Konservative Verkabelungssysteme (5): ISO 11801-Standard (2)

Kommentieren Drucken
Teil 16 von 30 aus der Serie "Digitale Nachrichtenübertragung"
Alle Artikel der Serie "Digitale Nachrichtenübertragung":

Der Standard gibt Richtlinien und Spezifikationen für alle Steckverbindungen in Anschlussdosen, Patch-Panelen, Durchgangssteckverbinder, jedoch nicht für Media-Adapter oder Baluns an. Es werden wiederum kontinuierliche Werte zwischen den angegebenen Frequenzen im Sinne einer »Kategorie«- Definition verlangt. Es gibt aber auch durchaus immer wieder Kritikpunkte, die letztlich zu Erweiterungen führen, die angesichts laufend neuer Standards für die Übertragungstechnik auch nötig sind.

Für 100-Ohm- und 120-Ohm-Kabel ist die gleiche Steckerbelegung für den achtpoligen Western-Plug wie in EIA/TIA 568 vorgesehen.

Der Standard geht sogar so weit, dass er vorschreibt, wie weit die verdrillten Kabel höchstens »entdrillt« werden dürfen: bei Kategorie 513 mm und bei Kategorie 425 mm – wer misst das wohl nach? Allerdings haben Messungen gezeigt, dass auch nur ein halber Zentimeter mehr Entdrillung die Qualität der gesamten Verbindung erheblich herabsetzt. An das 150-Ohm-Kabel soll man einen isolierten Steckverbinder nach IEC 807-7 und für das LWL-Kabel den Stecker nach IEC 874-13 SC-D anschließen.

Neben den angegebenen Kategorien wird noch ein offensichtlich besseres, allgemeines Kabel angestrebt, dessen grundsätzliches Verhalten in der »Tabelle 18« niedergelegt ist, wobei auf viele Nebenwerte verzichtet wird. Ein Kabel gemäß dieser Spezifikation ist besser als alle anderen EIA/TIA- oder ISO-Kabel. Da zu befürchten ist, dass das »ISO-11801-Tabelle-18«-Kabel irgendwann in der Werbung auftaucht, wurde die „Tabelle 18“ mit Bild 6 in der letzten Folge vorsichtshalber wiedergegeben. Zurzeit spricht die Werbung gerne von »Level-6-Kabel«, welches es eigentlich gar nicht gibt. Vergleichen Sie die Werte für Dämpfung und Next mit den anderen Tabellen. Immer, wenn es einen nennenswerten Durchbruch bei der Kabelherstellung gibt, schließen sich einige Kabelhersteller zusammen und versuchen, in die entsprechenden Standardisierungsgremien neue Vorschläge für Kabeldefinitionen einzubringen. Da es eine Reihe von Gremien gibt, die sich zuständig fühlen, haben alle diese Initiativen eine Anlaufstelle.

Die Definition von Link-Klassen ist natürlich nur vollständig mit einer Definition ihres Gesamtverhaltens. Die zwei Tabellen 18 und19 zeigen die maximale Link-Dämpfung und die minimal zu verlangende Nahnebensprechdämpfung für die Klassen A bis D. N/A bedeutet, dass aufgrund der Spezifikation des Anwendungsbereiches ein Wert für die betreffende Frequenz uninteressant ist.

Ein weiteres in die Standardisierungsempfehlung einfließendes Maß ist ACR, das Dämpfungs- zu Nahnebensprechverhältnis. Neben den Werten für Dämpfung und NEXT muss auch ACR »stimmen«, damit eine Kabelanlage einer bestimmten Link-Klasse entspricht. Damit erreicht man, dass das Signal/Rauschverhältnis des Gesamtsystems für die erforderliche Bitrate ausreicht (Parameter: ACR), dass die Empfängerempfindlichkeit von standardkonformen Geräten ausreicht (Parameter maximale Link-Dämpfung) und dass die maximalen Rauschbeiträge bei jitterempfindlichen Anwendungen, wie z. B. Token Ring, nicht zu hoch werden (Parameter NEXT). Für die Klasse D ist allerdings zu bemerken, dass die ACR-Forderungen bei einigen Frequenzen schärfer sind als sich dies durch Einsetzen der anderen Werte in die ACR-Formel ergeben würde. Wir geben deshalb noch die kleine ACR-Tabelle nur für Klasse D an (Bild 6).

Kritik am Standard ISO/IEC 11801

Es gibt mindestens drei wichtige Kritikpunkte, die bislang anzumerken wären: die Beschränkung der Link-Klasse D auf 100 MHz Bandbreite, die offensichtlich falsche Kochbuchmethode und zu schlechte ACR-Werte für die Link-Klasse D.

Die Beschränkung der Link-Klasse D auf 100 MHz Bandbreite könnte Probleme mit ATM erzeugen, da zwar initiale Versionen 25 oder 100 Mbit/s (z. B. TAXI-Chip) vorsehen, letztlich aber eine Leistung von Bandbreite von 155 Mbit/s angestrebt wird. Wie wir wissen, können aber nur mit einer speziellen Codierung 155 Mbit/s mit weniger als 100 MHz Bandbreite realisiert werden. Die bisher am häufigsten verwendeten Leitungscodes für ATM erzeugen aber eine Bandbreite von 195 MHz. Es kam daher zwangsläufig zu einer neuen Klasse E. Aber auch Ethernet-Betreiber bleiben von Problemen nicht verschont. Sowohl 1 GbE als auch 10 GbE haben jeweils zu neuen Spezifikationen bei Kabeln und Verbindern geführt. Das diskutieren wir in den nächsten Folgen dieser Reihe

Außerdem sind in der Literatur frühzeitig Schwierigkeiten mit der »Kochbuchmethode« des Standards nachgewiesen worden. Dazu möchte ich mich ausnahmsweise konkret auf das Beispiel eines Herstellers beziehen. Die NOKIA Kabel GmbH setzte in ihrem CS (Universal Cabling System) schon sehr früh eine Reihe hochqualitativer Kabel ein. Die VDE-Bezeichnungen für diese Kabel bedeuten im Einzelnen:

I = Innenkabel
O2YS = Adernisolation aus verzelltem Polyethylen(mit Lufteinschluss)
mit Foam Skin- Aufbau(d. h. dünne Außenschicht ohne Lufteinschluss)
St = Folienschirm
C = Geflechtschirm
Y = PVC-Außenmantel
H = Kabel mit halogenfreiem und flammwidrigem Außenmantel
AWG = American Wire Gauge, Leiterdurchmesser,z. B. AWG22 = 0,64 mm
PiMF = Paar in Metall-Folie
Li = Leiter aus Litzendrähten

« Teil 15: Konservative Verkabelungssysteme (4): ISO 11801-StandardTeil 17: 1000 BASE-T: Gigabit Ethernet über Kupferverkabelung (1/2) »


zugeordnete Kategorien: Endgeräte
zugeordnete Tags:

Sie fanden diesen Beitrag interessant? Sie können



Anmerkungen, Fragen, Kommentare, Lob und Kritik:

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

.