Konservative Verkabelungssysteme (1): Einführung

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Teil 12 von 30 aus der Serie "Digitale Nachrichtenübertragung"
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In den letzten Teilen hatte ich immer in Aussicht gestellt, die aus den Kabeln gebildeten Verkabelungssysteme erst dann abschließend zu betrachten, wenn wir auch den Bereich der Optischen Übertragung abgeschlossen haben. Aus praktischen Erwägungen muss in dieser Folge allerdings ein Vorgriff erfolgen. Der überwiegende Teil der verlegten Kabelkilometer befindet sich im Bereich der
Endgeräteversorgung. Der überwiegende Teil der Unternehmen sieht für diese Versorgung eine Anschlussleistung von 1 GbE als hinreichend an. Also sehen wir uns diese konservativen Systeme, die verwendeten Kabel, Stecker und Spezifikationen hier an. Danach kommen wir zu den technischen Aspekten von Systemen wie 10 GbE, die eine anspruchsvollere Verkabelung benötigen, aber nicht für jedes Endgerät. Hinsichtlich der Verkabelung gibt es direkt mehrere Dauerbrenner in der Diskussion. Zukünftige Versorgungsbereiche für Endgeräte könnte man auch mit optischer Übertragung oder Wireless ausführen. Im RZ stellt sich die Frage nach Leistungswachstum bis in den Terabit-Bereich. Diese Diskussionen können wir erst ganz am Ende führen.

Vor Mitte der 80er Jahre war es so, dass ein LAN-System eine starre Kombination aus folgenden Komponenten war:

  • Übertragungsmedium,
  • Übertragungssystem,
  • Medium-Zugriffsverfahren.

Diese Komponenten prägten in einer bestimmten Kombination das technische, topologische und logische Erscheinungsbild eines LAN. Bezeichnungen wie »Token Ring« und »ETHERNET« spiegeln dies wider. Die Zugriffsverfahren werden auch heute noch danach unterschieden, ob sie für eine schleifenfreie Topologie »Bus« oder eine »Ring«-Topologie entworfen wurden.

Es hat sich schnell herausgestellt, dass eine derartige Bindung mit zunehmenden Ansprüchen an die Flexibilität, Zuverlässigkeit und Wartbarkeit eines LAN unzweckmäßig ist.

Die Standardisierung Lokaler Netze hat es ermöglicht, die wichtigsten Netztypen durch unterschiedliche Übertragungsmedien und -systeme zu realisieren.

Dies geht sogar so weit, dass man ein logisches Netz mit unterschiedlichen Medien realisieren kann bzw. umgekehrt unterschiedliche logisch/technische Netze mit einem Medientyp aufbaut, durch.

Dies ebnet den Weg für die Lösung eines der größten Probleme der Datenverarbeitung im Inhouse-Bereich: des Verkabelungsproblems.

Grundsätzliche Anforderungen und Problemstellungen

In durchschnittlichen Unternehmen oder Organisationen existieren teilweise noch heute neben einer umfangreichen Verkabelung für die Telefone wahre Kabelwüsten aus der konventionellen Datenverarbeitung: Datenraten von 9600 bit/s werden über Koaxialkabel geleitet, die eine vieltausendfache Kapazität erlauben würden, Kabelkanäle sind randvoll, die Dokumentation mangelhaft, und bei Fehlern ist es so wie bei einer über Generationen gewachsenen großen Modelleisenbahn einfacher, neue Kabel zu verlegen, als in dem bestehenden Wust den oder die Fehler zu finden.

Es gibt generell einen deutlichen »mentalen« Unterschied zwischen der Art und Weise, wie man in den USA und hier Netze plant, aufbaut und betreibt. Überspitzt formuliert ist vielfach in den USA vor allem bei kleineren Unternehmen die lokale Vernetzung eine Sache der Mitarbeiter. Niemanden stören kreuz und quer unter dem Teppichboden verlegte Kabel, niemand zitiert aus diesem Grund Arbeitsschutzgesetze, kaum jemand rechnet aber auch damit, dass das Netz immer und zu aller Zeit funktioniert.

In teutonischer Gründlichkeit möchte man hier eine langfristige Planung, Vermeidung von Wildwuchs, Multifunktionalität und hohe Zuverlässigkeit. Dies alles ist zu erreichen, aber nicht mit den Zusammensteckprodukten aus US-Warenhäusern.

Schon lange sehen vorausschauende Anwender und Planer nicht ein, wieso es bei sorgfältiger Planung nicht möglich sein sollte, die durch LANs angebotenen Möglichkeiten zusätzlich dazu zu nutzen, die bestehende Chaos-Verkabelung langsam aber sicher durch eine systematische Verkabelung abzulösen oder z. B. bei neuen Gebäuden oder Bereichen eine Vorverkabelung zu realisieren, die auch zukünftig anstehende Anwendungen wirtschaftlich und flexibel zu unterstützen in der Lage sind.

Zielvorstellung ist dabei der Wunsch nach einer einheitlichen Datensteckdose, die die definierten Versorgungsbereiche im Rahmen einer vorgegebenen Versorgungsdichte mit unterschiedlichen Kommunikationsdiensten flexibel versorgt. Mit den üblichen Wenns und Abers und einigen weiteren kleineren Einschränkungen ist dies heute durchaus möglich. Die Grundlage hierfür sind von verschiedenen Herstellern angebotene Verkabelungssysteme und der bereits angesprochene ISO/IEC-Standard für die Gebäudeverkabelung.

In der Vergangenheit hat sich bei entsprechenden Verkabelungsprojekten herausgestellt, dass es keine Einheitslösung für jede Anwendung geben kann, sondern vielmehr ein umfangreicher Planungsprozess Basis für eine angemessene Lösung zu sein hat. Wir wollen in diesem Buch den Grundsatzfragen der strukturierten Verkabelung nachgehen und einige Produktlinien benennen; eine vorgefertigte Patentlösung gibt es allerdings nicht.

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