Verdrängt Web­RTC das klassische Telefon?

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Wenn man sich mit Sprach- oder Videodiensten auf Basis von IP beschäftigt, kennt man Begriffe wie Endpunkt oder Agenten. Und so war es bis vor ein paar Jahren üblich, dass mit diesen Begriffen auch automatisch ein physikalisches Endgerät verbunden war, mit dem der Zugriff auf die Kommunikationsinfrastruktur erfolgte.

Dieses Szenario hat sich natürlich weiterentwickelt. Heute definieren wir zu den Endpunkten und Agenten auch reine Softwarelösungen in Form von Softphones, die wir als Anwendung auf unsere PCs und anderweitigen Endgeräte installieren.

Und jetzt kündigt sich mit WebRTC der nächste große Technologieschritt an und es stellt sich die Frage: Was ist denn jetzt eigentlich ein Endpunkt?

  • Ist es wirklich noch ein physikalisches Endgerät mit x Funktionstasten, welches exklusiv den Zugriff auf die Infrastruktur ausübt?
  • Ist es die Installation eines Softphones oder einer Agentenkonsole auf unserem PC?
  • Oder ist es jetzt nicht doch irgendein Gerät, welches nur einen Browser zur Verfügung stellt, der WebRTC und HTML5 unterstütz?

Diese Fragen sind von entscheidender Bedeutung, da mit der Etablierung von WebRTC der Markt der klassischen Endgeräte zu sterben droht. Dieser Tod des Tischtelefons kann den Herstellern der Endgeräte nicht egal sein. An ihm hängt schließlich ein nicht unbedeutender Teil ihres Umsatzes.

Aber nicht nur diese sind bedroht, auch der Softclient verliert mit der Verbreitung von WebRTC dramatisch an Bedeutung. Warum noch eine Software zusätzlich installieren, wenn mein Browser dieselben Funktionen abdeckt?

Dies bedeutet: Das Geschäftsfeld der TK Systemanbieter verschmälert sich zunehmend mit der Ausbreitung von WebRTC.
Auf der WebRTC Konferenz in Santa Clara im vergangenen November erklärte Google, dass weltweit 1,2 Millarden WebRTC fähige Browser im Umlauf sind und diese sind damit potenzielle Sprach- und Video-Endpunkte.

In letzter Konsequenz bedeutet dies:

  • Das physikalische Endgerät wir zunehmend uninteressant
  • Wichtig ist nur, dass es einen WebRTC fähigen Browser beinhaltet

Dies verleitet viele Analysten zu der Annahme, dass die klassischen Endgeräte verschwinden werden. Das Ende der Ära der Tischtelefone hat begonnen.

Wer dies nicht glauben mag, sollte eine Blick auf Unify und das Projekt Ansible richten. Hier werden ganz klar die Weichen in Richtung WebRTC gestellt und das von einem führenden Anbieter für Unternehmenskommunikation.

Wir reden also nicht mehr über Endpunkte, sondern über Dienstleistungen bzw. Services. Und diese sind nicht reine UC oder VoIP-Dienste, sondern Dienste auf einer höheren Ebene, die Voice-und Video als eine Fähigkeit verwendet – als reines Feature.

Wir erleben hier also eine Neubewertung des Marktes:

  1. Geschäftsmodelle, die sich auf den Vertrieb möglichst vieler Endpunkte abstützen, müssen neu bewertet werden. Die meisten von ihnen müssen wahrscheinlich in den nächsten Jahren in einem schrumpfenden Markt überleben lernen. Es scheint daher ratsam, statt über den Kauf von Endpunkten auch über Leasing Modelle nachzudenken.
  2. Mit einer Verbreitung von über 1 Milliarde potentieller Endpunkte kann ein möglicher Durchbruch der WebRTC Technologie schneller erfolgen als so mancher glaubt.

Es kommen spannende Jahre auf uns zu, in denen sich der Markt stark verändern wird.

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Ein Kommentar zu "Verdrängt Web­RTC das klassische Telefon?":

  1. Mike Fuchs schreibt:

    pinoc.io ist ein neuer, kostenloser WebRTC-Anbieter für HD-Videokommunikation und –conferencing.
    Videokommunikation ist dort so einfach, dass sogar Kinder sie nutzen können!

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