Strukturwandel / Technologiewandel im RZ

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Cloud Computing ist vermutliche der größte Entwicklungsschritt in der gesamten IT seit Einführung des PCs – und Cloud Computing hat auch das Potenzial zu einem tiefgreifenden Strukturwandel in unseren Rechenzentren. Trotzdem ist vielen Führungskräften und Entscheidungsträgern die Reichweite und die Geschwindigkeit, mit der diese Welle auf uns zu rollt, nicht klar.

Zugegeben, noch sind die Auswirkungen in den Unternehmensnetzen moderat und mit dem, was in den Rechenzentren passieren kann, stehen wir noch sehr am Anfang , aber wesentliche Grundzüge zeichnen sich immer klarer ab.

Dabei müssen, wie immer bei technischen Fortschritten, sowohl technische als auch finanzielle Aspekte betrachtet werden.

Bislang stehen im Wesentlichen technische Aspekte im Vordergrund. Das ist aus IT-Sicht durchaus zu begrüßen, schließlich bedeutet Cloud Computing deutliche Eingriffe nicht nur im RZ-Betrieb sondern in nahezu alle IT-relevanten Arbeitsabläufe. Auf der anderen Seite ist diese Beschränkung auf technische Aspekte gerade im RZ-Bereich auch sehr bequem (und damit sehr gefährlich), gestattet diese Diskussion doch den Eindruck, man könne mit rein technischen (Gegen-)Argumenten die Entwicklung aufhalten oder gar wegdiskutieren.

Das ist ein riesiger Irrtum.

Cloud Computing ist keine Entwicklung, die Ihren Ursprung in betrieblichen Optimierungserwägungen im Rechenzentrum hat und von dort in die Abteilungen getragen werden müsste. Tatsächlich ist es umgekehrt:

  • Mobile Endgeräte haben das Verhalten von Endbenutzern im privaten Computer-Umfeld grundlegend verändert und die hieraus abgeleiteten Erwartungen werden derzeit in die Unternehmen getragen und auf betriebliche IT-Abläufe und herrschende Arbeitsbedingungen übertragen.
  • Gleichzeitig mit dem Siegeszug der mobilen Endgeräte hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Anwendungen auf und für mobile Endgeräte grundlegend anders sein müssen. Das fängt bei der Bediensystematik mit kleinem Display und Touch-Screen ohne Maus an, berücksichtigt die Tatsache, dass lokale Ressourcen knapp sind und endet mit dem Umstand, dass mobile Apps mit unzuverlässiger Netzwerkanbindung, schwankenden Bandbreiten, hohen Laufzeiten, wechselnden IP-Adressen und ähnlichem zurechtkommen müssen.

Die hierzu nötigen Entwicklungsumgebungen und Laufzeitumgebungen werden mittlerweile von den Providern zur Verfügung gestellt.

Innerhalb der IT-Abteilungen herrscht dagegen vielerorts betretenes Schweigen. Die etablierten Strukturen seien langjährig erprobt und funktionierten und schließlich habe man gerade die riesige Umwälzung IP-Telefonie mit der Integration der TK-Abteilungen zu verkraften – so lauten einige oft gehörten Argumente. Allein – das nutzt nichts. Im Gegenteil zeigen diese Ausflüchte, wie dringend flexible und dynamische Strukturen im Rechenzentrum genötigt werden.

Wie gesagt: Die Provider und die Software-Entwickler stehen in den Startlöchern, Cloud-fähige Software-Architekturen kann man mittlerweile als erprobt bezeichnen und moderne Software-Produkte werden ausgerollt, zum Teil bereits in Form von Software as a Service (SaaS). Sicherlich gibt es hier und da noch Hersteller, die mit der Umstellung ihrer Software nicht hinterherkommen. Aber schauen Sie ruhig auf die Entwicklung bei der IT-Telefonie: Da gab es lange Zeit auch Hersteller, die noch unbedingt Tischtelefone bauen und zu horrenden Preisen vertreiben wollten.

Wenn sich die IT-Abteilungen und allen voran die RZ-Betreiber nicht bewegen, befürchte ich, dass die Entscheidung über das Geld kommt. Mit IaaS (Infrastructure as a Service) lassen sich RZ-Infrastrukturen recht problemlos auslagern, die Angebotsvielfalt in diesem Bereich ist riesig. Und mit SaaS entfallen noch einmal eine ganze Reihe klassischer IT-Aufgaben, in Kombination mit dem Betrieb in einer Public Cloud sogar die Infrastruktur und das Know-How zum Betrieb der Anwendung.

Es ist also höchste Zeit, sich klar zu positionieren und, wenn man den Weg zu mobilen, Cloud-fähigen Anwendungen denn beschreiten möchte, die Voraussetzungen für eine Public bzw. Hybrid Cloud im Unternehmen zu schaffen.

Unmöglich ist das nicht, aber wenn erst über die finanziellen Aspekte gesprochen wird, steht die Technik schnell im Regen.

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