Internet vs. Intranet of Things

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Das Internet of Things (IoT) wird gerne als Vision für ein vernetztes Konstrukt aus grenzenlos kommunizierenden Komponenten und Objekten gesehen. So können beispielsweise Fahrzeuge das Schaltverhalten der nächsten Ampel auslesen, der Amazon-Kunde den Lie-ferwagen mit seinem Paket aus der Vogelperspektive beobachten und die Vertragswerkstatt ihre Kapazitäten anpassen, wenn in der Umgebung mehrere Fahrzeuge zugleich Mängel melden. In einer solchen Vision gibt es keinen Platz für Grenzen, weder durch Sprachbarrieren noch auf Infrastrukturebene. Jede Komponente kann mit jeder anderen sprechen und alle ihr verfügbaren Informationen (Temperatursensoren, Vibrationssensoren, …) weitergeben, sodass die anfragende Komponente daraus Nutzen generieren kann.

Eine solche Vision ist die Grundlage vieler Smart Appliances (Smart Cities, Smart Wearables, …), zumindest in der Planungsphase. Dann wird jedoch häufig schnell klar, dass zur Umsetzung einer solchen Vision heutzutage insbesondere entsprechende weltweite und herstellerübergreifende Standards fehlen. Man muss also bereits früh eine Entscheidung zugunsten einer bereits existierenden Insellösung eines Herstellers fällen. Manche Entscheidungsträger fühlen sich in die Zeit zurückversetzt, als man zwischen VHS und Betamax entscheiden musste. Dieses Mal ist jedoch der Unterschied, dass man auch mit Betamax eine richtige und nachhaltige Entscheidung fällen kann. Hierfür gibt es verschiedene Gründe:

  • Keine Marktmonopolisierung absehbar: Es existieren bereits seit Jahren Lösungen, welche Komponenten und Objekte miteinander kommunizieren lassen. Diese sind bereits etabliert und in der Regel stark mit der bestehenden Unternehmens-IT verzahnt, oftmals sogar vom gleichen Hersteller. Diese Lösungen, welche in der Regel lokal arbeiten, weiten ihre Funktionalitäten aus, sodass sie beispielsweise auch Anwendungen im Bereich Internet und Cloud anbieten können.
  • Kostensensitives Wirtschaften: Für Unternehmen ist es häufig wirtschaftlicher, bestehende IT-Infrastrukturen auszubauen als neue anzuschaffen. Zudem sind weitere Komponenten desselben Herstellers mit weiteren Vorteilen versehen (Hardwareintegration, Softwareintegration, …)
  • Unternehmen bevorzugen ein Intranet of Things: Diesen Punkt erläutern wir im Folgenden genauer.


Die existierenden Lösungen für IoT sind zurzeit überwiegend herstellerspezifisch und proprietär. Es gibt unterschiedliche Ansätze einer Standardisierung, diese beschränken sich aber auf bestimmte Fach- und Einsatzbereiche (Automobil, M2M, Automatisierung, …). Diese Lösungen erlauben, dass Komponenten eines bestimmten Herstellers oder verschiedener Hersteller nahtlos miteinander kommunizieren können. Sie verwenden proprietäre Hardware, Software und Protokolle. Kein externes System kann diese verstehen oder mit diesen kommunizieren, dafür erfüllen sie unternehmensintern ihren Zweck. Solche Lösungen spannen also nicht ein Internet of Things auf, sondern ein Intranet of Things.

Die Gründe für eine solche Segmentierung insbesondere durch mangelnde Standards liegen in der Tatsache, dass IoT nicht top-down geplant, sondern mithilfe der Verbreitung des Internets und der Evolution der Netze und Protokolle ermöglicht wurde. Die Idee des IoT ist somit bottom-up entstanden. Bis dahin haben sich voneinander unabhängige proprietäre Lösungen und Standards entwickelt. Um herstellerübergreifende Anwendungen und Lösungen anbieten zu können, müssen sich Hersteller zusammensetzen und sich auf entsprechende Standards einigen. Dabei ist nicht davon auszugehen, dass dies existierende Herstellerlösungen unbrauchbar machen wird, sondern eher, dass es sich dabei um Erweiterungen handelt, welche die herstellerspezifischen Lösungen zusätzlich integriert anbieten werden.
Die Findung von herstellerübergreifenden Standards braucht seine Zeit. Diese Zeit wird maßgeblich von der Nachfrage auf dem Markt bestimmt. Wie sieht die aktuelle Nachfrage auf dem Markt aus? Wollen Unternehmen, dass die Daten ihrer Komponenten und Sensoren internetweit frei zugänglich sind? Hiergegen gibt es mehrere Bedenken:

  • Datenschutz: Durch die Akkumulation von unterschiedlichen Daten (Fahrverhalten, Fahrzeugdaten, …) können häufig Rückschlüsse auf personenbezogene Informationen erschlossen werden. Der Umgang mit solchen sensiblen Informationen und die rechtlichen Verpflichtungen sowie Konsequenzen sind insbesondere in Zusammenhang mit einem offenen IoT nicht geklärt.
  • Sicherheit: Die freie Verfügbarkeit von Daten aus Unternehmenskomponenten kann sich beispielsweise nachteilig auf die Wettbewerbsfähigkeit auswirken. Wettbewerber können solche Daten ebenso abgreifen wie alle Internetnutzer. Durch mehrere offene Schnittstellen zum Internet gibt es für Cyberangriffe mehr potentielle Angriffsflächen.
  • Datenverwertung: Aggregierte Daten eines Unternehmens bieten in vielerlei Hinsicht einen großen Mehrwert, so beispielsweise für Wettbewerber, Marktforschungsunternehmen oder Kunden. Für Unternehmen kann es sich lohnen diese Daten entgeltlich Interessenten zur Verfügung zu stellen.

Hieraus ergibt sich schnell, dass ein Intranet of Things für Unternehmen viele Vorteile hat. Solche Intranets können unterschiedliche Formen haben. Sie können sich auf ein lokales Netz an einer Produktionsstätte beschränken, von einer Firewall zum Internet abgeschirmt. Aber ebenso kann ein solches Intranet durchaus mit Komponenten über das Internet kommunizieren. Dabei werden jedoch die Zugänge zu den Informationen, Komponenten und Sensoren beispielsweise getunnelt (VPN), verschlüsselt (E2EE) oder durch Authentifizierungsmasken gesichert. Innerhalb des dabei entstehenden Intranet of Things können die Komponenten die gewohnte und etablierte unternehmensinterne Sprache sprechen. Wenn Hersteller der aktuellen Unternehmensinfrastruktur solche Lösungen zusätzlich anbieten, sind die lokalen Änderungen marginal. Die Bedenken bezüglich des Datenschutzes und der Sicherheit kann man durch ein entsprechendes Sicherheitskonzept in einem überschaubaren Rahmen halten. Die Vorteile eines Internet of Things für ein Unternehmen können häufig auch vollständig durch ein Intranet of Things (im obigen Sinne) bedient werden. Der Vision, ein freies und offenes weltweit vernetztes Internet of Things zu haben, spielt dieses Vorgehen jedoch nicht zu.

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