Konservative Verkabelungssysteme (2): Versorgungs- und Verkabelungsbereiche

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Teil 13 von 30 aus der Serie "Digitale Nachrichtenübertragung"
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In den Unternehmen und Organisationen ist heute aus den Erfahrungen der letzten Jahre der Trend zu spüren, sich nicht mehr von einem Hersteller abhängig zu machen. Dies gilt für Hard- und Software und somit auch für die Verkabelung. Man kann es nach heutigen Gesichtspunkten hierbei auch keinem Hersteller recht machen. Wichtig ist es, die Versorgungs- und Verkabelungsbereiche sinnvoll zu organisieren.

Zu Beginn steht sicherlich vielfach die Frage, ob man nun eher separate oder einheitliche, integrierte Infrastrukturen unterstützen sollte. Separate Infrastrukturen haben den (vermeintlichen) Vorteil, dass man mit ihnen umgehen kann (denn in der Vergangenheit gab es nur separate Infrastrukturen, man denke an die Terminal-Verkabelung), dass man Lösungen geringerer Qualität benutzen kann (schlimmstes Beispiel früher: Cheapernet), dass man dadurch gegebenenfalls kurzfristig den Etat schont, z. B. durch eine günstigere Kostensituation pro Dienst (bis zum ersten schwerwiegenden Fehler) und die (bislang oft qualitativ minderwertigen und vor allem uneinheitlichen) Hersteller-Standards einhalten kann.

Die Nachteile separater Infrastrukturen sind jedoch gravierender: Jede separate Infrastruktur zieht einen erheblichen Betriebsaufwand und die Notwendigkeit einer besonderen Pflege nach sich. Über alle Infrastrukturen gerechnet sind die Gesamt-Investitionskosten hoch. Der Platzbedarf für die getrennten Lösungen ist groß, sowohl im Kabelkanal als auch in Technikräumen, sofern es sich nicht nur um Peanuts-Installationen von ein paar Dutzend Endgeräten handelt. Jede separate Infrastruktur zieht eine eigene Dokumentation nach sich, falls überhaupt dokumentiert wird.

Alles in allem lehrt die Erfahrung, dass ab einer gewissen Größenordnung zu vernetzender Systeme (ab ca. 100 bis 500 Endgeräte) separate Infrastrukturen weder bei der Erstinstallation noch bei den Folgekosten wirtschaftlich und technisch sinnvoll sind.

In größeren Organisationen und Unternehmen sollte jede Form der Vernetzung nur im Rahmen einer unternehmensübergreifenden Gesamtstrategie gesehen werden. Man braucht ein an die topologischen Verhältnisse optimal angepasstes Verkabelungskonzept.

Hierzu ist eine zentrale Planung mit mittel- und langfristiger Zielsetzung notwendig, um Netzwerkwildwuchs zu vermeiden und Investitionen zu sichern.

Die Ansätze hierzu sind äußerst unterschiedlich. Die Industrie bietet vielfältige Möglichkeiten an, die untereinander jedoch oft nicht kombinierbar sind.

Die Festlegung auf eines der heute von der Industrie angebotenen Verkabelungssysteme ist sehr schwierig und hängt vom Einzelfall und dem betreffenden Bedarf ab. Immer wieder wird man an Grenzen der Entwicklungs- und Integrationsfähigkeiten stoßen, die die Eingliederung verschiedener neuer Geräte erschweren. Ganz besonders wesentlich erscheint dem Autor die Erkenntnis, dass

  • die Verkabelung im Sinne einer Gesamtstrategie weder auf einem einzelnen Kabeltyp noch auf einem einzigen, homogenen Netztyp basieren wird, sondern
  • die Verkabelung auf einer hierarchischen Konzeption unter Berücksichtigung verschiedenster Versorgungsbereiche beruht.

Bei einer Verkabelung kann man grob zwei strategische Klassen unterscheiden:

  • die Vollverkabelung, die unabhängig von der tatsächlichen Belegung durch die Gebäudeauslegung und das Besiedlungspotential bestimmt wird und
  • die Bedarfsverkabelung, bei der die Infrastruktur durch die Belegungsdichte zum Installationszeitpunkt bestimmt und danach bedarfsorientiert verändert wird.

Im Rahmen einer derartigen Gesamtstrategie werden üblicherweise vier Bereiche unterschieden:

  • Geländeverkabelung (zwischen Gebäuden eines Geländes), Primärbereich,
  • Gebäudeverkabelung (zwischen Etagen oder Bereichen eines Gebäudes), Sekundärbereich,
  • Etagenverkabelung (zwischen Büros einer Etage bzw. zwischen Verteilerraum und Endgeräteanschlüssen), Tertiärbereich.

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