Methoden der Integration von Management-Instrumenten

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Teil 62 von 71 aus der Serie "Professionelle Datenkommunikation"
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Die Management-Einrichtungen werden heute im Rahmen einer sogenannten Netzwerk-Management-Plattform bereitgestellt, für die es mehrere konstruktive Alternativen und Modelle gibt, was sich dann auch in den Produktstrategien niederschlägt. Integriertes Management bedeutet die Zusammenführung unterschiedlicher, umgebungsspezifischer Management-Instrumente.

Man kann vier grundsätzliche Methoden zur Schaffung integrierten Managements angeben:

  • eine universelle Schnittstelle zu einem standardisierten Manager unmittelbar von allen Geräten oder Subnetzen aus,
  • einen integrierten Manager (General Manager) mit einer einheitlichen Schnittstelle zu Element-Managern, die ihrerseits genormte oder spezifische Schnittstellen zu den Netzwerk-Elementen besitzen,
  • ein Management-Netzwerk, bei dem die Element-Manager nicht nur mit einem Integrierten Manager verbunden sind, sondern mit vielen und auch untereinander verbunden sein können,
  • den Plattform-Ansatz, bei dem die Netzwerk-Elemente mittels unterschiedlicher Protokolle auf eine Multivendor-Netzwerk-Management-Plattform zugreifen, die ihrerseits wiederum ein universelles API (Anwendungs- Programm Interface) bereitstellt, auf denen normierte und herstellerspezifische Netzwerk-Management-Anwendungen laufen können, gegebenenfalls sogar von Herstellern, die nichts mit den Netzwerk-Elementen zu tun haben.

Die erste Alternative mit der universellen Schnittstelle setzt einen wirklich einheitlichen Netzwerk-Management-Standard voraus. Wenn jedes System im Netz Protokolle und Datenstrukturen nach diesem Standard unterstützen würde, könnte man einen einheitlichen General-Manager verwenden. Dieser Ansatz ist jedoch heute aufgrund der gewaltigen installierten Basis unrealistisch. Man würde Jahrzehnte brauchen, bis alle Geräte so weit ausgewechselt wären, dass sie einem neuen, einheitlichen Standard gehorchen könnten, selbst wenn er ab sofort in Kraft treten könnte. Das wird jedoch wohl kaum eintreten, da Hersteller sich üblicherweise sehr entschlossen zeigen, die bestehenden eigenen Management-Schnittstellen zur Überwachung und Kontrolle der eigenen Produkte weiterzuverwenden. Mittlerweile gibt es zwar eine Reihe von Standards für IEEE LANs, TCP/IP- Intranets, OSI-Netze und UNIX-Systeme, aber nur in wenigen Teilbereichen, wie z. B. bei TCP/IP gibt es einen gemeinsamen Standard für das Netzwerk-Management: das Simple Network Management Protocol SNMP, welches allgemein akzeptiert wird und die Implementierung leistungsfähiger herstellerunabhängiger Netzwerk-Manager auch für den weiten Bereich von Bridges, Routern und Gateways erlaubt.

Kurzfristig scheint der General-Manager der schnellere Weg zum Erfolg zu sein, da es hier nur relativ wenige normierte Schnittstellen geben muss, die die Element-Manager mit dem integrierten General-Manager verbinden. Heutige Element-Manager können in der Regel aufgrund modularen Software-Designs relativ leicht mit derartigen Schnittstellen ausgerüstet werden. Außerdem filtern die Element-Manager für den General-Manager unwichtige Einzelheiten und führen Element-spezifische Aufgaben eigenständig aus. Im vorigen Schema musste der standardisierte Manager plötzlich alle Aufgaben, auch der Feinsteuerung, übernehmen. Die installierte Basis der Netzwerk-Elemente kann unangetastet bleiben.

Der Ausfall des standardisierten Managers oder des General-Managers können früher oder später tiefgreifende Folgen für das Netz haben. Der Ausfall einer Komponente im Management-Netz hat jedoch weniger weitreichende Folgen. Wird ein solches Management-Netzwerk nicht mit Selbstbeschränkung und letztlich hierarchisch organisiert, kann es zu unnützem Wachstum der Management-Einrichtungen, teurer und unnötiger Redundanz über die gewollte Redundanz hinaus und letztlich sogar zu Kompetenzrangeleien kommen. Es ist zu befürchten, dass das Management-Netzwerk die Anzahl der Netzwerk-Management-Einrichtungen letztlich eher steigert als senkt.

Eine wirkliche Möglichkeit zur Reduktion der Anzahl von Management-Systemen ist der Plattform-Ansatz. Eine Management-Plattform baut eine standardisierte Umgebung für die Implementierung von Netzwerk- und System-Management-Anwendungen auf. Die Management-Plattform definiert eine Menge offener Anwendungsprogrammschnittstellen, die veröffentlicht werden und somit vielen Anbietern, Software-Entwicklern und auch den Unternehmen und Organisationen selbst ermöglichen, moderne Management-Software auf hohem Niveau zu erstellen, ohne sich mit den Details von Management-Protokollen, Management-Datendefinitionen oder komplizierten Eigenheiten der Benutzerschnittstellen herumschlagen zu müssen. Der Plattform-Anbieter implementiert nämlich (hoffentlich) eine Menge von Werkzeugen und Diensten, die diese Funktionen übernehmen. Die heute führenden Vorschläge für Management-Plattformen wie OpenView von HP oder Tivoli von IBM wollen unterschiedliche standardisierte und nichtstandardisierte Management-Protokolle implementieren, um die Notwendigkeit zu Änderungen an bestehenden Netzwerk-Elementen zu reduzieren. Grade das Beispiel IBM zeigt aber, dass das nicht so einfach ist, wie es sich anhört. Im Laufe der Jahre ist „Tivoli“ mehr zu einem Markennamen geworden, der unterschiedliche Management-Software für Dutzende Systeme brandet, aber keinesfalls gewährleistet, dass diese vereinzelten Software-Produkte wirklich über die Zeit und über alle möglichen Kombinationen hinweg reibungslos zusammenarbeiten. Das ist kein Vorwurf, sondern einfach eine Folge des immensen Spektrums unterschiedlicher Systeme, die IBM anbietet. Hersteller mit übersichtlicherem Produktspektrum stehen in dieser Hinsicht immer besser da. Nehmen wir z.B. einen Hersteller, der ausschließlich Switches unterschiedlicher Größe, Leistung und Preisklasse baut. Ihm wird es immer relativ leicht fallen, eine Management-Umgebung zu schaffen, die die Steuerung aller seiner Produkte mit einer gleichartigen Oberfläche erlaubt. Spannend wird es genau dann, wenn man an das Netz mit den Geräten dieses Herstellers etwas anschließt und das dann entstehende Gebilde wiederum angemessen verwalten möchte.

Trost kann man letztlich nur aus der Tatsache schöpfen, dass es bisher offensichtlich gelungen ist, Netze aufzubauen und erfolgreich zu betreiben.

Netzwerk-Management-Systeme können heute mindestens in vier unterschiedliche Kategorien eingeordnet werden:

  • Singuläres System,
  • Trivial-System,
  • Plattform-System,
  • Enterprise Management-System,

Ohne uns ins Detail zu verlieren, wollen wir uns einen groben Überblick über die Funktionsbereiche verschaffen.

Ein singuläres NM-System deckt nur einen Aufgabenbereich ab, wie z. B. Konfigurationsmanagement. Die Verwaltungskomponenten in Servern, die für die Regelung der Benutzerrechte zuständig sind, sind demnach auch singuläre NM-Systeme.

Ein Trivial-System wäre ein SNMP-System, die ein paar NM-Anwendungen, wie die topologische Darstellung, unterstützt, aber darüber hinaus keine weiteren Integrationsmöglichkeiten bietet. Die klassischen Steuerungsprogramme für Switches fallen z. B. in diese Kategorie.

Ein Plattform-System besteht aus einer NM-Plattform, die Informationen aus unterschiedlichen Quellen, wie z. B. SNMP-Agenten und CMIP-Agenten verarbeiten kann, eine großzügige Datenbank besitzt und einen Satz APIs anbietet, die von Management-Anwendungen genutzt werden können. Es besteht allerdings keine Ambition, eng mit anderen Plattformen zu kooperieren. Ein Beispiel hierfür wäre der SunNet Manager in seiner einfachen Form.

Ein Enterprise Management System ist in der Lage, mehrere andere Management-Systeme zu integrieren, von der Form her ist es ebenfalls eine Plattform mit den o.a. Gegebenheiten, nur mächtiger. OpenView von HP ist heute das sicherlich bekannteste Beispiel für ein Enterprise Management System. Schließlich denkt man daran, auch Enterprise Management-Systeme, die in z. B. verschiedenen Niederlassungen installiert sind, wiederum zu integrieren. Für Corporate Management Systeme gibt es allerdings noch kein wirkliches Beispiel.

Wir betrachten später unterschiedliche Systeme und Strategien. In der nächsten Folge stellen wir die Standards mit Schwerpunkt auf SNMP ausführlicher vor.

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