Nokia vs. Google oder eine Frage des Codecs

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Um zu verstehen, warum Nokia und Google in dieser Frage aneinander geraten sind, muss man die Geschichte dahinter verstehen.

Google hat 2010 die Firmen GIPS on On2 erworben. Beide Firmen wurden bekannt durch die Entwicklung von Codecs im Bereich Audio (GIPS) und Video (On2).

Bekannte Produkte der beiden Hersteller sind:

  • iLBC (Internet Low Bitrate Codec, GIPS)
  • iSAC (internet Speech Audio Codec) ebenfalls von GIPS
  • VP8 Video von On2 Technologies

Diese Lizenz-befreiten Codecs hat die Projektgruppe um Google als Standard für die neue Web-Technologie WebRTC vorgesehen.

Gegenüber dem von Google bevorzugtem Verfahren steht eine Allianz von Microsoft über Apple bis hin zu den etablierten Enterprise UC Anbietern, die weiterhin die klassischen G.7xx und MPEG Codecs favorisieren.

Diese Allianz bevorzugt vor Allem die erheblich höhere Qualität, die durch den Einsatz moderner MPEG Videocodecs durchaus gegeben ist. Auch besteht für diese Anbieter kein Problem in der Nutzung lizenzpflichtiger Codecs, da sie alle über die entsprechenden Nutzungsrechte verfügen.

Das bisher aber gewichtigste Argument gegen die Nutzung des Google Videocodecs war die unklare Patentsituation.
Zu diesem Thema schreibt Wikipedia:

„Ein Mitarbeiter des Joint Technical Committee 1 der ISO und der IEC kommt in seiner Analyse zum Schluss, dass On2 große Anstrengungen unternommen hat, gegen keine Patente zu verstoßen, er weist aber auch auf die Schwierigkeiten hin, mit einem modernen Video-Codec keine Verletzungen zu begehen. Außerdem hält er es aufgrund der aktuellen Gesetzeslage in den USA für unwahrscheinlich, dass die Öffentlichkeit je erfährt, wie die firmeninternen Untersuchungen der Patentsituation genau ausgesehen haben.“
Google nun reagierte seinerseits auf diesen Umstand, indem es mit der MPEG LA (Licensing Administration) und elf Patentinhabern im Frühjahr 2013 eine Einigung zur Nutzung seines Videocodecs erzielte.

Demnach erwirbt Google eine Lizenz für die entsprechenden Patente, welche Google seinerseits an VP8-Nutzer weitergeben darf. Die Lizenz gilt auch für mögliche Nachfolger Codecs wie VP9.

Google will daher seine Lizenz für VP8-Nutzer veröffentlichen. Sie soll es erlauben, die von Google lizenzierten Patente kostenlos in allen VP8-Produkten einzusetzen, ganz gleich, von wem diese entwickelt wurden. Die Implementierung müsse allerdings auf der VP8-Datenstruktur basieren.

Die MPEG LA verzichtet im Gegenzug darauf, einen Patentpool für VP8 zusammenzustellen und diesen gegebenenfalls gegen VP8-Nutzer durchzusetzen.

So konnte Google die Freiheit von VP8 absichern.

Nur ein einziger Vertreter ist diesem Abkommen nicht beigetreten: Nokia.

Hier versucht man derzeit gerichtlich zu klären, welche Nokia Patente durch die Verwendung von VP8 verletzt werden. Erste Urteile lassen aber darauf schließen, dass Nokia diesen Kampf verlieren wird. Das Mannheimer Landgericht hat erst Anfang August im Patentstreit von Nokia gegen HTC festgestellt, dass ein von Nokia geführtes Patent durch VP8 nicht verletzt werde.

Für Nokia ist diese Frage aber von hoher Bedeutung. Da der Consumer Markt mit seinen zig Millionen Endgeräten pro Jahr der wichtigste Absatzmarkt der Zukunft sein wird und Nokia hier aufgrund seiner verfehlten Firmenpolitik kaum eine Rolle spielt, benötigt man dringend neue Einnahmequellen.

Böse Zungen bringen aber auch andere Varianten ins Spiel:

  • Nokia würde von Microsoft vorgeschickt um Googles WebRTC Standard auszubremsen
  • Oder: Die Braut (Nokia) soll aufgehübscht werden für eine mögliche Übernahme

Ob dies eine auf die Zukunft ausgerichtete Strategie darstellt, muss aber stark bezweifelt werden.

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