Googles größter Schritt hin zu IoT

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Die Vision des Internet of Things (IoT) hat ihren nächsten großen Schub erfahren. Am 13. Januar 2014 verkündete Google den Kauf von Nest Labs für 3,2 Mrd. Dollar (Cash, entspr. 2,34 Mrd. Euro). Nest Labs ist ein Hardware-Hersteller mit Fokus auf smarte Rauchmelder und Thermostate. Der einzige Einkauf der Google mehr gekostet hat, war Motorola Mobility für 12,5 Mrd. Dollar.

Der jüngste Erwerb passt gut in Googles Vorstoß in den IoT-Bereich und zeigt wie groß die Ambitionen und wie stark der Glaube an IoT ist: Zwei Wochen vor dem Kauf von Nest Labs wurde das Unternehmen nur mit etwa 2 Mrd. Dollar bewertet. Frühere Vorstöße von Google in den Bereich Heimautomation und IoT beinhalten das PowerMeter (2011, smarter Stromzähler), den Chromecast HDMI-Stick (Anbindung von Fernsehern an das Internet und Google-Dienste), bereits getätigte Investitionen in Nest Labs (2011 und 2012) sowie ein bereits vorgelegtes Angebot für den Kauf von Nest Labs, welches diese jedoch abgelehnt haben (2013).

Hinter Nest Labs stecken ehemals treibende Kräfte des Apple Konzerns, u.a. Tony Fadell, welcher maßgeblich an der Entwicklung von iPod und iPhone beteiligt war. Aus diesem Grund ist es auch nicht verwunderlich, dass die Produkte von Nest Labs den Erfolgskonzepten von Apple folgen. Sie versuchen hübsch, sexy und intuitiv zu sein. Zudem sind sie smart, mit dem Internet verbunden und können selbstständig entscheiden und agieren. Zu diesen Produkten gehört beispielsweise der Rauchmelder Nest Protect, welcher im Falle eines Feueralarms die Hausbewohner auf dem Smartphone benachrichtigen kann. Ein weiteres Produkt ist der Nest Thermostat, welcher die Heizungsaktivität an das Wetter anpassen kann und die Heizung ausstellt, sobald die Bewohner aus dem Haus sind, was zu niedrigeren Heizungskosten führen soll. Alternativ kann man den Thermostat bereits heute mit einer Smartphone-App (Android und iOS) bedienen.
Nest Labs setzen zurzeit geschätzte 40.000-50.000 Geräte pro Monat ab. Laut Aussage von Fadell hat bereits 1% aller amerikanischen Haushalte einen Nest Thermostat (ca. 250 Dollar pro Stück). Diese sind jedoch bisher nicht in Europa verfügbar. Hier greift Google in die Zukunft von Nest Labs ein. Denn Google übernimmt nicht nur den weltweiten Vertrieb, sondern auch Marketing, Kundendienst, Service und bietet die Nest Labs Produkte in seinem Google Play Hardware Store an. Als weitere Beschlüsse gelten der Verbleib von Fadell als treibende Kraft bei Nest Labs und der Vertrieb als weiterhin eigenständige Marke. Zudem kann Google Nest Labs bei Patentstreitigkeiten mit Honeywell und BRK helfen, sowie die Software-Entwicklung unterstützen – hier gab es in der Vergangenheit bereits Unzufriedenheiten bei Kunden der Hardware-zentrierten Nest Labs.

Tatsächlich gilt die mangelnde Hardware-Expertise bei Google als einer der Hauptgründe, weshalb Hardware-lastige Google Projekte wie das PowerMeter und der Chromecast HDMI-Stick nicht den erhofften Erfolg bringen. Bei Googles Konkurrenten Apple ist das Geschäftsmodell, welches sowohl Software als auch Hardware aus eigenem Hause vorsieht, wesentlich profitabler. Hieraus ergibt sich auch Googles Motivation für weitere jüngste strategische Entscheidungen sich breiter aufzustellen, wie den Kauf von 8 Robotik-Unternehmen (wie Boston Dynamics), Gründung der Open Automotive Alliance, welche Google Software (wie Android) in Fahrzeugen positionieren soll und Google Glass. Das neue Geschäftsfeld smarter Haustechnik fügt sich gut in Googles Portfolio ein und ist vereinbar mit Googles mobiler Plattform Android. Zudem kommt es Googles Datenhunger weiter nach, wie bereits Google’s Suchmaschine, Android, Cookies, Mail und Maps.

Jedoch sorgt genau diese Datensammlung auch für viele Bedenken vor der Verwendung von smarten Google Geräten. Das hat bereits die Einführung von Google Glass gezeigt, welche mittlerweile mit einem Zwinkern, von anderen unbemerkt, Fotos schießen und Videos aufnehmen kann. Die Big-Data Möglichkeiten, die sich aus der Aggregation der verfügbaren Google Dienste in Kombination mit smarter Google Haustechnik ergeben, sind immens. Die von Nest Labs geführten Produkte wie Thermostat und Rauchmelder beinhalten Helligkeits-, Temperatur-, Aktivitäts- und Luftfeuchtigkeitssensoren. Somit kann man beispielsweise bestimmen ob und wie viele Personen zuhause sind, in welchem Raum sich diese aufhalten und wann das Haus leer ist. Durch Verhaltensanalysen kann man auch Gewohnheiten herausfiltern, wie wann das Haus i.d.R. leer ist, welche Person gerade im Haus ist und was die Bewegungs-, Schlaf- und Heiz-Gewohnheiten der Person sind. Mit den verfügbaren Sensoren könnte man sogar „sehen, wenn Leute ihr Toast anbrennen oder Kohlenstoffmonoxid austritt“, so Fadell. Wozu solch eine Aggregation von vielen Daten in der Lage ist, kann man bereits ohne Haustechnik mit Google Now sehen. Der Organisationsdienst bietet einer Person mit erstaunlicher – aber auch unheimlicher – Präzision Vorschläge, wie man den Arbeitsalltag präziser gestalten kann. So warnt er beispielsweise hinreichend früh, wenn erkannt wird, dass sich auf dem Weg zum nächsten Treffpunkt gewöhnlicher Weise um eine bestimmte Uhrzeit ein Stau bildet – bevor er sich bildet, bevor Sie losfahren und bevor Sie daran denken. Gerade in Europa stehen solchen sensiblen Themen oftmals datenschutzrechtliche Hürden im Weg. Diese sind im Bereich IoT noch nicht ansatzweise geklärt. Googles Schritt in diese Richtung könnte der Diskussion neuen Schwung verleihen. Die Datenschutzbestimmungen sind bei Nest Labs zurzeit genauso schwammig formuliert wie bei Google und Facebook. Sie lassen viel Interpretationsspielraum und wo nötig, so wird einem versichert, dass „wir Datenschutz ernst nehmen“, so auch bei Nest Labs. Als Fadell in einem Interview darauf angesprochen wurde, ob sich die Datenschutzbestimmungen von Nest Labs durch den Google-Kauf ändern würden, so war die Aussage „ich werde nicht niemals sagen“.

Wie so häufig stehen großen Innovationen viele Holpersteine im Weg, und oftmals auch zurecht. Jedoch kann man den Nutzen solcher Lösungen nicht unbeachtet lassen. Das wird jeder erkennen, der aufgrund von Lösungen wie Google Now rechtzeitig zu einem wichtigen Meeting gekommen ist – durch eine intelligente Analyse der aktuellen Position, einen Blick in den Kalender und der Betrachtung des aktuellen Verkehrsaufkommens, ungefragt, automatisch und ohne persönlichen Mehraufwand. Der Trend zu smarten Geräten und IoT wird sich fortsetzen und wie uns die Geschichte lehrt, werden Datenschutz und Sicherheit nachziehen – beides jedoch oftmals erst nach einschlägigen Erfahrungen. Damit das im Geschäftsumfeld nicht passiert, sind nicht zuletzt auch im Bereich IoT Konzepte erforderlich, die auch Security-Aspekte abdecken. So gehen Sie mit der nächsten Innovationswelle nicht unter, sondern schwimmen vorne mit.

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