Microsoft & IoT – mit Kanonen auf Spatzen?

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Microsoft fährt zweigleisig in Richtung IoT. Und legt noch einige Kohlen drauf. Auf der einen Seite gibt es Windows bald zum Nulltarif für kleine mobile Endgeräte und auf der anderen Seite wird es ein neues Windows namens Windows IoT geben.

Apple vertreibt sein Betriebssystem iOS für mobile Endgeräte auf der eigenen Hardware und braucht hierfür somit keine Lizenzgebühren abzuführen. Google vertreibt das Betriebssystem Android kostenlos. Die Gerätehersteller können Android ohne spezielle Lizenzgebühren an Google auf ihren Geräten installieren. Da Android jedoch lizenzpflichtige Komponenten von weiteren Patentträgern nutzt (beispielsweise Microsoft), müssen die Hersteller entsprechende Abgaben an die jeweiligen Patentträger tätigen. Diese sind jedoch im Vergleich zur Lizenzierung eines vollständigen Betriebssystems günstig. Das ist einer der Gründe, weshalb Android in so einer kurzen Zeit auf so viele unterschiedliche Geräte gekommen ist und zurzeit mit Abstand (ca. 80% bei Smartphones) den größten Marktanteil hält. Windows Phone kostet Gerätehersteller-Gerüchten zufolge (es gibt keine offiziellen Zahlen) zwischen 5-30$ pro Endgerät. Seitens der Hersteller spricht das auf der Kostenseite für Android. Mit der neuesten strategischen Ausrichtung von Microsoft soll dieser Kostengrund beseitigt werden. Microsoft bietet in Zukunft sein mobiles Betriebssystem Windows Phone für Endgeräte unter 9 Zoll Bilddiagonale kostenlos an. In Anbetracht der Tatsache, dass man für Android Gebühren (wenn auch geringe) an Microsoft zahlen muss, ist somit Windows Phone für Hersteller von kleinen Geräten über Nacht günstiger als Android. Windows Phone wird hiermit möglicherweise auch attraktiv für Geräte im Internet of Things, die sogar noch kostensensibler sind als Smartphones.

Als zweite Überraschung hat Microsoft zudem kürzlich verkündet, dass es ein Windows IoT geben wird – eine Windows Version für Geräte im Internet of Things. Solche Systeme haben andere Anforderungen als ihre Desktop-Pendants. So stehen beispielsweise Energieverbrauch, kabellose Datenübertragung und stark beschränkte Ressourcen im Vordergrund. Details zu Windows IoT wurden jedoch noch nicht veröffentlicht. Möglicherweise basiert diese Windows Version auf Windows Embedded. Microsoft hat mit Windows Embedded bereits Expertise im Bereich stark ressourcenbeschränkter und energiearmer Hardware. In Kombination mit Business-Intelligence Lösungen und der Azure Cloud hat Microsoft eine funktionierende Basis um sich einen Platz im IoT zu sichern.

Trotz dieser Schritte in Richtung IoT stehen Microsoft jedoch weitere potentielle Hürden im Weg. Drei Hürden sind:

  • Windows kommt aus dem Desktop-Bereich und dort ist auch nach wie vor der Hauptmarkt. Android und iOS hingegen haben sehr früh in ihrer Entwicklung den Fokus auf das mobile Umfeld gesetzt. Beim Einzug eines Desktop-Titanen in das Internet kleiner Dinge wird der eine oder andere die Stirn runzeln. Nichts destotrotz ist Microsoft schon länger im Embedded Umfeld vertreten und hat bereits Kunden, Expertise und Erfahrung auf dem Gebiet.
  • Der Einzug von Windows in das Geschäft mobiler Endgeräte ist zwar spät angelaufen, hat jedoch auch nach fast dreieinhalb Jahren nur einen Marktanteil von 3,3% (Smartphone-Verkäufe weltweit, Stand 4Q13, Quelle: IDC). Wieso sollte der Einzug in einen noch mobileren Markt besser klappen? Möglicherweise weil Microsoft jetzt wesentlich früher auf das IoT-Boot zugestiegen ist.
  • Microsoft ist das IBM-Pendant im Software Bereich: Proprietär und streng am eigenen kommerziellen Erfolg orientiert. Die Idee des Internet of Things hat jedoch einen offenen, horizontalen und weiten Charakter. Man lässt unterschiedliche Sensoren, Aktuatoren, Datenbanken, etc. miteinander kommunizieren, um einen unmittelbaren Mehrwert zu erlangen. Hierzu löst man Grenzen zwischen Geräten, Netzwerken, Herstellern, Kommunikationsmedien, etc. auf. Dies ist mit einem rein proprietären Ansatz nicht ohne weiteres konform. In einem solchen Szenario hätten open source Parteien, wie Konsortien um Android, größere Chancen. Jedoch entwickelt sich der Trend (wie in einem früheren Artikel bereits beschrieben) zurzeit eher zu vielen Intranets of Things und damit zugunsten eines Microsoft-Ansatzes.

Die Hürden sind also genau so zugegen wie die Chancen von Microsoft. Wer das Rennen also letzten Endes macht, entscheidet die Zeit. Nichtsdestotrotz verleiht der offene Einzug von Microsoft in das Internet of Things diesem einen neuen und kräftigen Schwung.

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