ISDN stirbt – aber was kommt danach?

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Im Januar 2014 konnte man auf der Webseite von FierceTelecom einen interessanten Artikel zur Zukunft von All-IP lesen.
Im Kern ging es um die Aussage, dass Verizon auf dem nordamerikanischen Kontinent mit diversen anderen Providern ein alternatives Netz zum Austausch von IP basierter Kommunikation aufbauen möchte und dabei von Behörden wie der FCC stark behindert wird. Der Punkt dabei ist, dass Verizon ein eigenständiges Rahmenwerk entwickelt hat und auf Basis dieser Entwicklung nun andere Provider einlädt an einer All-IP Netzwerklösung zur Übertragung von VoIP Daten mitzuarbeiten.

Das Problem, welches Verizon hierbei aufdeckt, ist, dass aktuell viele Provider ihre ISDN und PSTN Produkte bis 2017/18 abkündigen. In einigen Ländern wie der Schweiz oder Luxemburg soll die Bereitstellung von S0 und S2M Anschlüssen sogar schon früher eingestellt und die Migration zu IP basierten SIP Trunks forciert werden, damit 2017 das ISDN Netz zur Kundenseite hin abgeschaltet werden kann.
Die Kundenanbindung ist jedoch nur eine Seite der Medaille. Zum Aufbau einer Kommunikationsbeziehung ist ein weiterer Faktor von entscheidender Bedeutung: Der Interconnect, also die Vermittlung von Gesprächen zwischen Teilnehmern, die Kunden unterschiedlicher Provider sind.

Und hier gibt es derzeit die größten Baustellen bezogen auf die Umstellung in Richtung IP. Im Moment beschäftigen sich mehrere Gruppen mit der Aufgabestellung einer Standardisierung:

  • IETF/SPEERMINT – Arbeitet an einer Lösung, basierend auf SIP/SDP, für Peer VoIP Netzwerke
  • i3 Forum – Beschreibt das Interworking zwischen Internationalen Carrier auf Basis von SIP
  • GSMA – Fokussiert sich auf nicht SIP Aspekte bei Interconnects im Mobilfunk Bereich
  • ITU-T – Definiert SIP/SDP Voraussetzungen für NNI (Network-to-Network Interface) Basic Voice
  • 3GPP IMS – Beschreibt, basierend auf SIP, Basic Voice plus 20 weitere Multi-Media Telefonie(MMTEL) Services

Da sich aber die Gruppen nicht einigen können bzw. die Standardisierung zu langsam voranschreitet, geraten die Provider unter Zugzwang.
Und genau hier greift der Ansatz von Verizon.

Man sieht die dringende Notwendigkeit einer Ende zu Ende IP/SIP basierten Kommunikationskette. Stand heute ist der Interconnect nicht IP basierend, sondern setzt auf veraltete ISDN/PSTN Strukturen. Diese führen naturgemäß zu Medienbrüchen und verhindern die Einführung von Provider übergreifenden Multimedia-Diensten.

Diese Multimedia-Services sind aber für die Provider ungemein wichtig, wollen Sie nicht gegen reine Internetdienste wie Google Hangout, Microsoft Skype oder Apple FaceTime ins Hintertreffen geraten, bzw. ihre Basic Voice Services völlig belanglos werden.
Denn mit dem Sieg der reinen Internetkommunikation würden den Providern erhebliche Einnahmen aus der lukrativen Sprachkommunikation wegbrechen.

Daher wird dieses spannende Thema auch ein wichtiger Baustein unseres diesjährigen UC-, Video- und Kommunikationsforums sein. Denn gerade für unternehmensübergreifende Kommunikation, die über die reine Sprache hinausgehen soll, ist dieses Thema von zentraler Bedeutung.

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