Verändern Endgeräte unsere IT und unsere Infrastrukturen?

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Wir hatten im Rahmen der Vorbereitung des ComConsult Netzwerk-Redesign Forums eine interessante Diskussion, an der ich Sie gerne teilhaben lassen würde. Die Diskussion entstand an der Frage, wie viele Endgeräte wir in Zukunft in den Unternehmen haben werden und ob dabei mit mobilen Endgeräten neue Effizienzpotenziale angegangen werden können. Ein Problem bei der Betrachtung dieser Frage ist, dass in den letzten Jahren iPads, Smartphones und Blackberrys natürlich auch Status-Symbole waren, die dem Betrieb erheblichen Ärger verursachten ohne einen wirklichen Zugewinn zu produzieren. Dr. Kauffels sieht diese Entwicklung sehr kritisch und kritisiert diesen Trend als „Technologie als Selbstzweck“ ohne wirtschaftlichen Nutzen.

Da an der Frage mobiler Endgeräte und ihres Zugangs zum Netzwerk erhebliche Investitionen und auch weitreichende Änderungen im Betrieb hängen, will ich in diesem Geleit deshalb nur zwei Punkte unterstreichen, um zu verdeutlichen, dass hier bei allen Mode-Erscheinungen auch Potenziale und vor allem auch unvermeidbare Zwänge existieren.

An erster Stelle stehen Arbeitsprozesse, die bisher nicht sinnvoll mit IT versorgt und optimiert werden konnten. Dafür kann es eine Reihe guter Gründe gegeben haben:

  • Die Art der Arbeit gestattete keine Nutzung eines Laptops oder Desktop-PCs. Beispiele sind Arbeiten, die im Stehen ausgeführt werden oder Arbeitsplätze in Fahrzeugen, bei denen eine sichere Integration traditioneller Endgeräte nicht möglich war.
  • Die betroffenen Personen hatten ein hohes Ablehnungspotenzial gegenüber traditionellen Endgeräten und scheiterten an der Bedienung.
  • Die Art der Software, die an dem Arbeitsplatz zu einem Zugewinn geführt hätte, war einfach nicht verfügbar.

Beispiele für solche Prozesse, die nun deutlich verbessert werden können sind:

  • Krankenhäuser, in denen iPads als mobile Krankenakte mit Zugriff auf Röntgenbilder eingesetzt werden (Tablets haben zum Teil sehr hohe Auflösungen und sehr gute Bildschirme, das neue Samsung Smartphone S4 erreicht eine Auflösung von über 400 dpi)
  • Alle Vertriebsbereiche mit direkten Kundenkontakten (Autos, Immobilien, Banken, Versicherungen, …)
  • Logistikbereiche auf Flughäfen und bei Speditionen, Integration von Tablets in Transportfahrzeuge
  • Produktionsbereich mit Zugriff auf Detailzeichnungen, Produktionsplanung, …
  • Bauindustrie, Abnahmeprozesse
  • Außendienst von Behörden oder allgemein fast jeder Außendienstbereich
  • Sachverständige
  • Bildungswesen vom Kindergarten bis zur Hochschule (ja, es gibt die ersten Tablet-Einsatzformen im Kindergarten)

Die Liste ist fast beliebig lang. Besonders verblüffend ist der Aspekt der Akzeptanz bei Personen, die sich bisher bei der PC-Nutzung schwer getan haben. Gestensteuerung und darauf optimierte Apps schaffen eindeutig neue Potenziale.


Die Frage des Wirtschaftlichkeits-Nachweises ist für die genannten Prozesse ohne Probleme positiv zu beantworten. Die neue Bediensystematik bringt erhebliche Einsparungen im Bereich Schulung. Die meisten neuen Apps erfordern keine Schulung mehr, selbst wenn sie komplexe Sachverhalte umsetzen. Daran stirbt auch über kurz oder lang UC.

Was passiert aber an unseren bisherigen “normalen” Arbeitsplätzen? Mein eigener Arbeitsplatz, wenn auch als Power-Arbeitsplatz nicht direkt mit dem Massenarbeitsplatz vergleichbar, ist ein gutes Beispiel dafür. Da ich viel mit HD-Videos und entsprechender Schnittsoftware hantiere, habe ich mir vor 5 Jahren einen Apple Mac Pro mit Dual-Xeon, 8 Kernen, Hardware Raid, spezieller Grafik-Karte zur GPU-Nutzung und 12 GB RAM zugelegt. Als im letzten Herbst mein Laptop ausfiel, habe ich mir ein MacBook Pro Retina 15 Zoll zugelegt (angeschlossen an einen 30 Zoll Monitor). Das Ergebnis? Der Laptop bläst den MacPro locker aus dem Wasser und Thunderbolt SSD-Laufwerke lassen jede Diskussion über Festplatten-Leistung der Vergangenheit angehören.

Warum ist dieser Vergleich wichtig? Nehmen Sie das heutige iPad 4 und überlegen Sie, was das Gerät in 5 Jahren leisten wird. Unterstellen Sie mindestens denselben Fortschritt wie im Übergang vom MacPro auf den Laptop. Und nun? Wie sieht dann der Arbeitsplatz der Zukunft aus? Ein normaler Desktop PC wie bisher? Wohl kaum!

Denkt man ein wenig über dieses Beispiel nach, dann ist klar: ein Smartphone wird in 5 Jahren ein vollwertiger Arbeitsplatz für die meisten Büro-Tätigkeiten sein. Wir werden drei neue Chipgenerationen in dieser Zeit erleben. Wenn wir die aktuellste Ausführung in Form des Samsung Galaxy S4 nehmen, dann sprechen wir bereits über einen Quadcore-Prozessor, 2 GB RAM und eine Tripple-Core-GPU mit einer Auflösung von 1920 x 1080. In 5 Jahren wird ein solches Smartphone theoretisch 4 bis 8 GB RAM, 2500er Bildschirmauflösungen und 256 KB Flash beinhalten. Die GPU wird stark genug sein, um 30 Zoll Bildschirme zu treiben. Man kann spekulieren, was das für Tablets bedeutet. Ich kann heute schon mit meinem iPad 2 und iPad 4 alle gängigen Büroarbeiten ausführen, nur dass es eben eine bisher nur eingeschränkte Peripherieanbindung hat. In Kombination mit einer Bluetooth-Tastatur ist es ein fast vollfertiger Laptop. In dieser Situation ist es unrealistisch anzunehmen, dass wir dann weiterhin die heutigen PCs kaufen. Wir werden vermutlich weiterhin eine Tastatur, evtl. eine Maus und einen Bildschirm haben. Die Frage ist, wie die Verbindung dazwischen aussieht. Auf jeden Fall werden es keine Kabel sein. Als weitere Option ist auch denkbar, dass die so genannten All-in-One-Geräte an Bedeutung zunehmen, bei der die entsprechende Logik in den Bildschirm inte-griert wird. Apple hat diese Geräteklasse mit dem iMac erfolgreich etabliert. Die Frage ist nur, warum das an Arbeitsplätzen, an denen mobile Endgeräte mit einer mehr als ausreichenden Leistung schon existieren, notwendig sein sollte.

Warum ist diese Diskussion wichtig? Aus zwei Gründen:

  1. Die heutigen Zugangs-Infrastrukturen können mit der Anzahl der mobilen Endgeräte, die vor uns liegt, nicht zurecht kommen. Wir müssen hier deutlich nachrüsten.
  2. Wir brauchen gerade auch in der Übergangszeit ein Policy-Management, das mobile und Kabel-gebundene Endgeräte gleichbehandelt und integriert.
  3. Wir brauchen zum Betrieb deutlich mehr Informationen über das, was die Endgeräte eigentlich treiben.

Dies ist keine Theorie-Diskussion. Die Hersteller haben diese Entwicklung erkannt und rüsten ihre Produkte deutlich auf und um. Der Kunde muss nun entscheiden, worin er sein Geld investiert. Eine neue Kommunikations-Strategie ist dringend gefordert.

Damit nicht genug. Wir haben erhebliche Diskussionen zur Auslegung der geeigneten Sicherheits-Systeme. Dabei gibt es auch sehr revolutionäre und kontroverse Themen. Zum Beispiel:

“Wir können die Sicherheit im Netzwerk am Endgerät nicht mehr leisten. Aus diesem Grund sollen Sicherheits-Lösungen um den Server und die Applikation herum aufgebaut werden. Wir entkomplizieren das Endgerät und konzentrieren die Sicherheit auf die Applikation.”

Ich will diese These gar nicht weiter diskutieren. Aber sie ist hochaktuell und wir werden darauf in unseren Kongressen eingehen.

Sie sehen, dieses Thema ist spannend, es ist aktuell und es hat weitreichende Konsequenzen für unsere Infrastruktur-Planung.

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