Das ewige Dilemma: Architekten planen ungeeignete IT-Verteilerräume

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Die richtige Planung eines Technikraumes in einem Neubau, der zur Unterbringung von passiven und insbesondere aktiven Komponenten der IT-Kommunikation genutzt werden kann und dauerhaft den Betrieb des Netzwerkes einfach gestaltet, beginnt in einer sehr frühen Phase, häufig bereits bevor die den Raum nutzende IT-Abteilung intensiv in die Planung der passiven IT-Infrastruktur involviert wird. Denn eine ganze entscheidende Prägung der Nutzungsqualität entsteht durch die Planung des Architekten, gerade bei der Festlegung der Lage und der Größe des Technikraumes. Viele Erfahrungen aus unterschiedlichen Projekten zeigen, dass teilweise absurde Vorstellungen der beim Architekten mit der Grundrissplanung beauftragten Planer zur Art der Nutzung der IT-Technikräume oder der notwendigen Ausbaubarkeit herrschen. Werden diesbezügliche Fehler durch die IT-Abteilung frühzeitig entdeckt, dann können gegebenenfalls Änderungen an der Grundrissplanung vorgenommen werden. Häufig erlebt der Autor, dass den IT-Abteilungen IT-Technikräume „vorgesetzt“ werden, die eine einfache Nutzbarkeit und vor allem ein fehlerfreies Arbeiten in den Räumen unmöglich macht. Die langfristige Konsequenz wird sein, dass z.B. ein schneller Austausch von defekten Komponenten oder eine Erweiterung durch neue Komponenten unmöglich wird.

Im nachfolgenden Artikel beschreibt der Autor die drei seiner Erfahrung nach schlimmsten „Sünden“, die bei der Planung eines IT-Technikraumes in Zusammenhang mit der seitens Architekten erbrachten Vorplanung gemacht werden.

Lage des IT-Technikraumes
Die EN 50173-1 definiert drei Arten von Verteilerpunkten (Achtung, nicht von Verteilerräumen), den Standortverteiler (SV), der Gebäudeverteiler (GV) und den Etagenverteiler (EV). Da der Standortverteiler in der Regel auch der Übergabepunkt an das Provider-Netz darstellt, ist die Wichtigkeit dieses Raumes häufig jedem bewusst. Der Verteiler wird zumeist in den Untergeschossen in Nähe zum sogenannten – meist passiven – Hausübergabepunkt in einem eigenständigen und adäquat großen Raum untergebracht; eine Fehlplanung ist selten.

Anders dagegen sieht es beim Gebäudeverteiler aus, dieser Punkt verbindet die Etagenverteiler miteinander und nimmt die Glasfaserverkabelung inklusive der Backbone-Switches auf. Aus volumentechnischer Sicht in vielen Gebäuden kein Problem (wenige Rangierfelder), dies führt aber genau dazu, dass die Funktion des GVs in andere Technikbereiche- oder Räume integriert wird. Ein beliebter Raum ist das Rechenzentrum, genauer gesagt der Computer- oder Server-Raum des Rechenzentrums. Dieser hat eine ausgezeichnete Infrastruktur (hochverfügbare Stromversorgung, Klimatisierung, ausgezeichnete Zugangskontroll-Technologien etc.) und ist damit prädestiniert zur Aufnahme der GV-Funktionalität. Der rein technischen Betrachtung ist nichts entgegenzusetzen, allerdings zeigen immer mehr IT-Umgebungen, dass eine strikte Trennung der Funktionen „Netzwerk-Betrieb“ und „Rechenzentrums-Betrieb“ gewünscht wird und zu einer Trennung der räumlichen Funktionen führen muss. Der GV stellt ein Element der Gebäudeinfrastruktur, genau wie ein Elektrounterverteiler oder wie eine Belüftungszentrale, er hat somit im RZ nichts verloren.

Sofern eine separater GV geplant wird, ist die Lage unkritisch, sie richtet sich insbesondere nach dem Umfang der unterzubringenden aktiven Komponenten und der Anzahl der vom GV ausgehenden Kabel der Sekundärverkabelung, je näher zum Steigschacht umso besser.
Bezüglich der Lage des Raumes ist auch der Etagenverteiler relativ unproblematisch, selten führt eine ungünstige Lage zu Schwierigkeiten bei der Planung der Tertiärverkabelung. Der Architekt wird selber ein Interesse daran haben, den Raum möglichst nahe an die Bereiche mit zentralen Kabelführungssystemen wie z.B. Steigschacht oder Trassierungen zu bringen und damit Nachverkabelungen einfach zu machen.

Natürlich gilt die bereits beim GV gemachte Aussage: Eine EV hat nichts in einem Server-Raum verloren. Dies gilt noch viel mehr unter dem Aspekt, dass bei einer ausgereiften RZ-Planung der Server-Raum häufig in eine höhere elektrotechnische Störschutzzone eingestuft wird als die um den Server-Raum herum befindlichen Räume, damit muss jedes in den Server-Raum führende kupferbasierende Kabel mit Überspannungsschutzelemente abgesichert werden.

Die Kombination der Funktion Etagenverteiler und Elektrounterverteiler (oder gar Niederspannungshauptverteiler) ist als sehr ungünstig anzusehen. Häufig ist der Zutritt zu derartigen Elektrotechnik-Räumlichkeiten speziell ausgebildetem Personal aus dem Elektrohandwerk vorbehalten bei der eine Zutrittsverweigerung für das IT-Team gilt bzw. dieses Team keine Schlüsselgewalt über die Räumlichkeit hat.

Größe des IT-Technikraumes
Das deutlich größere Problem liegt bei der Festlegung der Raumgröße, insbesondere bei einem Raum, der als Etagenverteiler genutzt werden soll. Es ist zum Teil kaum vorstellbar, was den IT-Abteilungen im Rahmen eines Neubaus an Etagenverteiler angeboten wird, die Wichtigkeit dieser Räume ist bei manchen Architekten bis heute noch nicht angekommen.

Verteilerräume müssen – eigentlich eine Selbstverständlichkeit – begehbar und die dort aufgestellten Verteilerschränke oder Verteilerrahmen von der Frontseite und einer weiteren Seite frei zugänglich sein; ein Zugang von hinten ist sehr begrüßenswert, ist aber bei fehlenden Möglichkeiten durchaus durch einen seitlichen Zugang ersetzbar. Die von den Schrankherstellern angebotenen Schwenk- oder Ausziehrahmen sollten nur im alleräußersten Notfall in Betracht gezogen werden. Die Erfahrungen mit diesen beweglichen Rahmen sind als überwiegend sehr negativ einzustufen, ein voll bestückter Schwenkrahmen lässt sich nicht mehr schwenken! Eine besondere Situation entsteht bei Schrankreihen mit mehr als zwei Schränken, in diesem Fall würde der mittlere Schrank niemals von der Seite aus erreichbar sein, der rückseitige Zugang ist jedoch unbedingt notwendig. Zwei Beispiele dafür:

  • Viele „modernere“ Switches besitzen Anschlüsse im vorderen und hinteren Bereich, die zugänglich sein müssen.
  • Zu modularen Switch-Systemen, die z.B. eine hohe Anzahl an Ports mit PowerOverEthernet haben, gehören zwangsläufig mehrere Netzteile hinzu, was das Gewicht so erhöht, dass eine Montage nur möglich ist, wenn der rückwärtige Zugang für eine zweite Person gewährleistet ist.

Ein typischer Fehler bei der Planung besteht darin, dass die Möglichkeit einer Erweiterung von zwei Schränken um weitere Schränke nicht in Betracht gezogen wird und man sich durch eine unglückliche Positionierung der Schränke die Anreihung eines dritten Schrankes unter Beibehaltung der vollen Zugänglichkeit der vorhandenen Schränke versperrt.

Für die Ermittlung der erforderlichen Raumgröße ist zunächst die Zahl der Verteilerschränke bzw. Rahmen zu kalkulieren. In Abhängigkeit davon wird die Größe eines Technikraumes bestimmt. Eine Einbeziehung der Fachplanung für die Tertiärverkabelung sowie, das ist besonders wichtig, auch der IT-Abteilung ist zwingend notwendig. Denn nur die IT-Abteilung kann Auskunft darüber geben, welche aktiven Systeme geplant sind und wie der Zugang zu diesen gewährleistet werden muss.

Soll im geplanten Raum neben der Funktion Etagenverteiler auch die Funktion Gebäudeverteiler vorgesehen werden (was im Übrigen völlig normkonform ist), so erhöht sich möglicherweise die Anzahl von Schränken.

Die insgesamt erforderliche Größe eines Technikraums ist also wesentlich abhängig von der Anzahl der dort aufzustellenden Verteilerschränke (wichtig: genügend Raum zur Öffnung der Schranktüren, Beachtung des Türanschlages unter dem Aspekt des schnellstmöglichen, fluchtartigen Verlassens des Raumes).

Höhe des IT-Raumes
Die Raumhöhe wird bei einem Neubau in einem erheblichen Maße vom Architekten vorgegeben, häufig bevor die IT-Abteilung in der Planung mitwirken kann. Im Prinzip ist die entsprechende Planung unproblematisch, wenn man folgende Aspekte berücksichtigt:

  • Die nutzbare Höhe der Verteilerschränke hat sich in den letzten Jahren geändet, gerade wenn wenig Stellfläche vorhanden ist. Wurden vor 15 bis 20 Jahren noch bevorzugt Schränke mit ca. 40 HE geplant, so geht der Trend hin zu Schränken mit 47 HE oder mehr. Dies bedeutet, dass die Raumhöhe für ca. 30 cm mehr Schrankhöhe geeignet sein muss.
  • Die Nutzung des Doppelbodens zur Kabelführung ist nicht mehr unumstritten, gerade bei geringer Höhe oder verstärkten Rangierungen außerhalb der IT-Schränke bieten sich Kabelführungssysteme im Deckenbereich an.
  • Neben optionalen Kabelführungssystemen oberhalb der Schränke kommen sehr häufig weitere Infrastrukturelemente wie Rauchansaugsysteme, Klimageräte oder ähnliches hinzu, auch diese beeinflussen die für den Schrank nutzbare Raumhöhe.

Eine gut nutzbare Orientierungshilfe bei der Planung von IT-Räumen, gerade in Zusammenhang mit den architektonischen Vorgaben, stellt die EN 50174-2 dar. Sie gibt z.B. als Regel vor, dass die Schrankhöhe maximal 75% der lichten Höhe zwischen Boden, auf dem der Schrank steht, und den Überkopfbauten haben darf. Dies bedeutet bei einem Schrank mit einer Gehäusehöhe von ca. 2200 mm, dass diese lichte Höhe mindestens 2900 mm betragen muss, dieses wäre also durch die IT-Abteilung einzufordern.

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3 Kommentare zu "Das ewige Dilemma: Architekten planen ungeeignete IT-Verteilerräume":

  1. Röhle, Gerd schreibt:

    ZITAT aus der Mail:
    …Auch im Jahr 2014, in dem die Wichtigkeit des Netzwerkes allseits bekannt sein sollte und entsprechende Normen vorhanden sind, werden weiterhin grobe Planungsfehler vorgenommen…
    => Wem sagen Sie das!
    => Da kann man nur hoffen, dass es irgendwann mal keine Technikräume in der „Besenkammer“ mehr gibt und die Architekten auch mal mit Konsequenzen rechnen müssen!!!

  2. Andreas Horn schreibt:

    Ich weiss aus Erfahrung, dass folgende Aussage häufig nicht stimmt::

    Bezüglich der Lage des Raumes ist auch der Etagenverteiler relativ unproblematisch, selten führt eine ungünstige Lage zu Schwierigkeiten bei der Planung der Tertiärverkabelung. Der Architekt wird selber ein Interesse daran haben, den Raum möglichst nahe an die Bereiche mit zentralen Kabelführungssystemen wie z.B. Steigschacht oder Trassierungen zu bringen und damit Nachverkabelungen einfach zu machen.

    Ein EV schlimmsten Falles in einer Gebäudeecke ist z.B. sehr unglücklich, da außerhalb des Gebäudes selten IT-Verkabelung gebraucht wird. Auf diese Weise kann dann auch nur eine kleinere Fläche wegen der Längenbeschränkung 90m permanent link von diesem EV aus abgedeckt werden. Eine relativ zentrale Lage für den EV ist immer erstrebenswert. Im Zweifelsfall können auch Trassen und Steigeschächte an dieses Bedürfnis angepasst werden.

  3. Sascha Zumbusch schreibt:

    Selbst in dem Musterplan kann ich eine Schwäche entdecken:

    der bei geöffneten Türen verbleibende Platz zur Wand ist nicht ausreichend, um bestehende Regeln bezüglich Fluchtwegen einzuhalten. Diese werden im öffentlich rechtlichen Bereich meist eingehalten.
    Schränke mit vertikal geteilten Türen helfen manchmal, aber nicht immer…..

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