Unified Communications – stellt Anforderungen an das Netz

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Teil 3 von 4 aus der Serie "Unified Communications"

Stellt Unified Communications Anforderungen an das Netz? Eine Frage, die sich in jedem UC-Projekt stellt. Die Antworten darauf können sehr unterschiedlich ausfallen. Natürlich stellt UC Anforderungen an das Netz. Zumindest die, dass die Signalisierungen und Inhalte in der vom Nutzer erwarteten Güte und Sicherheit (Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit) über das Netz transportiert werden. Wenn man jetzt noch in Betracht zieht, dass der Grad unserer „Vernetztheit“ mit immer mehr Komponenten und vor allem mit immer mehr multimedialen UC-Applikationen dramatisch steigt und die Mobilität der Nutzer, Geräte und Applikationen (Virtualisierung) ständig zunimmt, dann dürfte die Antwort auf die obige Frage nach den Anforderungen an das Netz deutlich an Klarheit gewinnen.

Eine Straße kann noch so breit sein: Wenn es ein erhöhtes Verkehrsaufkommen gibt (z.B. weil es regnet und alle lieber mit dem Auto fahren als zu Fuß zu gehen), wenn Schwerlasttransporte unterwegs sind oder Teile der Straße wegen eines Unfalls oder für Baumaßnahmen gesperrt sind oder wenn es einfach immer mehr Verkehrsteilnehmer gibt, ist der sichere, reibungslose Verkehrsfluss gefährdet. In einem Netz ist das genauso – Bandbreite alleine reicht nicht.

JA, moderne Netze müssen in der Lage sein, diesen vielen Nutzern mit ihren vielen unterschiedlichen Geräten und noch mehr unterschiedlichen Applikationen zu jedem Zeitpunkt an jedem Ort eine sichere und qualitätsgerechte Kommunikation zu garantieren. Wann will welcher Nutzer mit welchem Gerät und welcher Anwendung wo kommunizieren? Es kann sein, dass ein Arzt mit seinem mobilen Tablet im Stationsbereich eines Krankenhauses bestimmte Anwendungen nutzen darf, jedoch in öffentlichen Bereichen oder zu bestimmten Zeiten gar nicht oder nur eingeschränkt.

JA, moderne Netze müssen in der Lage sein, sich automatisch auf die enorme Dynamik in den Kommunikationsanforderungen einzustellen, insbesondere unter dem Gesichtspunkt, dass vor allem die multimediale Kommunikation im Netzwerk eher direkt von Nutzer zu Nutzer verschaltet wird. Das bedeutet einen deutlichen Paradigmenwechsel, weg von den klassischen Client-Server-Verbindungen „Nord – Süd“, hin zu einem dramatisch steigenden „Ost-West“-Datenverkehr.

JA, moderne Netze müssen auch unter den beiden vorher genannten Aspekten noch wirtschaftlich, effizient und effektiv zu betreiben sein. Wenn jeder neue Nutzer, jedes neue Gerät, jede neue Applikation mit all ihren Eigenschaften manuell eingerichtet, administriert und gesteuert werden müssten, dann wäre das mit Sicherheit kaum sehr lange durchzuhalten.

Was also tun? Zuerst sollte man sich darüber Klarheit verschaffen, welche Kommunikations¬beziehungen im Netz durch diese neue Kommunikationsdynamik entstehen und welche Sicherheits- und Güteanforderungen sie stellen, wie z.B. geforderte Bandbreite, Verzögerungszeiten, Paketverluste, Schwankungen der Übertragungsgeschwindigkeit und Laufzeit. Wichtig ist zu wissen, wie und wodurch diese Kommunikationsbeziehungen aufgebaut, während der Kommunikation gesteuert und wieder abgebaut werden und welche Wege die Kommunikationsströme im Netz nehmen.

Dann sollte man eruieren, mittels welcher Technologien die enorme Dynamik im Netz in allen drei obigen „JA“ abgebildet wird. Regelbasierende Netze haben sich dabei am Markt durchgesetzt. Statt die einzelnen Nutzer, Geräte und Applikationen zu verwalten, wird in Regeln und Profilen administriert und betrieben.

Aber auch da gibt es massive Unterschiede. Das Anlegen solcher Regeln und Profile ist eine Sache, eine andere ist, wie das Netz selbst diese Regeln und Profile automatisch im gesamten Netz verteilt und umsetzt. Auf der Basis welcher Funktionen arbeitet das Netz – werden dynamisch ständig neue Zugangsregeln erzeugt?

Erkennt das Netz automatisch die von den Anwendern angeforderte und genutzte Applikation? Früher, als jeder Hersteller seine eigenen Protokolle verwendete, war das ausgesprochen schwierig. Im Zeitalter von SIP (Session Initiation Protocol) für die Steuerung und Übertragung multimedialer Kommunikation ist es nahezu Standard. Wenn die Standards nur wüssten, wie die Standards lauten. Leider ist durch systematische Aufweichung der SIP-Standards die Breite der Interpretationsmöglichkeiten von SIP nahezu unüberschaubar geworden. Das verringert den Grad einer echten und verlässlichen Interoperabilität zwischen den Herstellern und erhöht die Komplexität im Managen und Betreiben inhomogener Architekturen. Es braucht also Netzwerke mit einer gewissen „adaptiven Intelligenz“ – Netze, die in der Lage sind, die Applikationen und deren „Hersteller“ bzw. den Hersteller des von der Applikation genutzten Geräts zu erkennen und die Übertragungsparameter im Netz entsprechend aus- oder nachzuregeln.

Diese Netze bieten einen bestmöglichen Applikationsfluss (Application Fluency) durch netzweite intelligente, automatisch greifende Steuerfunktionen, gepaart mit schlanken Betriebseigenschaften. Selbstverständlich sollten diese Eigenschaften des Netzes sowohl für den draht-/leitungsgebundenen Teil (LAN/WAN) als auch für den drahtlosen Teil (WLAN) gelten. Die Nutzer UND die Administratoren erwarten, dass sich das Netz in ganzheitlicher Weise für sie darstellt – als Unified Network, ein Netz mit universellen, vereinheitlichten und vor allem Governance-konformen Zugängen (Unified Access) für alle von den Nutzern eingesetzten Geräte.

Wie immer im Leben gibt es mehrere Lösungen. Im Fall der besonderen Anforderungen, die Unified Communications an das Netz stellt, sind es drei: Ein komplett eigenes Netz für die UC-Dienste, … wenn man es sich leisten kann. Ein klassisches Netz mit Bandbreite bis zum Abwinken, … wenn man es sich leisten kann. Ein modernes, intelligentes und schlankes (technologisch attraktives) Netz, … weil man es sich leisten kann.

Seien Sie gespannt auf die Fortsetzung dieser Beitragsreihe und die Diskussion darüber, was UC in enger Interaktion mit Contact-Center-Lösungen bewirken kann: „Unified Communication ergänzt moderne Customer Service Center“.

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