Personalabbau und Cloud Computing sparen Kosten

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In den Köpfen von Entscheidungsträgern halten sich entweder bedingt durch die Erweichung durch Werbemaßnahmen, ein völliges Unverständnis der Technik oder schlicht eine Kombination von beidem hartnäckig Vorurteile und Irrtümer, die nicht nur den Entscheidern auf der Betreiber-Ebene Steine in den Weg legen, sondern auch Funktionalität und Wirtschaftlichkeit einer Lösung dauerhaft behindern können. In loser Folge stellen wir die schlimmsten zusammen.

In einer wirtschaftlich enger werdenden Situation Krise fallen Entscheidungsträgern auf höheren Ebenen sofort ein bis zwei Dinge ein, die völlig kontraproduktiv sind: Personal-Abbau und Cloud-Computing.

Meine Erfahrung zeigt, dass die deutschen Unternehmen und Organisationen im letzten Jahrzehnt die Qualität der im RZ eingesetzten Mitarbeiter erheblich gesteigert haben. Außerdem wurde die Anzahl der Mitarbeiter längst nicht in dem Maße erhöht, wie die Aufgaben gewachsen sind. Ein weiterer Kahlschlag ist ohne jede Diskussion verantwortungslos. Es bleibt ja dann auch die Frage, wie man entlassene Mitarbeiter ersetzen soll, wenn es wieder aufwärts geht.

Top-Manager, die sofort mit Entlassungen winken, sind die gleichen, die in die Cloud-Falle tappen. In verschiedenen Publikationen haben wir Funktionen und Möglichkeiten des Cloud Computings kritisch beleuchtet. Im Prinzip verbinden Top-Manager aufgrund geschickter Reklame der interessierten Anbieter die Hoffnung einer Margenschöpfung: der Anbieter von Cloud-Leistung baut große RZs mit günstigen Randbedingungen. Dadurch kann er zunächst anscheinend wirklich Leistungsangebote erstellen, die für ihn geringere Kosten erzeugen als für das durchschnittliche RZ eines Unternehmens. Diese Leistungen möchte der Anbieter mit einem Aufschlag verkaufen. Das ist legitim. Der Top-Manager hofft nun, diese Leistungen zu geringeren Kosten als die ihm durch ein eigenes RZ entstehenden einkaufen zu können. Das ist ein gefährlicher Irrtum, denn:

  • es können in erheblichem Maße gesetzliche Bedingungen verletzt werden
  • Datenschutz und Datensicherheit können neuen Gefährdungen ausgesetzt sein
  • das Unternehmen muss einem Provider, den es gar nicht kennt, völlig vertrauen
  • vertragliche Absicherungen können Schall und Rauch sein, z.B. wenn der Provider einen absichtlichen Konkurs herbeiführt
  • der Cloud-Provider kann nach einem gelungenen Start die Preise anheben
  • der Cloud-Provider kann die Abhängigkeit des Unternehmens von ihm nutzen, um überproportionale Preiserhöhungen durchzusetzen, wenn er sieht, dass das Unternehmen sein eigenes RZ abgebaut hat und ein Providerwechsel für das Unternehmen teuer würde
  • und selbst ohne alle diese Risiken ist die Margenschöpfung so schwach, dass sie einem erheblichen Wechselkursrisiko unterliegt und je nach Umfang dagegen gehedged werden muss, was wiederum Kosten nach sich zieht.

Philosophisch betrachtet gehorcht „Cloud-Computing“ dem gleichen Modell wie eine Studenten-Kommune oder eine LPG. Eine Anzahl Personen tut sich zusammen und beschafft gemeinschaftlichen Wohnraum oder Maschinen. Dadurch sinken die Kosten für den Einzelnen gegenüber einer Individual-Lösung. Das gibt aber auch gleich das Stichwort für den wichtigsten Problemkreis: Individualität. Eine Kommune kann nur solange funktionieren, wie alle Teilnehmer vergleichbare Interessenlagen haben. Möchte jemand in der LPG auf einmal statt Weizen Weintrauben anbauen, hilft ihm die Gemeinschaft nicht mehr. Und genau dieses Problem tritt auch bei Unternehmen oder Organisationen auf. Es gibt keine zwei Unternehmen, die wirklich gleiche Aufgaben haben. Also benötigen sie auch individuelle Lösungen. Natürlich können sich wie bisher auch Unternehmen mit wirklich identischen Geschäftsfeldern zusammentun und z.B. gemeinsam ein RZ betreiben, wie z.B. Sparkassen. Aber der generalisierte Cloud-Ansatz wird mit Sicherheit nicht zufriedenstellend funktionieren.

Dennoch: es gibt mindestens einen Anwendungsbereich, bei dem Betreiber privater Netze nicht um den Cloud-Gedanken herumkommen: der Betrieb neuartiger drahtloser Endgeräte.

Einem Unternehmen wird mittelfristig nichts anderes übrig bleiben, als die neuartigen Geräte mit dem Gleichen zu unterstützen, was ihnen auch sonst erst das Überleben trotz Speichermangels erlaubt: einer Cloud. Dabei gibt es wieder drei grundsätzliche Alternativen:

  1. Nutzung eines öffentlichen Cloud Services als Untermieter
  2. Schaffung eines unternehmenseigenen, privaten Cloud Services
  3. Etablierung einer harmonisierten Hybrid-Cloud aus Elementen, die im Unternehmen bleiben und solchen, die von Providern realisiert werden.

Die erste Alternative scheidet schon bei einem oberflächlichen Blick auf die bestehenden Sicherheitsfunktionen und die Möglichkeiten der vertraglichen Gestaltung vor dem Hintergrund der Haftungsproblematik oft aus. Es ist nicht auszuschließen, dass öffentliche Cloud-Anbieter mit der Zeit entsprechende angereicherte Cloud Services implementieren können, aber die spannende Frage ist doch: wann? Darüber hinaus ist es sehr fraglich, ob sich das für die Provider überhaupt lohnt. Es könnte nämlich durchaus sein, dass es dafür keinen tragfähigen Markt gibt.

Also bleibt anscheinend zunächst nichts anderes übrig, als den Cloud Service als private Cloud selbst aufzubauen. Dabei muss es gar kein Cloud Service im engen Sinne sein, wie von Dr. Suppan in seiner Studie beschrieben. Es wird vielfach ausreichend sein, Rechen- und Speicherleistung mit modernen Geräten so zur Verfügung zu stellen, dass die Tablets eben genau so versorgt werden, wie es die auf ihnen laufenden Unternehmensanwendungen brauchen.

Noch im letzten Jahr wurde die Idee der hybriden Cloud mehr oder minder als Unsinn abgetan. Das hat sich mittlerweile geändert. Bleiben wir einfach beim Beispiel der Versorgung von Smartphones oder Tablets. Solange sich ein Benutzer in den Gebäuden des Unternehmens befindet, kann man deren Versorgung aus dem eigenen RZ via WLAN-Infrastruktur vornehmen. Hier ist die Frage spannend, wie man die Versorgung noch sicherstellen kann, wenn sich der Mitarbeiter aus dem Gebäude herausbewegt.

Es gibt hierbei zwei prinzipielle Lösungsansätze:

  1. Der Mitarbeiter wird via einer geschützten virtuellen Verbindung über LTE über den Provider und dann vermöge eines entsprechenden Gateways mit der IT des Unternehmens, in diesem Fall einer private Cloud, verbunden. So würde man es intuitiv machen. Der Nachteil dabei ist, dass eine virtuelle Verbindung in diesem Fall über gegebenenfalls recht viele physikalische Teilverbindungen laufen muss und dadurch weder schneller noch reaktionsfähiger wird.
  2. Der Mitarbeiter wird via einer geschützten virtuellen Verbindung über LTE mit dem „öffentlichen“ Teil der Hybrid Cloud verbunden, der im RZ des Providers realisiert wird. Werden die beiden Teile der Hybrid Cloud dann sinnvoll gegeneinander abgestimmt, ist der Zugang für den Mitarbeiter wesentlich unkomplizierter.

Grundsätzlich wird ein Endgerät im Rahmen einer LTE-Versorgungsstruktur letztlich in einen öffentlichen Cloud-Service eines Providers eingebunden. Von seiner Struktur her ist der Provider in der Lage, die einzelnen Benutzer und ihre Verkehrsströme völlig voneinander zu isolieren. Das ist seine Basis für ein weitergehendes funktionales Angebot, die Abrechnung gegenüber den Teilnehmern und eine grundsätzliche Sicherheitsmaßnahme. Wie der Provider das alles genau macht, bleibt dem Kunden verborgen und er hat sinnvollerweise auch keinerlei weiteren Zugriff auf die Infrastruktur des Leistungsanbieters. Für Corporate Customers gibt es weiter gehende Angebote z.B. hinsichtlich der Durchreichung von Qualitätsparametern. Heute beschränken sich diese Angebote aber vorwiegend auf Aspekte der logischen Verbindung. Trivialerweise können wir davon ausgehen, dass der Provider eine umfassende virtualisierte Speicherlösung betreibt. Aus dieser ergeben sich zusätzliche Angebote wie z.B. eMail und Web-Zugriff sowie die Möglichkeit, in einem weiter unspezifizierten, aber in der Regel hersteller-neutralen Cloud-Angebot Daten abzulegen (z.B. Telekom-Cloud).

Letztlich wird es Aufgabe von Unternehmen und Providern sein, diese so gewachsenen Infrastrukturen so aufeinander abzustimmen, dass ein Benutzer unabhängig von seinem Standort innerhalb oder außerhalb des Unternehmens durchgängig und ohne sichtbaren Bruch auf die für seine Arbeit relevanten Anwendungsdienste und Daten in sicherer und performanter Form zugreifen kann.

Kurz zusammengefasst müssen folgende Schritte durchlaufen werden:

  • Ein Planer muss sich mit den Vertrauenswürdigkeitsanforderungen der IT-Umgebung und mit den Vertrauenswürdigkeitsprofilen der möglichen Cloud-Bereitstellungsmodelle vertraut machen.
  • Identifikation der Workload-Kandidaten für die Cloud-Bereitstellung unter besonderer Berücksichtigung von Art und Fluss der Informationen
  • Analyse der möglichen Kostenvorteile durch die Cloud-Bereitstellung für die einzelnen Workload-Kandidaten gegen die Kosten, die im Rahmen der Nutzung unterschiedlicher Cloud-Modelle entstehen
  • Analyse von Praxistauglichkeit und Kostenvorteilen einer Cloud-Bereitstellung unter Berücksichtigung von Funktionalität und Vertrauenswürdigkeit für die einzelnen Workload-Kandidaten
  • Entwicklung einer Roadmap für die Durchführung der einzelnen Schritte von der Implementierung der geeigneten Technologie über Automatisierung und prozessbezogene Veränderungen bis hin zur Entwicklung eines dauerhaft tragfähigen Betriebskonzepts unter strenger Koordination aller beteiligten Technologiefelder (Server, Speicher, Netz, Betriebssysteme, Anwendungssoftware, Sicherheits-Politik und – Technologie, Management- und Wartungs-Elemente) und des betroffenen verantwortlichen Personals
  • Einrichtung einer Feedback-Schleife an dieser Stelle für das Fein-Tuning von Zielen, Workloads, Zuordnungen, Technologien, Betriebskonzepten usf.

Und das geht bestimmt nicht, wenn man die für derartige Aufgaben benötigten gut ausgebildeten Mitarbeiter grade entlassen hat!

Teil 2: Skalierbarkeit ist Nebensache »


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