Immer mehr mobile Endgeräte in unseren Netzwerken: Wie gehen wir damit um?

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Alle Prognosen deuten auf eine erhebliche Zunahme der Menge an mobilen Endgeräten in den Unternehmen in den nächsten drei Jahren hin. Wir haben etablierte und bewährte Methoden, um mit den vorhandenen stationären PC-Systemen umzugehen. Können wir die einfach übertragen oder brauchen wir einen völlig neuen Ansatz?

Tatsächlich adressieren wir mit dieser Frage die Kernfragen, um die sich alles dreht:

  • Warum haben wir eigentlich mobile Endgeräte?
  • Was tun wir mit ihnen? Machen sie Sinn?
  • Wie viele werden wir denn nun haben?
  • Warum können wir sie nicht mit den etablierten Tools betreiben?

Gehen wir der Reihe nach auf diese Fragen ein:

Der Durchbruch der mobilen Endgeräte kam mit dem iPhone 2007, dem 2009 die Android Smartphones folgten. Wie immer wir auch in Zukunft mit unseren mobilen Endgeräten umgehen, wir müssen davon ausgehen, dass potenziell jeder Mitarbeiter ein solches Smartphone besitzt und auch nutzt. Die Leistungsfähigkeit dieser Geräte nimmt immer mehr zu und mit der Einführung des 64 Bit A7 durch Apple hat das erste Gerät in Form des iPhone 5s die Leistung eines traditionellen Desktop-Computers erreicht (Pentium 4 um präzise zu sein). Samsung wird vermutlich in wenigen Wochen mit dem Galaxy 5 folgen und allgemein können wir für die nächsten Jahre davon ausgehen, dass Smartphones genügend Leistung für nahezu alle Office-Applikationen haben.

Der nächste große historische Schritt kam mit der Einführung des iPads im April 2010. Smartphones sind sicher eine inte-
ressante Geräteklasse, aber sie werden immer unter dem zu kleinen Bildschirm und der eher umständlichen Tastatur-Eingabe leiden. Es fehlt einfach Platz. Die Tablets sind deutlich universeller nutzbar, sowohl von der Eingabe als auch von der Lesefähigkeit her. Die Masse der Geräte bewegt sich bisher im Bereich zwischen 7 und 10 Zoll Größe, doch noch in diesem Jahr wird sich vermutlich eine neue Kategorie um die 12 Zoll etablieren. Ähnlich wie bei den Smartphones haben Tablets in Zukunft ganz eindeutig Desktop-Leistung. Die Größe ermöglicht eine optimalere Kombination aus Display, Leistung und Batterie-Kapazität. Im Gegensatz zu den Smartphones können wir bei den Tablets aber nicht unterstellen, dass in Zukunft generell jeder Mitarbeiter auch eines haben wird. Wir brauchen also auf jeden Fall eine Klarstellung, in welchem Umfang wir unter mobilen Geräten auch Tablets sehen.

Damit sind wir bei der Frage, wozu die mobilen Geräte eigentlich eingesetzt werden und was wir denn mit ihnen machen. Bei den Smartphones hatten wir zu Beginn noch eine starke Bindung an unser traditionelles IT-Verständnis. Die Kombination aus Email-Client, Kalender, Instant Messenger und Internet-Browser war kein Bruch mit dem etablierten IT-Verständnis. Dies ist mittlerweile durchaus in Frage zu stellen. Tablets sind sicher nicht dazu geschaffen unsere traditionellen Büro-Anwendungen von Word bis SAP auszuführen. Sie kommen mit einem neuen Typ von Betriebssystem, der auf kleine, leichte und mobile Geräte optimiert ist. Dementsprechend kommen sie mit weniger Speicher aus, brauchen weniger Leistung und haben eine deutlich längere Batterie-Nutzungsdauer. Viel wichtiger aber ist, dass die Bedienung eine völlig andere ist. Apple hat mit der Erfindung der Gestensteuerung einen Quantensprung der IT-Technik bewirkt. Ob Google das mit Android unzulässig kopiert hat oder nicht sei an dieser Stelle egal. Fakt ist, dass wir jetzt eine neue Art von IT haben, die völlig anders genutzt wird als bisher.

Dies hat Konsequenzen:

  • Tablets sind nicht dafür geschaffen, traditionelle Windows-Applikationen auszuführen. Jeder Versuch in diese Richtung mit Container-Technologie, Virtualisierung oder was auch immer wird an der Akzeptanz und der mangelnden Leistung scheitern. Traditionelle Applikationen sind einfach für eine andere Umgebung entwickelt. Allerdings ist es denkbar, dass solche Applikationen auf einen Multi-Geräte-Einsatz angepasst werden, wie es Apple gerade mit Keynote und Pages eindrucksvoll gezeigt hat.
  • Tablets schaffen eine neue Dimension von Benutzer-Akzeptanz. Die neue Art der Bedienführung hat die Fähigkeit, Benutzerkreise an IT-Prozesse heran zu bringen, die bisher nur sehr unbefriedigend integriert werden konnten.
  • Die ganze Gerätetechnik (im Sinne von Gewicht und Größe) und das Bedienkonzept sind auf Mobilität ausgelegt. Dies bedeutet, ein Tablet kann in einer Hand gehalten werden und es können Abfragen, Eingaben und beliebige Manipulationen im Stehen, Liegen und wo auch immer ausgeführt werden.
  • Die schnelle und einfache Art der Nutzung in Kombination mit der Größe ermöglicht Anwendungen, die sich mit traditionellen Laptops nur sehr unbefriedigend abdecken lassen.

Noch einmal im Klartext: Tablets sind nicht dazu da, die alten traditionellen IT-Applikationen auszuführen. Es gibt klar eine Überschneidung in dem Sinne, dass sie natürlich einen Email-Client haben, einen Internet-Browser, einige Office-Programme, ein Dateisystem usw. Aber der eigentliche Vorteil und der Nutzen der Geräte für Unternehmen liegt in der Erschließung neuer Prozesse.

Beispiele für solche Prozesse sind:

  • Der gesamte Vertriebsbereich
  • Service-Prozesse
  • Gutachter- und Bewertungs-Prozesse
  • Krankenhäuser
  • Verkehr und Transport

Typische Mehrwertfunktionen sind die Kombination aus der sehr detailreichen Anzeige mit intelligenten Abfragefunktionen. Auch die Nutzung der integrierten Kamera und die gesamte Kommunikationsfähigkeit sind eine ideale Basis für verteilte Service-Prozesse. Wer konkrete Beispiele dazu sucht, der sei auf die Apple-Webseite verwiesen (http://www.apple.com/ipad/business/profiles/), die genügend spannende Projekte vorstellt. Die Schlüsselfragen für Unternehmen sollten also mit Bezug auf Tablets ein:

  • Haben wir Benutzer, die in ihrer Arbeit von einem Tablet profitieren würden (zum Beispiel durch ein intuitiveres Benutzer-Interface)?
  • Haben wir Prozesse, die wir mit Tablets besser und effizienter abwickeln können?

Damit sind wir bei der Frage, wie viele wir denn davon haben werden. Speziell bei den Tablets lässt sich die Frage für professionelle Anwendungen im Moment nicht beantworten. Die Kernfrage für die Zukunft ist, ob die beiden Welten des traditionellen Desktops und der Tablets irgendwann zusammen wachsen und dann zur universellen Endgeräteklasse werden. Von der Hardware-Leistung ist das ohne Frage denkbar. Der Schlüssel liegt in den Applikationen. Microsoft hat mit Windows 8 hier einen mutigen Schritt gewagt. Aber das Experiment ist voller Haken und Ösen und wird in der jetzigen Form kaum Erfolg haben können. Die Bedienung ist zu komplex, der App-Shop ist bisher nur sehr unbefriedigend eingebunden und nach wie vor dominieren Geräte, die auf die Nutzung traditioneller Windows-Anwendungen ausgelegt sind. Der Microsoft-Weg von 8 auf 8.1 und das für April erwartete Patch für 8.1 zeigen dann auch, dass sich Microsoft immer mehr dem Look- und Feel von Windows 7 annähert. Auch das Surface Pro 2 wirbt zwar mit seiner Tablet-Eigenschaft, ist aber als Tablet viel zu schwer, zu teuer und klar auf die traditionelle Welt ausgelegt. Mit der besseren Einbindung des App-Shops in die Metro-Darstellung im April wird trotzdem hoffentlich auch der Tastatur-freie Betrieb besser als bisher.

Lassen Sie uns an dieser Stelle auch einen Blick in die Zukunft werfen. Wird es bei dieser Trennung zwischen „alter“ und „neuer“ IT bleiben? Mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht. Wir stehen am Anfang einer Entwicklung, an deren Ende das jeweilige Endgerät und sein Betriebssystem keine Bedeutung mehr haben werden. HTML5, das Google Chromebook, Apples Geräte-übergreifende Applikations-Lösung und die Integration der Cloud zeigen einen klaren Weg weg von der bisherigen Geräte-zentrischen Welt auf. Trotzdem bleiben Unklarheiten. Microsoft wird sicher alles versuchen, die „alte“ Welt so lange wie möglich zu erhalten. Immerhin bedroht die neue Welt mit dramatisch niedrigeren Preisen für Software das Microsoft-Geschäftsmodell nicht unerheblich. Aber auch bei Microsoft ist Windows 365 eine der großen Zukunfts-Hoffnungen.

Damit ist auch schon fast die letzte Frage beantwortet. Wir können mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets nicht mit unseren etablierten Tools betreiben, weil sie eine neue Form der IT darstellen. Zwar gibt es eine Grauzone, einen Überlappungsbereich mit Apps aus beiden Welten, aber im Kern erfordern mobile Endgeräte einen komplett neuen Betriebs- und Architektur-Ansatz. Für diesen Ansatz wurde der Begriff „Mobility System“ geschaffen.

Zu einem „Mobility System“ gehören typischerweise:

  • Der Zugang zu internen und externen Netzwerken
  • Die Benutzer- und Rechteverwaltung, die zum Beispiel jetzt Ortsabhängig sein kann und andere Funktions- und Datenquellen einbeziehen kann
  • Die Bereitstellung von Daten
  • Ein App-Store mit Apps, die für ein Unternehmen wichtig sind
  • Einen Zugriff auf ausgewählte Elemente der „alten“ Welt

Dieses Mobility-System lässt sich so nicht von der Stange kaufen. Es gibt zwar gute und bewährte Tools in diesem Bereich, aber die Kombination zu einer Gesamtlösung ist in jedem Fall ein größeres Projekt. Einzelne Hersteller wie AirWatch (jetzt VMware) versuchen zwar immer mehr, die notwendigen Funktionselemente aus einer Hand zu liefern, aber es gibt einen Bereich, der nur durch das betreibende Unternehmen selbst kommen kann: die Klärung, welche Daten und Applikationen wie eingebunden werden. Dazu gehört auch die Frage, welche Prozesse im Unternehmen überhaupt optimiert werden sollen und in welchem Umfang dazu eigene Apps erforderlich sind.

Kommen wir auf die Ausgangsfrage zurück: brauchen wir einen neuen IT-Ansatz für mobile Endgeräte? Der Schlüssel zur Antwort auf diese Frage liegt in der Erkenntnis, dass speziell Tablets nicht dazu da sind, die etablierte IT mit preiswerteren Geräten abzulösen. Ihr Mehrwert liegt in einer neuen Form der Nutzung für genau definierte Prozesse. In diesem Sinne macht auch die unreflektierte Unterstützung von Tablets in einem BYOD-Projekt eigentlich keinen Sinn. Sie produziert nur Probleme ohne einen Mehrwert zu schaffen. Mobile Endgeräte sind dann wirtschaftlich und profitabel, wenn sie dafür eingesetzt werden, wofür sie eigentlich geschaffen sind.

Lohnt sich der Aufwand der Schaffung eines Mobility Systems? Der aktuelle Zustand muss als Beginn einer Migration in ein verändertes IT-Verständnis gesehen werden. Die Beherrschbarkeit dieser Entwicklung erfordert ein solides Fundament. Mit dem Blick nach vorne lohnt sich der Aufbau eines Mobility Systems also auf jeden Fall. Das Problem liegt auch nicht mehr im Bereich Mobile Device Management. Diese Tools haben einen gewissen Reifegrad erreicht. Die große Aufgabe liegt vielmehr in der Gesamtlösung, in der Integration aller Bereich inkl. der sicheren Bereitstellung von Daten und Applikationen.

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