Internet-Grundfunktionen (2)

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Teil 37 von 71 aus der Serie "Professionelle Datenkommunikation"
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Die älteren Werkzeuge für die Arbeit im Internet sind Email, Telnet und FTP. Alle anderen Werkzeuge und Dienste setzen letztlich auf diesen auf und/oder können durch sie benutzt werden. Der eigentliche Durchbruch des Internets geschah mit der WWW-Technologie. Wesentliche Elemente dieser Technologie sind HTML für die Darstellung von Inhalten und HTTP als Basisfunktion für den Zugriff auf diese Darstellungen.

Für die normale elektronische Post benötigt man wirklich nur einen einfachen Editor und ein kleines Mail-Programm. Außerdem muss man selbst eine Adresse haben und die Adresse desjenigen kennen, mit dem man kommunizieren möchte.

Innerhalb von Unternehmen ist man schnell auf den Gedanken gekommen, nicht die gesamte Unternehmenskommunikation auf das öffentliche Internet zu verlegen, sondern selbst entsprechende Server aufzubauen und die Internet-Struktur innerhalb  der eigenen Netze, wie z.B. der bereits verbreiteten LANs, nachzubauen. Dadurch entsteht ein so genanntes Intranet für eine geschlossene Gruppe von Benutzern, eben den Mitarbeitern des Unternehmens. Inwieweit man dieses Intranet dann mit dem öffentlichen Internet verbindet, ist eine Frage der funktionalen Notwendigkeit und vor allen natürlich der Möglichkeit, Datenschutz und Datensicherheit in angemessener Art und Weise sicherzustellen. Wir werden in dieser Reihe später die Datenschutzproblematik in Netzen noch detailliert aufgreifen.

Selbst ohne Verbindung zum öffentlichen Internet ist ein Intranet sehr nützlich, auch im Hinblick auf die Zusammenführung bisher getrennt implementierter Dienste. Weil es auch an sich sehr übersichtlich ist, hat man das zunächst mit Email gemacht.

E-Mail ist ein wichtiger Faktor bei der »Professionalisierung« des Internet.

Im Jahr 2000 war es dann soweit: zum ersten Male wurden weltweit mehr E-Mails als Briefe verschickt. 10 Jahre später gibt es praktisch nur noch Briefe mit wirklich bedeutendem Inhalt, z.B. von amtlichen Stellen. Aber auch hier geht es weiter. Z.B. haben die Finanzämter in Deutschland seit einigen Jahren das elster-Verfahren für die elektronische Erstellung und Übermittlung der Steuererklärungen eingeführt und nur für Privatleute gibt es noch Bereiche, in denen eine Abgabe auf Papier überhaupt noch erlaubt ist.

Schließlich ist es auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit und des bewussten Umgangs mit natürlichen Ressourcen. Ein herkömmlicher Brief ist gegenüber seinem elektronischen Pendant die reinste Umweltverschmutzung, weil ja nicht nur das Papier zählt, sondern auch die Energieaufwendungen für den Transport und die Weiterverarbeitung.

Das Internet-E-Mail-System besteht (wie bei X.400) aus zwei Komponenten, den Message Transfer Agents MTAs und den User Agents UAs. Der MTA vermittelt E-Mails über die verschiedenen Teilnetzwerke an den Bestimmungsort. Der UA könnte letztlich auch als E-Mail Editor bezeichnet werden, weil er alle Hilfsmittel zur Erstellung, Bearbeitung und Verwaltung elektronischer Post benötigt. Als Protokoll zwischen den MTAs verwendet man im Internet SMTP, das Simple Mail Transfer Protocol.

Bei Intranets kann E-Mail vor allem dazu genutzt werden, ggf. heute bestehende unterschiedliche Mail-Systeme zu integrieren und so den Mail-Fluss zu vereinheitlichen.

FTP

FTP ist ein Programm, mit dem man Daten zwischen Rechnern übertragen und kopieren kann. Während das Terminalemulationsprogramm telnet lediglich eine Verbindung aufbaut und dann die Kontrolle dem Betriebssystem des Zielhosts überlässt, wird der komplette Vorgang der Datenübertragung von der Client-Seite gesteuert. Normalerweise benötigt man für FTP natürlich ein Password, um auf Dateien eines fremden Rechners zugreifen zu können. Es ist allerdings so, dass viele Betreiber sehr interessiert daran sind, dass man ohne große Umstände auf ihre Daten zugreift, z. B. wenn sie einem etwas verkaufen möchten oder den in den Daten niedergelegten Informationsgehalt aus anderen Gründen weitverbreitet wissen möchten. Dazu gibt es eine besondere Form des FTP, das anonyme FTP, bei dem man als Benutzeridentifikation anonymus angeben muss.

FTP benutzt ebenfalls das TCP/IP-Protokoll, allerdings werden immer zwei Verbindungen zwischen Client und Server aufgebaut, eine Verbindung zur Steuerung und eine andere zum Datenverkehr. Logischerweise braucht man dafür auch zwei Port-Paare. Da die allermeisten FTP-Server UNIX-Maschinen sind, gelten die Eigenschaften des UNIX-Dateisystems, einschließlich der einschlägigen Befehle. Es gibt aber auch andere Server, so z. B. DEC VAX mit VMS.

Mit einer graphischen Oberfläche lässt sich FTP noch viel einfacher bedienen. Die Oberflächen zeigen dann z. B. die Verzeichnisse des lokalen (eigenen) und des entfernten Rechners in zwei Fenstern an. Man kann die Dateien per Mausklick anwählen und übertragen lassen.

Eine wesentliche Aufgabe kommt Protokollen wie FTP bei der Integration unterschiedlicher älterer Rechnerwelten in Unternehmen zu. Ein Intranet als „lokales“ Internet kann dazu beitragen, diese Integration dadurch zu stützen, dass die unterschiedlichen älteren Hosts von PCs angesprochen werden können, die die entsprechenden Terminalemulationen besitzen. Die Kommunikation als solche erfolgt dann mit TCP/IP.

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