dieses Beispiel zeigt wird hier mittels UC, in diesem Fall ein Video-Call, ein Betriebsprozess gestaltet, der zusätzlich Teilnehmer außerhalb der eigenen Institution erfasst. Dies wäre mit einer Lösung basierend auf Vermittlungstechnik nur schwer möglich.

Diese neuen Anforderungen an die Prozesse im Unternehmen fallen dabei zusammen mit zwei einschneidenden technischen Neuerungen. Zum einen wäre da die aufgedrängte Migration zu All-IP durch die Netzbetreiber und zum anderen der kometenhafte Aufstieg von WebRTC.

Beide Entwicklungen werden dem Cloudmarkt einen starken Schub mit auf den Weg geben.

Die Gründe hierfür sind leicht zu erklären. Schauen wir dabei zunächst auf die Auswirkungen von All-IP.

Durch die zwangsweise Umstellung des Zugangs zum öffentlichen Telefonnetz werden viele Betreiber einer klassischen non-VoIP TK-Anlage gezwungen sich über deren Zukunft Gedanken zu machen.

Dabei stehen ihnen zwei Optionen zur Verfügung:

  1. Sie verhalten sich passiv und nutzen ein Gateway, welches die digitale Vermittlung an den All-IP Anschluss anpasst und machen einfach so weiter. Aber Vorsicht: zum einen verbauen Sie sich dadurch die Teilhabe an neuen Entwicklungen, die auf All-IP beruhen. Und zum anderen sollten Sie bedenken, dass klassische Vermittlungstechnik langsam ausstirbt, was man heute schon beim Thema Ersatzteilversorgung und technischem Know-how seitens der Hersteller solcher Anlagen beobachten kann.
  2. Sie ergreifen die Chance und planen die Umstellung Ihrer TK-Dienste in Richtung VoIP. Durch eine Bestandsaufnahme Ihrer Anforderungen und einem entsprechenden Vergleich der am Markt befindlichen Lösungen können Sie sich im Anschluss pro oder contra Cloud entscheiden. Dabei werden Sie nicht gezwungen eine vollständige Migration hin in Richtung UC zu vollziehen. Nutzen Sie zunächst das, was Sie wirklich benötigen (Pay what you need) und überlegen Sie dann, ob einsetzbare UC Komponenten sich in Betriebsprozesse integrieren lassen und welche Mitarbeiter davon konkret betroffen sind oder profitieren.

Die Auswirkungen sind offensichtlich. Viele unserer Kunden haben geradezu auf den entscheidenden Auslöser gewartet um ihre Alt-Systeme abzulösen.

Der zweite große Treiber ist WebRTC. Ich möchte an dieser Stelle nicht die Grundlagen dieser Technologie erläutern (wer sich hierfür interessiert den möchte ich auf einen entsprechenden Insider Artikel vom September 2013 verweisen).

Jedoch muss man feststellen, dass die Entwicklung dieser Technologie einen unglaublichen Boom im UC-Markt ausgelöst hat. Alle etablierten UC-Hersteller sind vertreten:

Cisco Spark, Unify Circuit, Alcatel Lucent Rainbow, Mitel MiCollab, Innovaphone myPBX, Google Hangouts uva. zeigen, welches Potential die Technik mit sich bringt.

Der große Vorteil jedoch, den WebRTC ausspielen kann, ist die Unabhängigkeit von einem Betriebssystem oder einer speziell auf die UC-Plattform abgestimmten Client Software.

Durch die Auslegung als reine HTML5 Implementierung wird es in naher Zukunft von allen Browsern unterstützt werden. Die aktuellen Probleme ergeben sich aus einer gewissen Verweigerungshaltung seitens Microsoft und Apple, wer aber heute schon Chrome, Opera oder Firefox als Webbrowser einsetzt, kann vollumfänglich mit den genannten UC-Plattformen arbeiten.

Aber Vorsicht, auch hier gibt es ein paar kleine Einschränkungen. So empfiehlt Cisco für seine Spark Umgebung die Verwendung des Chrome Browsers, während Unify Circuit auf Firefox abgestimmt ist.

Diese Empfehlungen sind durchaus ernst zu nehmen, da es sonst zu Problemen bei der Wiedergabe von Sprach- und Videodaten kommen kann oder aber die Auswahl der verwendeten Hardware, wie Mikrofon, Lautsprecher oder Kamera, nicht funktioniert.

Dies sind jedoch Kinderkrankheiten, wenn man bedenkt, dass die ersten kommerziellen Produkte erst seit zwei Jahren verfügbar sind.

Die Vorteile hingegen überwiegen, mit WebRTC ist es erstmals möglich ohne großen Aufwand Kollaboration, Video und Sprache über die eigene Unternehmensgrenze hinaus einzusetzen und mit Kunden und Partner neue Wege in der Kommunikation einzuschlagen.

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