VW forciert IoT

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Erst 2008 hat das Ruhrgebiet einen Seitenhieb aus der Technologiebranche erfahren, als der Nokia-Vorstand sich entschlossen hat, den Standort Bochum aufzugeben. Nokia hat damals eine große Menge deutscher Fördergelder kassiert und 2008 eine Verlagerung des Nokia-Werkes von Bochum nach Rumänien verkündet, von wo aus man sich 2011 erneut nach China verabschiedet hat. In Bochum verloren durch den Umzug des Technologieriesen rund 2300 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz. 2014 dann ein erneuter Seitenhieb der Technologiebranche für das Ruhrgebiet: Der angeschlagene Technologieriese BlackBerry (insbesondere für Smartphones bekannt) verlässt den Standort Bochum ebenfalls. Erneut stehen rund 200 Arbeitsplätze auf der Kippe. Kurze Zeit später gibt es für diese allerdings eine erfreuliche Entwarnung. Volkswagen hat sich entschlossen das gesamte BlackBerry Entwicklungszentrum, samt hochqualifiziertem Personal und dem Leasingvertrag für das Bochumer Werk zu übernehmen. Der Kaufpreis wurde nicht öffentlich bekannt gegeben. Aber was will ein etablierter Automobilhersteller mit einem Entwicklungszentrum für Smartphones?

Obwohl bisher nicht viel über die Pläne von VW in Betracht auf die neue Akquisition bekannt ist, so kann man ruhigen Gewissens die Entwicklung eines VW-Phones ausschließen. Viel mehr wird VW als Automobilhersteller, genau wie seine Mitbewerber, mit dem Endverbraucherwunsch konfrontiert, das Smartphone mit der Fahrzeug-IT zu integrieren. Wenn ein Autobesitzer um 18:00 Uhr in sein Auto einsteigt und für 18:30 Uhr einen Termin am Phaeno-Museum im Kalender seines Smartphones eingetragen hat, wieso muss er dann noch die exakte Adresse herausfinden und manuell in sein Navigationssystem eintragen? Die genaue Adresse des Phaeno-Museums kann das System im Internet nachsehen und diese an das Navigationssystem übertragen. Dies ist eines von vielen Internet of Things (IoT) Szenarien, welche bereits heute und in den kommenden Jahren die Technologie und Innovation quer durch alle Branchen treiben werden. Jedoch ist das oben genannte „System“, welches die Schnittstelle zwischen dem Smartphone des Endbenutzers und der Fahrzeug-IT darstellt, in der gewünschten Form und mit dem gewünschten Funktionsumfang nicht auf dem Markt erhältlich. Die Automobilhersteller sehen diesen Markt jedoch unabdingbar kommen und bereiten sich z.B. wie VW durch Akquisitionen und Kooperationen auf das IoT im Umfeld Automobil vor.

Hier ein kleiner Abriss:

  • Google stellt „Android Auto“ vor, welches sowohl im Innenraum des Fahrzeuges Funktionen wie Infotainment übernehmen, als auch für eine reibungslose Verbindung mit Smartphones von Fahrzeuginsassen sorgen soll.
  • Apple stellt „CarPlay“ vor, welches die Integration von iOS-Geräten in fahrzeuginterne Infotainment-Systeme erlaubt.
    BMW, Chrysler und General Motors nutzen zur Integration von Smartphones und als Basis für ihre Infotainment Systeme QNX von BlackBerry.
  • Ford, Kia, Nissan und Fiat verwenden schon seit Jahren abgeänderte Versionen von Windows in ihren Fahrzeugen. Microsoft kündigt in diesem Zusammenhang ebenfalls neue Versionen für Fahrzeuge und das Zusammenspiel mit Smartphones an.

VW rüstet sich mit dieser Akquisition um den künftigen Kundenwünschen nachzukommen. Diese gehen oftmals viel weiter als beispielsweise Musik von dem Smartphone über das Infotainment System des Wagens abzuspielen oder Anrufe während der Fahrt führen zu können. So soll die Kommunikation zweier Fahrzeuge (Car2Car Kommunikation) die Unfallgefahr reduzieren und den Energieverbrauch optimieren. Die Kommunikation eines Fahrzeuges mit einer Tankstelle kann den Tankvorgang automatisieren und macht eine manuelle Bezahlung obsolet. Ein Informationsfluss zwischen Fahrzeug und Büro/Wohnung erhöht den Komfort und kann die Sicherheit steigern (z.B. Hinweis wenn sich das Fahrzeug vom Haus entfernt und die Terrassentüre geöffnet ist).

Solche IoT Szenarien mit Fahrzeugen spielen für die Zukunft der Automobilhersteller eine Schlüsselrolle und werden im Wettbewerb um die Kundschaft wichtige Unterscheidungskriterien darstellen. Vor diesem Hintergrund hat VW auch die VW Infotainment GmbH gegründet, welche durch die Akquise des BlackBerry Forschungszentrums in ihrer Aufgabe gestärkt werden soll. Der angeschlagene BlackBerry-Konzern hat das Forschungszentrum aus strategischen Gründen abgeworfen. Langjährige Sparmaßnahmen zwingen BlackBerry sich auf wesentliche und ausgesuchte Kerngeschäfte zu konzentrieren. Hierzu gehört beispielsweise auch die QNX-Software, die im Automobilbereich weiterhin eine wichtige Rolle spielt und an der BlackBerry nach wie vor im kanadischen Ottawa forscht und entwickelt. Mit solchen strategischen Entscheidungen will BlackBerry bis 2016 wieder zurück zur Profitabilität. Ob das klappt, bleibt abzuwarten.

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