Intranet-Nutzungsphasen

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Teil 43 von 71 aus der Serie "Professionelle Datenkommunikation"
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Die Internet-Technologie hat nicht nur erhebliche wirtschaftliche Entwicklungen gefördert, sondern auch innerhalb von Unternehmen zu wesentlichen Änderungen geführt. Die mit ihr aufkommenden Intranets waren das Ende der PC-Netze, die ja die Neunziger Jahre bestimmt hatten. Wie hinsichtlich des Internets konnten auch für Intranets Nutzungsphasen identifiziert werden, die zu einem besseren Verständnis des wirtschaftlichen Einsatzes und der notwendigen Voraussetzungen geführt haben.

Auch für ein unternehmens- oder organisations-eigenes Intranet lassen sich Phasen, wenn auch vielleicht mit anderen Schwerpunkten, herausbilden:

  • Basisphase, in der die technischen Voraussetzungen für eine Gruppe von Intranet-Stationen, z. B. in einer größeren Abteilung, geschaffen werden (Verkabelungsinfrastruktur, Bereitstellung von skalierbarer LAN-Leistung) und ein Web-Server installiert wird. Es gibt erste Überlegungen dazu, wie man die Daten auf dem Server strukturieren sollte, und eine Reihe von Experimenten mit der Integration von Diensten im Rahmen der Internet/Intranet-Basisdienste. Über z.B. telnet (3270) wird eine bescheidene Verbindung zum Host aufgebaut.

Alle Aktivitäten der Basisphase dienen vor allem dazu, das weitere Interesse von Verantwortlichen und Nutzern an der Intranet-Lösung zu evaluieren und die Fertigkeiten des (meist aus der Organisation selbst kommenden) Personals im Umgang mit den Intranet-Werkzeugen zu verbessern. Eine erfolgreiche Basisphase endet mit einem Plan, wie es nun weitergehen soll, und einigen Ergebnissen dahingehend, ob und wenn ja, wie ein Intranet die Produktivität steigern und ggf. den infrastrukturellen Aufwand senken kann.

  • Evaluationsphase. In dieser zweiten Phase werden zwei wesentliche Aktivitätengruppen verfolgt: zum einen die Professionalisierung der Bereitstellung von Intranet-Basisdiensten auch für eine größere Anzahl von Benutzern und zum anderen die Weiterentwicklung des Modells für die Gestaltung der „EWW“ (Enterprise Wide Web) -Informationen. Die Professionalisierung bedeutet für größere Organisationen z. B. die Auswahl geeigneter Rechnerplattformen für die Web-Server, die zügige Beendigung der Arbeiten am LAN mit skalierbarer Leistung, vollständig strukturierter Verkabelung und lückenlosem Netz-Management und vor allem die Erstellung eines Betriebskonzeptes vor dem Hintergrund der Anforderungen des Intranets. Letzte technische Probleme für die Integration von E-Mail und Host-Anbindungen werden gelöst, die Basisdienste stehen zum Ende dieser Phase allen autorisierten Benutzern zur Verfügung. Aus der im Unternehmen hoffentlich bereits bestehenden Sicherheitspolitik werden die Maßgaben für die Intranet-Server definiert. Hinsichtlich der EWW-Gestaltung muss klar werden, welche Abteilungen in welchem Maße Informationen zum EWW beisteuern und verbrauchen, wie diese Informationen strukturiert und organisiert werden sollen und wie man ältere Informationen hierein integriert. Außerdem müssen die Verantwortlichkeiten für die permanente Aktualisierung der Informationen und die Form (z. B. durch Hinzuziehung eines Multimedia-Designers) geklärt werden.

Am Ende der Evaluationsphase sollte ein stabiles, von der Nachrichtentechnik her leistungsfähiges Intranet mit den wichtigen Basisfunktionen und einer brauchbaren initialen Datenstruktur vorliegen. Außerdem sollte man nun gelernt haben, wie man es zu betreiben hat und welche Personen hierfür benötigt werden. Was wird in dieser Phase eigentlich evaluiert? Na, das Wichtigste überhaupt, nämlich, wie die Benutzer das Intranet annehmen und damit arbeiten können. Man muss aufgrund dieser Erkenntnisse ggf. zu Maßnahmen greifen, wie Bekanntmachung der Möglichkeiten und Basis-Schulung, aber auch ein Re-Design der initialen Strukturen für das EWW kann notwendig werden.

  • Nutzungsphase. Es ist jetzt klar, wie die Arbeit der Benutzer im Groben durch das Intranet unterstützt werden kann und wie sie damit umgehen. Die Integration der Grundfunktionen wie E-Mail, File-Transfer, EWW und Zugriff auf andere Systeme wie Hosts und PC-LAN-Server ist abgeschlossen, alles funktioniert und liegt den berechtigten Nutzern in entsprechender Form vor. Das Intranet ist soweit, wie man es sich zunächst vorstellt, allerdings werden noch nicht alle Vorzüge ausgeschöpft.

Es gibt kein eigentliches Ende der Nutzungsphase. Während dieser Phase sollte sich aber die Menge der Knowledge-Server etablieren, die das EWW bilden, d.h. man arbeitet weniger mit Daten als mit Informationen. Klappt dies nicht, so muss man sich mit geeigneten Hilfen dahinterklemmen. Dies führt automatisch zur nächsten Phase:

  • Re-Engineering-Phase. Geschäftsprozesse werden vor dem Hintergrund des Intranet neu formuliert und gestaltet.

Natürlich soll das Re-Engineering wiederum zu einer Nutzung führen. Nutzungs- und Re-Engineering-Phase wechseln einander also kontinuierlich und fließend ab.

Ein bis zur Nutzungsphase aufgebautes Intranet hat folgende Vorteile:

  • einfache und beherrschbare Client/Server-Architektur,
  • schnelle Anpassbarkeit an Veränderungen, meist mit internem Know-How durchzuführen,
  • keine wesentliche Erhöhung der Komplexität der DV-Infrastuktur, es ist mittelfristig im Gegenteil sogar mit einer Verringerung der Komplexität zu rechnen,
  • zuverlässiges, einfaches Transportprotokoll HTTP, welches in späteren Varianten auch mit kryptographischen Hilfsmitteln ausgerüstet werden kann,
  • Unabhängigkeit von Plattformen und Betriebssystemen,
  • für die Softwarekomponenten: unglaubliches Preis/Leistungsverhältnis
  • offene, erweiterbare Standards.

Allerdings ergeben sich auch einige Herausforderungen an den Betreiber:

  • strukturiertes, skalierbares, leistungsfähiges LAN,
  • stabiles, integriertes Management für LAN, Clients und Server,
  • Betriebskonzept für das infrastrukturelle Netz,
  • Betriebskonzept für die EWW-Server einschl. Pflege der Datenstrukturen,
  • Entscheidungen hinsichtlich Sicherheitsfragen und Konsequenz bei der Durchsetzung,
  • Unterstützung des Gesamtprojektes durch Führungsebene, durchführende Organe und Nutzer,
  • Entscheidungen hinsichtlich der Plattformen für Nutzer und Server.

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