iPhone 4S und iOS5: unterschätzt!

Kommentieren Drucken

Seid der Vorstellung des neuen iPhone 4S überwiegt in vielen Darstellungen die Enttäuschung. Offensichtlich hatten man mehr erwartet. Aber in welchen Bereichen eigentlich? Und wie gut sind iPhone 4S und iOS5 wirklich?

Bezogen auf die Hardware des neuen iPhones müssen die ersten Wochen abgewartet werden, um zu einer guten Bewertung zu kommen. Die Hauptspeicherausstattung mit 512MB ist sicher mager, vor allem wenn man berücksichtigt, dass viele Benutzer schon am Limit fahren. Die verbesserte Grafikleistung wird in erster Linie den Spieltrieb befriedigen und nicht direkt für Unternehmen spannend sein. Vielleicht trägt sie dazu bei, dass H.264-Videos besser abgespielt werden können und dass Video-Anwendungen in höherer Auflösung möglich sind.

Trotzdem gehen viele herausragende Eigenschaften der Kombination von iPhone 4S und iOS5 in der Diskussion unter. Mit der Spracherkennung und Spracheingabe durch Siri könnte Apple der große Wurf gelungen sein. Bisher gab es in diesem Marktsegment keine Lösung, die auch nur annährend akzeptabel gewesen wäre. Und gerade bei mobilen Endgeräten kann die Spracheingabe die Nutzbarkeit des Geräts völlig verändern. Alle bisherigen Testergebnisse sind sehr gut, wenn auch auf die englische Sprache bezogen. Warten wir noch einige Wochen, um hier zu einer besseren Bewertung zu kommen. Ebenso unterschätzt sind die Aussagen zur Kamera. Wenn Apple mit seinen Angaben zum Infrarot-Filter richtig liegt, dann wäre das die erste Kamera in dieser Geräteklasse, die wirklich fotografisch überzeugen kann. Leica hat mit den Infrarotfiltern bei der M8 und M9 lange experimientiert (was bei der M8 schief gegangen ist). Die überragende Qualität der M9 ist u.a. auf die Filterauslegung zurück zu führen. Das dies in der gesamten Diskussion des 4S keine Erwähnung findet, ist schon peinlich. Natürlich wird ein so kleiner Sensor nie wirklich Top-Qualität liefern können, aber in der richtigen Auslegung zumindest Alltagstauglich sein. Dies kann man von der bisherigen Kamera im iPhone 4 nicht wirklich sagen.

Das iPhone und das iPad müssen immer im Zusammenhang mit iOS gesehen werden. Hier hat Apple vom breiten Markt fast unbemerkt mit AirPlay eine neue Technologie eingeführt, mit der der Inhalt des mobilen Gerätes über AppleTV auf einem Flachbildschirm dargestellt werden kann. Dies kann der erste Schritt in eine völlig neue Nutzungsform von mobilen Endgeräten sein. Unglaublich wie wenig diese Technologie diskutiert wird. Intel hat die Grundidee auf dem Intel Developer Forum 2011 unter dem neuen Begriff Pair & Share aufgegriffen und Beispiele für zukünftige Nutzungen in der Windows-Welt gezeigt. Denkt man diese Konzepte zu Ende, dann öffnen sich hier völlig neue Möglichkeiten.

Wie wichtig wird der Apple-iCloud-Dienst? Schwer zu sagen. Der Musik-Dienst unter der Bezeichnung Match ist vorläufig außerhalb der USA nicht verfügbar. Der hat sicher seinen Charm, wird aber weiterhin durch die schweren Macken von iTunes begrenzt. Vielleicht erreichen wir jetzt endlich die lange diskutierte Playlist-Synchronisation über Geräte hinweg ohne dafür Drittprodukte einsetzen zu müssen. Bezogen auf den Rest stellt sich die Frage, ob die Integration ins Betriebssystem die Cloud für Apple-Anwender einfacher nutzbar macht. Allerdings existiert hier mit Dropbox schon ein Dienst, der eben wegen seiner einfachen Nutzung schon fast zum Standard etabliert ist (und der eine Übernahme durch Apple verweigert hat).

In Summe hat Apple mit der Kombination aus iPhone 4S und iOS5 seinen Marktvorsprung weiter ausgebaut. Viele bisherige Käufer von Android-Endgeräten haben das vor allem wegen des günstigeren Preises getan. Dieses Argument fällt jetzt durch die Abstufung zwischen iPhone 3S, 4 und 4S weg. Wir werden ja sehen, wie viele Anwender das Argument der offenen Plattform auf Dauer für wichtig halten, insbesondere wenn es weiter die bisherigen Probleme mit dem Android-Upgrade und dem Google-App-Store gibt.

Unternehmen sollten sich darauf vorbereiten, dass deutlich mehr iPhones als bisher durch die Anwender in die Unternehmen getragen werden. Auch die Hersteller von UC- und Kollaborations-Lösungen haben das inzwischen akzeptiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass das iPhone den Blackberry als Unternehmens-Lösung ablösen wird, ist relativ hoch.

zugeordnete Kategorien: Endgeräte
zugeordnete Tags:

Sie fanden diesen Beitrag interessant? Sie können



Anmerkungen, Fragen, Kommentare, Lob und Kritik:

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

.