Extreme übernimmt Enterasys

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Gestern hat Extreme überraschend die Übernahme von Enterasys angekündigt. Die Übernahme muss noch durch den üblichen formalen Prozess laufen, sollte aber in den nächsten 6 bis 8 Wochen vollzogen sein. Ab Anfang 2014 rechnen wir mit einer ersten Reorganisation und einem Zusammenschluss der beiden Mannschaften. Das neue Unternehmen wird den Namen Extreme Networks tragen, der Name Enterasys wird wohl auf Dauer verschwinden. Auf der Produktseite werden beide Produktlinien noch eine Weile parallel betrieben bevor dann innerhalb von 12 bis 18 Monaten eine Integration erfolgt.

Unsere Bewertung dieser Übernahme finden Sie hier:

Mit der Übernahme verdoppeln die beiden Unternehmen Umsatz und Mitarbeiterzahl, sprich hier kommen zwei gleich große Partner zusammen. Wird es dabei einen Gewinner und einen Verlierer geben, was bedeutet das für den Kunden?

Aus der Sicht von ComConsult Research hat die Übernahme folgende Konsequenzen:


  • Das neue Unternehmen ist größer und stärker und wird somit für viele Kunden interessant, denen Extreme Networks zu klein war. Zwar war die Position an der Börse durchaus stark, aber rein vom Umsatz her haben gerade Großkunden ihre Akzeptanzschwelle bei deutlich höheren Werten. Dies kann sich jetzt ändern, in jedem Fall werden Kunden Extreme Networks akzeptieren, die sich vorher zurück gehalten haben.
  • Extreme hatte bisher erkennbare Lücken im Portfolio. Die Konzentration auf das Rechenzentrum wurde mit deutlichen Nachteilen in anderen Bereichen erkauft. Hier macht die Übernahme sehr viel Sinn, aus einem Spezialanbieter wird ein Netzwerk-Anbieter, der fast alle LAN-Bereiche gut abdecken kann.
  • Die Perlen im Angebot von Enterasys sind ohne Frage Netzwerkmanagement und Security, die S-Serie und die eigene Wireless-Linie. Demgegenüber hatte die Enterasys-Linie erkennbare Schwächen im Data Center und High-End-Umfeld. Kombiniert man das Enterasys-Portfolio mit den Data-Center-Produkten von Extreme, dann wird eine deutlich rundere Sache daraus als bisher.
  • Enterasys ist weltweit in einigen Kundenbereichen sehr stark, in denen Extreme nur schwach vertreten ist (Der Behördenbereich in den USA zum Beispiel.). Die Kombination beider Kundenwelten ist also für beide Unternehmen ein Gewinn.
  • Zwar haben beide Unternehmen bisher ca. 45 Millionen US-Dollar in die Forschung gesteckt, aber damit konnte bisher eben nicht der gesamte Markt abgedeckt werden. Speziell die Ausdehnung auf neue Technologien wie SDN ist bei diesem Betrag schwierig, stehen hier doch völlige Neuentwicklungen an. Durch die Übernahme entsteht ein deutlich verbessertes Forschungspotenzial, die entstehenden Synergien machen aus Extreme Networks einen sehr ernstzunehmenden Anbieter für die Zukunft.

Was wird in 2014 technisch passieren? Aus heutiger Sicht wird der erste wesentliche Schritt in der Integration der beiden Betriebssysteme der jeweiligen Endgeräte bestehen. Beide Betriebssysteme arbeiten mit Linux-basierenden Abstraktions-Layern, so dass eine technische Verschmelzung in der Architektur möglich ist. Trotzdem müssen Funktionsentscheidungen in Bereichen wie 802.1X oder Security getroffen werden.

In Summe wird es zwei Jahre dauern bis aus dem organisatorischen Zusammenschluss eine runde technische Sache wird. Für den Markt ist das ein großer Schritt vorwärts. Ein neuer Komplettanbieter, börsennotiert und transparent und mit einem interessanten Produktportfolio ist in jedem Fall eine Bereicherung.

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