Schluss mit dem Rangierchaos: Das intelligente Rangierfeld macht alles einfacher

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Wer kennt es nicht, die Verkabelung wurde fachgerecht installiert, alles perfekt dokumentiert und die Inbetriebnahme der einzelnen Teilstrecken stehen an.

Am Anfang ist noch alles sehr übersichtlich, ein Aufschalten der Strecken geht leicht von der Hand, Erfolgserlebnisse sind schnell zu bekommen. Da verzichtet man, insbesondere aufgrund des Zeitdrucks, der bei einer Inbetriebnahme herrscht, gerne auf die Dokumentation der Rangierungen, wohlwissend, dass man ohnehin niemals wieder Zeit dafür finden wird. Doch dann kommt der Tag X: Im laufenden Betrieb müssen Änderungen an den Rangierungen durchgeführt werden, da größere Umzüge von Abteilungen oder Projektteams anstehen. Oder es ist die Suche nach einem Fehler notwendig, die ein Nutzer eines Endgerätes – oder noch schlimmer – eines Servers meldet. Spätestens in diesem Moment wird sich herausstellen, ob der Verzicht auf eine Rangierdokumentation nicht bereut wird. Im vorliegenden Artikel wird dargestellt, worauf es bei einer Dokumentation der Rangierung ankommt und wie aktuelle Techniken durch automatische Erfassung von Rangierungen das Leben einfacher machen können.

Ausgangsbasis

Wie dargestellt, stellt die Ausgangsbasis ein durch das Installationsunternehmen fachgerecht installierter und dokumentierter physikalischer passiver Link im Sinne eines sogenannten Permanent Link dar, also eine Strecke zunächst ohne Anschluss- oder Rangierschnüre. In diesem Falle darf man erwarten, dass beide Enden des Links dokumentiert und vor allem beschriftet sind. Ein Ende stellt in der Regel immer ein Rangierfeld dar und das andere Ende entweder wieder ein Rangierfeld oder eine Anschlussdose. Den im industriellen Umfeld durchaus nicht ungewöhnlichen Fall eines Permanten Links ohne Abschluss in einem Rangierfeld oder einer Dose betrachten wir hier nicht. Die Beschriftung bzw. der dazugehörende Code am Rangierfeld oder Dose wird in der Regel bei den deutlich meisten Dokumentationen – falls sie gemacht wird – in irgendeiner Art in die Rangierdokumentation einfließen. Die Aufgabe der Rangierdokumentation ist es, einen Bezug zwischen dem Port des Rangierfeldes (bzw. der Dose) und dem aktiven Gerät, also z.B. dem Switch (bzw. dem PC oder auch Server) herzustellen. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten, auf die nachfolgend eingegangen werden soll.

Sinn und der Zweck einer Rangierdokumentation

Es darf nicht überraschen, dass es in einer nicht geringen Anzahl von Netzwerk-umgebungen gar keine Rangierdokumentation gibt, dies gilt gerade für den Bereich der Endgeräteverkabelung (typischerweise Etagenverteiler mit Twisted Pair als Horizontalkabel). Auch in dem einen oder anderen Rechenzentrum wird gerne darauf verzichtet. Dagegen werden Backbone-Verbindungen – in der Regel Glasfaserstrecken – meistens dokumentiert, denn ein Ausfall einer solchen Strecke bei fehlender Dokumentation benötigt weitere zusätzliche Zeit bis zur eigentlichen Fehlerbehebung und verlängert damit die Mean Time to Repair und bei Backbone-Verbindungen betrifft das häufig größere Teile des Netzwerkes. Es geht tatsächlich in vielen Fällen auch ohne durchgängige Dokumentation, wie gut auch immer.

Mit der Dokumentation sollen insbesondere folgende Dinge vereinfacht werden:

  • Bei einer Änderung der Aufschaltungen soll verhindert werden, dass irrtümlich eine falsche Aufschaltung zu einer Unterbrechung eines aktiven Links führt oder die Aufschaltung nicht zum Ziel führte und es zu Verzögerungen kommt, bis der Link aktiv wird.
  • Bei einem gemeldeten Fehler auf einem aktiven Link soll nachvollzogen werden können, welche physikalischen Teile des Links, insbesondere welche Verkabelungselemente dazu gehören und weiter zu analysieren sind.
  • Zusätzlich gehört natürlich im Rahmen von Change Management-Prozessen auch die Dokumentation der Anweisung an einen Techniker, wie er eine Änderung der Rangierung durchzuführen hat.

Ideal wäre es, eine End-to-End-Dokumentation vorzunehmen, die beide am aktiven Link „beteiligten“ aktiven Geräte berücksichtigt. Da der Verteiler in der Regel der Ausgangspunkt der Änderungen oder auch der Fehlersuche ist, steht dieser in den meisten Fällen im Vordergrund. Für die oben aufgeführten Fälle müssen mindestens bekannt sein:

  • Name der aktiven Komponente (häufig auch als Objekt-ID bezeichnet)
  • Ebenfalls Name und Einbauort des Rangierfeldes (ebenfalls Objekt-ID)
  • Slot- und Port-Nummer auf beiden Komponenten

Diskutiert werden kann, ob folgende Infos ebenfalls zur Input-Dokumentation gehören müssen/sollen:

  • Objekt-ID der Rangier- oder Anschlussschnur
  • Übertragungstechnische Qualität der Strecke (sogenannte Channel Link Performance)
  • Angaben zum „anderen“ Ende der Strecke; bei der Tertiärverkabelung wäre das z.B. der Raum der Dose oder ein Koordinatenpunkt in einem Grundriss (z.B. bei einer Dose für einen WLAN-Anschluss)

Aus der Dokumentation müssen im Idealfall über jedes bekannte Detail alle Elemente des aktiven (oder auch passiven) Links ermittelt werden können. Vereinfachend folgende Beispiele:

Beispiel Tertiärbereich: Meldet ein Nutzer mit einem kabelgebundenen Anschluss eine völlige Unterbrechung seiner Netzwerk-Verbindung muss im einfachsten Falle über die Dosen/Portnummer des Anschlusses ermittelt werden können, auf welchem Switch-Port das Endgerät angeschlossen worden ist. Bei den meisten Beschriftungsrichtlinien weist die Dosen/Port-Nummer aus, in welchem Technikraum, welchem Schrank und auf welchem Rangierfeldport das Endgerät angeschlossen ist. Bis hier ist eine Rangierdokumentation noch nicht zwingend notwendig, sie vereinfacht aber die Suche bereits. Spätestens bei der Frage, auf welchen Switch-Port denn der Anschluss aufgeschaltet ist, braucht man entweder eine Dokumentation oder man muss sehr mühsam mit Hilfe von „Kabelabtasten“ die Zuordnung ermitteln.

Beispiel Rechenzentrum: Ein Server in einem Server-Schrank in der Mitte einer Schrankreihe wurde mit Hilfe einer Glasfaserverbindung über das Rangierfeld im Server-Schrank und dann wieder über den Kopfschrank der Reihe zu einem weiteren Netzwerk-Schrank irgendwo im Raum durchgeschaltet (siehe Bild 2); der Server soll in Zukunft nicht mehr benutzt werden. Diese Verbindung ist aufgrund des bereits vollständig belegten Rangierfeldes vollständig aufzulösen. Ohne eine Dokumentation der Rangierungen kann es zu einem sehr gewagten Unternehmen werden, die Rangierungen einfach zu entfernen. Selbst ein Abtasten der Rangierkabel ist mit Risiko verbunden, da Fehler auch hier nicht ausgeschlossen werden können.

Traditionelle Rangierdokumentation

Bei einer „traditionellen“ Methode erfolgt die Erfassung des rangierten Links auf Basis von einfachen Tabellen, oder bei einer „eleganteren“ Lösung auf Basis eines speziellen Dokumentations- oder Datenbanksystems. In beiden Fällen erfolgen die Erfassung der Informationen und auch die Änderungen des Zustands manuell, sie muss von Personen durch eine visuelle Erfassung vor Ort aufgenommen und in den Listen / Datenbanksätzen nachgetragen werden.

Das Grundelement der Erfassung stellt eine Liste der rangierten Verbindung im Verteiler dar.

Diese einfache Liste stellt jedoch nur einen Teil der gesamten beschalteten Strecke dar, im Prinzip gibt sie nur EIN Ende der Strecke wieder, weiter erfasst werden müssen:

  • Informationen, die zum anderen Ende der Strecke gehören (Rangierfeld oder Dose inklusive aktives Gerät dort).
  • Optionale weitere Rangierpunkte, insbesondere bei Glasfaserstrecken mit mehrfachen Durchrangierungen.

Beide lassen sich prinzipiell mit demselben, leicht modifizierten Sheet in weiteren separaten Listen erfassen bzw. dokumentieren, was dann trotzdem fehlt ist eine anschauliche durchgehende Ende-zu-Ende-Darstellung. In vielen Projekten werden dazu EXCEL-Tabellen erstellt, die mit Hilfe von sehr vielen Spalten den kompletten beschalteten Weg beschreiben. In Bild 4 und Bild 5 wird in Form einer Grafik ein derartiger Schaltweg mit den wichtigsten Informationen dargestellt.

Trotz der Trivialität der Bilder bzw. der damit verbundenen Informationen wird jeder, der für die Erstellung von solchen Tabellen in einem Rechenzentrum einmal verantwortlich gewesen ist, wissen, wie komplex dieses sein kann (insbesondere bei sehr häufigen Durchrangierungen in einem Link) und wie wichtig es ist, diese zu haben (oder eine entsprechende Darstellung/Erfassung in einem Dokumentationssystem). Wenn eine Zuordnung eines gesteckten Ports zu einem Rangierkabel oder zum anderen Ende des Rangierkabels nicht möglich ist, kann ein hochverfügbarer und dynamisch anpassbarer RZ-Betrieb eines Netzwerkes aus Sicht des Autors kaum möglich gemacht werden. Im Tertiärbereich mag darauf noch verzichtet werden können, gerade im Umfeld von geringen Umzügen, aber im RZ kaum.

Defizite von tabellarischen Dokumentationen

In der Praxis läuft ein einfaches Change Management darauf heraus, dass die Patchbeauftragten einen Ausdruck der Rangierliste mit in den Verteiler nehmen, Änderungen durchführen und diese handschriftlich nachtragen, um sie später dann wieder digital zu übernehmen (entweder als EXCEL-Tabelle auf einem Server oder in einem Dokumentationssystem), diese Verfahrensweise wird häufig auch als „reaktive“ Dokumentation bezeichnet. Das erste Problem liegt in dem zeitlichen Verzug und der damit verbundenen Gefahr, dass die Übernahme zu spät (oder gar nicht) erfolgt. Eine – wenn auch eher selten angetroffene – optimierte Version sieht vor, dass bereits vor Ort mit Hilfe eines Notebooks (oder Tablets) direkt die Aktualisierung übernommen wird. Leistungsfähige Dokumentationssysteme (Produkte wären z.B. AixBoms oder Command) bieten eine „proaktive“ Dokumentation, dabei wird bereits die Änderungsanweisung im System so erzeugt, dass nach der durchgeführten Patchung nur noch eine Bestätigung durch den Patchbeauftragten erfolgen muss und damit eine höhere Aktualität gewährleistet werden kann.

Ein zweites Problem ist gegeben, wenn kein Dokumentationssystem genutzt wird: Wie lassen sich die getätigten Einträge gerade in einem größeren Umfeld durch Suchmechanismen finden. Beispiel: Am Switch-Port xyz wird eine permanente Fehlerrate angezeigt und es ist schnell herauszufinden, mit welchem Endgerät dieser Port verbunden ist. Der Switch-Port stellt also den Suchparameter dar und in möglicherweise sehr vielen Listen muss dann über diesen Parameter gesucht werden. In Projekten mit durchaus sehr hoher Anzahl von erfassten Patchungen, auch mit einer sehr großen Anzahl von EXCEL-Tabellen konnte man mit den einfachen Windows-Suchmechanismen erstaunlicherweise sehr gut und sehr schnell auch konkrete Zeichenketten in diesen Tabellen suchen lassen.

Ein Vorteil der sehr einfachen Dokumentation mit EXCEL-Listen besteht darin,

  • dass die dazu notwendigen Voraussetzungen im Prinzip bei jedem vorhanden sind,
  • dass sich die zu jeder Rangierung gewünschten zusätzlichen Attribute beliebig und einfach erweitern lassen (z.B. Materialeigenschaften des Permanent Links, Zuordnung von Switch-typischen Eigenschaften wie z.B. VLAN-Zugehörigkeiten etc.),
  • dass jeder damit ohne großartige vorausgehende Schulung umgehen kann,
  • dass die Möglichkeiten zur Sicherung der Informationen wie bei jedem Datei-basierenden System sehr einfach sind.

Viel mehr als die oben beschriebene Erfassung des Ende-zu-Ende-Links ist aber auch nicht möglich, da bieten Infrastruktur-Management-Systeme deutlich mehr.

Sonderfall DCIM

In Zusammenhang mit der Betrachtung der Infrastruktur in Rechenzentren ist derzeit ein Begriff „in aller Munde“, Data Center Infrastructure Management (DCIM). Wie steht dieser Begriff im Zusammenhang mit dem Thema des Artikels? Damit die Kernaufgabe eines Rechenzentrums wie z.B. das Speichern von Daten oder der Zugriff auf zentrale organisierte datenbasierende Prozesse möglich ist, muss ein Rechenzentrum mit unterschiedlichen Infrastrukturen ausgestattet sind. Dies sind grob unterteilt gebäude- und raumbezogene Infrastrukturen (Stromversorgung, Zutrittsschutz, Klimatisierung etc.) und Kommunikationsinfrastrukturen wie die Verkabelung oder auch das Netzwerk. In allen Fällen erfolgt nach der Erstinstallation und Abnahme in der Regel die Übergabe einer Dokumentation, im Baugeschäft auch häufig Revisionsdokumentation genannt. Viele dieser Infrastrukturen stellen komplexe technische Anlagen dar, die sich im Laufe des Betriebs mit Hilfe von eigenen Regelungstechniken den im RZ stattfindenden Änderungen anpassen (automatisch oder manuell). Die dazu notwendigen Eingangsparameter und von der Anlage neu eingestellten Ausgangsparameter lassen sich mit anlagenspezifischen softwarebasierenden Management-Oberflächen überwachen.

Im Rahmen von DCIM wird das Ziel verfolgt, diese unterschiedlichen Oberflächen (und auch Prozesse) zu vereinheitlichen. Umfangreiche DCIM-Management-Lösungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie möglichst viele Infrastrukturelemente eines Rechenzentrums möglichst komfortabel und effektiv integrieren können. Bei den „klassischen“ Techniken (Z.B. Kühlung) darf man davon ausgehen, dass die vom Anlagenhersteller angebotenen Möglichkeiten erstens grundsätzlich verfügbar sind und zweitens sehr ausgereift sind. Dies ist bei dem Infrastrukturelement Verkabelung für die allermeisten Verkabelungssysteme so nicht gegeben, es gibt keine Regelungstechniken oder Sensoriken, die eine erfolgte Änderung eines Zustands (z.B. von Patchungen) oder gar eine per Software gesteuerte Änderungsanweisung möglich macht. Hier kommt meistens die klassische Lösung zum Einsatz: Änderungen werden über eine einfache Dokumentation („händisch“) erfasst und das Change Management erfolgt ebenfalls manuell über eine Änderung der bis dahin existierenden Dokumentation; entweder als Anweisung oder wieder als Revision einer existierenden Dokumentation. Genau an dieser Stelle sehen die Anbieter von automatisierten Rangierdokumentationen ihren Anteil an DCIM, sinngemäß „weg von der händischen Dokumentation“.

Automatisierte Rangierdokumentation

Das Grundprinzip bei automatisierten Rangierdokumentationen liegt darin, dass ein manuelles Nachführen von durchgeführten Patchaufträgen bzw. den damit verbundenen Erfassungen der Ende-zu-Ende-Verbindung nicht notwendig ist, diese Erfassung erfolgt automatisch im Rahmen der durchgeführten Rangierung. Bereits der Auftrag selber wird dem durchführenden Techniker vor Ort nicht über eine einfache Liste, ausgedruckten Schaltauftrag o.ä. übergeben, sondern sie kann visuell mit Leuchtelementen vor Ort (in der Regel über eine LED am Rangierfeld) vermittelt werden.

Dies setzt in der Regel folgende Elemente voraus:

  • Spezielle Rangierfelder oder Zusatzeinheiten, die eine Sensorik haben zur Erfassung der Patchungen („intelligente Rangierfelder“) plus einer LED-Signalisierung zur Anzeige von Porteigenschaften.
  • Patchschnüre mit zusätzlichen Elementen an den Steckern zur Kennzeichnung dieser Kabelenden mit Zusatzinformationen (z.B. RFID oder Chips).
  • 19“-Steuerungseinheiten, auf welche die Rangierfeld-Sensorik aufgeschaltet wird und welche dann über das Netzwerk gemanaged wird (in der Regel mit einem RJ45-LAN-Anschluss).
  • Eine Hardware inklusive Datenbank-Bausteine und herstellerspezifischer Software zur Überwachung der Steuerungseinheiten.

Diese Elemente ermöglichen dann

  • eine automatische Dokumentation und Überwachung des Netzes auf Layer 1 (nicht vollständig, da z.B. Ethernet-spezifische Informationen des Layer 1 nicht erfasst werden),
  • eine automatisierte Anzeige bei Änderungen und Einleitung von Reaktionen,
  • eine Steuerung/Optimierung des Arbeitsflusses.

Je nach Hersteller-Lösung können zu dem dokumentierten Link auch verkabelungsspezifische Informationen hinterlegt werden wie z.B. Leitungslänge, übertragungsspezifische Eigenschaften des Permanent- und Channel-Links, welche dem Nutzer des Links eine Beurteilung der Qualität z.B. im Rahmen einer geplanten 10-Gigabit-Nutzung möglich macht.

Alle Systeme setzen voraus, dass genau nur die vom Hersteller hierfür vorgesehenen Rangierfelder und Patchschnüre eingesetzt werden, andere Hersteller können möglicherweise nicht mehr zum Einsatz kommen. Damit werden alle sonst bei einem Verkabelungssystem wichtigen Eigenschaften wie Übertragungsqualitäten, Montagefreundlichkeit, Robustheit o.ä. völlig der automatischen Dokumentation untergeordnet. Wohlgemerkt, es bedeutet nicht, dass die nachfolgend beschriebenen Systeme in diesen Punkten nicht ebenfalls hochqualitativ sind.

Keines der Systeme präsentiert eine Lösung zur Erfassung von Aufschaltungen in einer Dose oder in einem weit vom Verteiler entfernt stehenden Endgerät. Damit wird der Einsatzschwerpunkt deutlich: das Rechenzentrum. Im Übrigen fokussieren sich die Internet-Informationen der Firmen auch sehr deutlich auf diesen Bereich, insbesondere die Bedeutung dieser Technik für ein vollständiges Data Center Infrastructure Management (DCIM) wird verstärkt betont.

Bedingt durch die Nutzung von SNMP als Übertragungsprotokoll für die aus dem Rangierfeld bzw. Controller ausgelesenen Informationen lassen sich diese auch sehr einfach in AIM-Systeme (Automated Infrastructure Management) wie z.B. den bereits erwähnten System AixBoms oder Command übernehmen und verarbeiten.

Die Auswahl an Systemen zur automatisierten Rangierdokumentation ist nicht besonders groß, eine Markpräsenz im deutschen Raum haben zwei Systeme, das FuturePatch-System von TKM und Quareo von TE. Auf einen Vergleich der unterschiedlichen Möglichkeiten zur Auswertung der Informationen durch die verschiedenen Management-Platformen der Hersteller selber wird im Artikel nicht eingegangen. Eine sehr ausführliche Beschreibung der Systeme ist der Tabelle im Artikel zu entnehmen. (siehe Tabelle am Ende des Artikels)

FuturePatch

Bei FuturePatch gibt es immer eine eigenständige 19“-Controller-Einheit Rack Control Unit (RCU) und je nach Kabeltechnik unterschiedliche 19“-Panel Control Units (PCU), sprich Rangierfelder, die auf die RCU aufgeschaltet werden müssen (bis zu 40 Stück pro RCU). Diese dienen sowohl der Erkennung von gepatchten Anschlüssen wie auch der visuellen Anzeige von Informationen (z.B. wohin zu patchen ist). Folgende Typen können derzeit angeboten werden:

  • RJ45 Panel 24 – mit Cat6 und Cat6A – 1HE
  • FO LCdx 24 – Fasertyp nach Wunsch – 1HE
  • FO SCdx 24 – Fasertyp nach Wunsch – 1HE

Die „Patchkabel-Erkennung“ erfolgt mit Hilfe eines RFID, der es möglich macht dem Patchkabel neben der eindeutigen ID auch Zusatzinformationen zuzuweisen. Dieser RFID ist als sehr kleines Zusatzelement sichtbar (siehe Abbildungen 6 und 7) und soll nach Herstellerangaben auch an Patchkabel von Drittherstellern angebracht werden können. Dem Foto mit einem RFID an einem LC-Duplex ist zu entnehmen, dass der Duplex-Clip den RFID beinhaltet, damit kann vermutlich auch eine Drehung von Tr/Rc ohne Probleme durchgeführt werden (siehe Unterschied zum Lösungsansatz von TE). Ein Angebot von MPO mit RFID-Tags ist in den allgemeinen Publikationen des Herstellers nicht erkennbar.

Quareo

TE Connecitivity bietet zwei Systeme an, das ältere Quareo AMPTRAC und das neuere Quareo CPID. Das ältere System arbeitet mit speziellen Sensorstreifen, die entweder bereits an Rangierfeldern des Herstellers TE angebracht sind oder nachträglich – je nach vorhandenem Platz – auch auf Rangierfelder von Drittherstellern (oder aktiven Systemen) angebracht werden können. Diese Sensorelemente werden mit einem zentralen AMPTRAC Analyzer verbunden, welcher wiederum über ein Netzwerk überwacht werden kann. Spezielle Patchkabel haben einen zusätzlichen Leiter im Kabelmantel (!) und an jedem Ende einen Sensorstift, der bei eingestecktem Zustand eine zusätzliche ohmsche Verbindung zu den Sensorfeldern bewirkt. Damit kann erfasst werden, welcher Port belegt ist und wo das andere Ende aufgeschaltet ist.

Das neuere System Quareo CPID besitzt im Prinzip drei unterschiedliche (intelligente) Rangierfeldeinheiten, eins für RJ45 mit der Bezeichnung Q2000 (in zwei Größen) und zwei für Glasfaser, jeweils der Typ Q4000 und QHDEP. QHDEP ist ein High-Density-Feld, beide sind modular aufgebaute Rangierfelder. Die RJ45-Qualität beim Q2000 erlaubt eine Übertragung von 10 Gigabit über UTP/STP nach TIA-Standard, im Glasfaserbereich gibt es sowohl LC-Rangierfelder (bzw. Module) als auch MPO-Module, damit wird eine Übertragungsrate bis inklusive 100 Gbit/s sichergestellt. LC/MPO-Hydra-Kabel ergänzen das Portfolio, so dass die im MPO-Bereich notwendigen Adaptierungen möglich sind. Module mit anderen Steckertypen wie z.B. SC oder E2000 sind als Standard-Produkt auch hier nicht erkennbar.

Im Unterschied zum FuturePatch oder AMPTRAC gibt es keinen separaten zentralen Controller, sondern jeder Rangierfeldtyp erhält einen eigenen aufsteckbaren Controller, eine Kompatibilität der Controller zwischen den Rangierfeldtypen ist aber nicht gegeben (also gibt es bei drei Rangierfeldtypen drei unterschiedliche Controller). Der Controller und damit auch das Rangierfeld wird über einen PoE-LAN-Port mit Strom (IEEE 802.3af) und Daten (10/100 Mbit/s) versorgt, bei fehlendem PoE können separate Netzteile für den QHDEP eingesetzt werden. Bei Verwendung dieser Technik im Rechenzentrum ist also auch Switch-Technologie mit PoE notwendig (was nicht selbstverständlich sein muss). Der Controller wird von hinten auf das Rangierfeld aufgesteckt, was eine rückseitige Zugänglichkeit voraussetzt aber den Vorteil mit sich bringt, keine zusätzlichen HE im Schrank zu belegen.

An den Rangierfeldern befinden sich ebenfalls LEDs zur Kennzeichnung von verschiedenen Stati.

Die Patchkabel sind bei der neueren Lösung mit Hilfe von speziellen Mini-Chips „Connection Point Identification“ (CPID) gekennzeichnet, diese fallen in der Größe etwas kleiner aus als RFIDs (siehe Abbildungen 9 und 10). Auffallend in der Abbildung für den LC-Duplex ist, dass nur einer der beiden Stecker mit diesem CPID ausgestattet ist. Da möglicherweise dies bei einem manuellen Drehen des Anschlusses zu Schwierigkeiten bei der Erkennung geführt hat, sind im TE-Portfolio Patchschnüre mit unterschiedlicher Polarität zu finden. Dies erschwert aus Sicht des Autors etwas die Handhabung. Es gibt keinerlei Hinweis bei TE, dass Patchschnüre von Drittanbietern mit dieser Technik nachträglich gekennzeichnet werden können.

Fazit

Die größte zu überwindende Hürde zum Einsatz von automatischer Rangierdokumentation ist die Bereitschaft nach einer herstellerabhängigen Verkabelung, deren mittel- und langfristige mechanische und übertragungstechnischen Qualitäten von den Herstellern noch unter Beweis zu stellen sind. Herstellerneutrale Zertifizierungen wie z.B. im Rahmen des PVP-Programms sind noch eher selten zu finden und es bleibt die Unsicherheit, ob diese speziellen Verkabelungssysteme tatsächlich in der gleichen Qualität zur Verfügung stehen wie die High-Tec-Systeme der selben Hersteller. Auch bleibt die Sensorik an den aktiven Komponenten eine aus Sicht des Autors „unklare“ Lösung, mit welchem Hersteller von aktiven Komponenten lässt sich mit welchen „Klimmzügen“ ein gesteckter Port erfassen (Klebestreifen, Zwischenrangierfelder oder ….). Ein Mix-and-Match zwischen verschiedenen Herstellern – selbst zwischen verschiedenen Systemen des selben Herstellers – kann fast völlig ausgeschlossen werden. Damit entzieht man sich der Möglichkeit, auf sich verändernde Anforderungen an die Verkabelung durch sukzessive Implementierung von neuen Lösungen zu reagieren. Ein gutes Beispiel dafür wäre ein erzwungener Technologiewechsel bei 40- und 100 Gbit/s über Ethernet oder die sich abzeichnende Einführung von 40 Gbit/s über Kupfer, wie werden solche Systeme damit umgehen (oder sind damit umgegangen).

Eine Nutzbarkeit der Lösungen für eine vollständige Erfassung eines rangierten Links im Tertiärbereich ist nicht erkennbar, der Einsatzschwerpunkt bleibt auf den Verteilerschrank beschränkt.

Falls eine Bereitschaft zum Einsatz dieser proprietären Verkabelungstechnologien im Rechenzentrum gegeben ist, muss im nächsten Schritt festgelegt werden, ob die auszuwählende Dokumentationslösung, z.B. im Rahmen von DCIM, ein weiterer Bestandteil einer übergeordneten AIM-Lösung werden soll. Die möglichen Schnittstellen bzw. Integrationsmöglichkeiten sind zu analysieren (Aussage eines Anbieters von AIM: dank SNMP sollte die Integration technisch kein Problem sein). Einfacher wird es, wenn die Hersteller-Lösung eine autarke Lösung bleibt und die vom Hersteller geschaffenen Möglichkeiten der Management-Plattform ausreichend sind.

Eine Abschätzung des Mehrwertes von Rangierfeldern mit automatischer Erfassung der Rangierungen im Vergleich zur erwartenden Herstellerabhängigkeit sollte sorgfältig gemacht werden, denn die Bindung an einen Verkabelungs-Hersteller bzw. an eine spezielle Lösung kann insbesondere im Rechenzentrum auch in eine Sackgasse führen.

Nummerierung von Rangier- oder Anschlussschnüren

Die Berücksichtigung der Anschlussschnüre in einem Numerierungsschema wird sehr unterschiedlich gehandhabt. Eine Schnur erfüllt eine ganz wesentliche Rahmenbedingung nicht, sie befindet sich nicht permanent an ein und demselben Ort. In vielen Netzen geht man damit auf zwei Arten um:

  • Die Schnüre werden überhaupt nicht beschriftet bzw. nummeriert.
  • Die Schnüre werden mit einer Nummerierung versehen, die passend zur aktuellen Patchung ist.

Die erste Methode hat den Nachteil, dass man im Betrieb entweder diszipliniert geführte und korrekte Rangierlisten führt (was den meisten Betreibern viel zu aufwendig ist) oder man durch Tasten/Fädeln herauszufinden versucht, welcher Port womit verbunden ist. Für den Fall, dass man sich beim Fädeln „vergreift“, würden daraus ganz falsche Folgehandlungen resultieren. Je länger die Schnur ist, z.B. im Falle einer Rangierung über mehrere Schränke oder durch Doppelböden hinweg, desto größer wird die Gefahr, dass man Fehler macht. Eine Kennzeichnung der Schnüre an beiden Enden kann hier Fehler vermeiden helfen.

Die zweite Methode hat zur Folge, dass man bei jeder Änderung der Rangierung bzw. Aufschaltung die Kennzeichnung an einem oder beiden Enden ändern muss. Auch das erfordert ein zeitnahes Handeln und große Disziplin. Diese Methode ist ungeeignet für Rangiertechniken im TP-Bereich bei Netzen mit häufigen Umzugsraten. Dagegen kann sie sehr wohl im relativ statischen Backbone-Bereich, also insbesondere bei LWL-Verkabelungen, benutzt werden. Eine sehr einfache Beschriftungsmethode sieht einen wesentlich einfacheren Weg vor: Schnüre jeder Art werden an beiden Enden mit einfachen durchlaufenden Nummern beschriftet (mindestens 4-stellig), die unbedingt innerhalb des Technikraumes eindeutig sein sollten. Daher ist beim Kauf der Schnüre darauf zu achten, dass der Lieferant die Schnüre beidseitig mit einem vorgegebenen Nummernbereich versieht.

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