Hochfrequenz geht seltsame Wege!

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Als „Trouble Shooter“ beschäftigt man sich mit den kuriosesten Dingen. Neulich ging es um Funkstörungen. In einer Werkhalle setzt der Kunde Handfunkgeräte ein, um das Rangieren von Fahrzeugen zu unterstützen; es handelt sich um Betriebsfunk im 2-Meter-Band. Die Verfügbarkeit der Kommunikation ist für ihn von entscheidender Bedeutung. Geht eine Nachricht verloren, kracht´s. Und seit einiger Zeit treten nun Störungen auf. Ständiges Rauschen und Knistern im Lautsprecher der Handfunken, so dass man die zwischendurch gesprochenen Meldungen kaum wahrnimmt.

Ein Ingenieurbüro für EMV-Messtechnik wurde eingeschaltet. Es identifizierte HDMI-Schnittstellen (High Definition Multimedia Interface, eine Schnittstelle für den Anschluss von PC-Monitoren) als Quelle der Störungen. Die entsprechenden PCs befanden sich in einem an die Werkhalle angrenzenden Bürobereich. Ich konnte den Effekt mit eigenem Test-Equipment nachvollziehen und war doch recht erstaunt über die Stärke der Störsignale, die von den HDMI-Kabeln abgestrahlt wurden und deren Auswirkung.

Warum sollten sich „Netzwerker“ für HDMI und Handfunkgeräte interessieren? Im Prinzip liegt doch beides außerhalb unseres Verantwortungsbereiches. Im Prinzip aber auch nicht. Denn in Form der Wireless LAN hat die Funktechnik schon lange Einzug in die Netze gehalten. Viele unserer Endgeräte sind daneben mit den Funktechniken Bluetooth, UMTS oder LTE ausgestattet. Was bedeutet das im Einzelnen?

Im vorliegenden Fall war es nützlich, dass der Kunde Kontakt zu einem Fachmann hatte, der einerseits über Erfahrung in der EMV-Messtechnik und andererseits über die dafür benötigten Geräte verfügte. Der Einsatz von Funktechnik erfordert also unbedingt das Bereithalten von Messtechnik und entsprechendem Know-how.

Darüber hinaus fördert der Einsatz von Funktechnik die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Bereichen und Mitarbeitern eines Unternehmens. So wenig wie sich Funkwellen von Wänden oder Grundstücksgrenzen aufhalten lassen, so wenig lassen sie sich auf den Verantwortungsbereich einer Abteilung begrenzen. Die Konsequenzen aus dieser Erkenntnis sind vielfältig.

So sollte sich jedes Unternehmen, das im eigenen Hause Funktechnik einsetzt, eine eigene kleine Regulierungsbehörde schaffen. Ein „Funkbeauftragter“ koordiniert alle Funkdienste, die im Unternehmensumfeld eingesetzt werden. Jede neue Funktechnik, die im Hause eingeführt werden soll, wird vom Funkbeauftragten bezüglich ihrer Verträglichkeit zu bestehenden Diensten bewertet, nötigenfalls im Rahmen eines Testaufbaus unter Einsatz von Messtechnik. Zweckmäßig ist es, die Anforderungen an den Einsatz von Funktechnik in einem Unternehmens-internen Standard festzuschreiben. Darin findet sich z.B. die Antwort auf die Frage, welcher Funkdienst in welchem Frequenzbereich als „Primärnutzer“ anzusehen ist und welche Konsequenzen das für die „Sekundärnutzer“ hat.

Der Funkbeauftragte eröffnet auch eine ganzheitlich Sicht auf das Thema. Eine mögliche Lösung für den eingangs geschilderten Fall wäre z.B. auch der Einsatz einer digitalen Funktechnik, die aus verschiedenen Gründen robuster gegen Störungen ist. Das ist vielleicht nicht die naheliegende Lösung, aber eine zukunftsträchtige.

Das Problem konnte hier übrigens durch den Einsatz besser geschirmter HDMI-Kabel gelöst werden. In Messreihen zeigte sich, dass sich dadurch die Abstrahlung der Störungen um den Faktor 100 (!) senken ließ. Dagegen zeigten die verbreiteten Klappferrite, die Sie als auffällige Wülste auf vielen Ihrer am Computer angeschlossenen Kabel finden, in diesem Fall überhaupt keine Wirkung.

Hochfrequenz geht eben seltsame Wege.

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