Warum WebRTC – Zukunftsstandard oder Hype?

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Eine der größten Herausforderungen für Kommunikationsunternehmen jeder Art ist es, Mehrwertdienste im Bereich der Collaboration in einer Form zur Verfügung zu stellen, die es auch externen Teilnehmern ermöglicht, einfach in die Firmenkommunikation eingebunden zu werden – wie dies bei der Telefonie schon seit Jahrzehnten der Fall ist. Bisherige Lösungen entsprachen weitgehend „Insellösungen“, die den vollständigen Funktionsumfang nur dann realisieren konnten, wenn auf der Gegenseite eine entsprechende Applikation installiert war oder wenn man auf wesentliche Leistungsmerkmale verzichtete.

WebRTC stellt nicht die Lösung dieses Problems dar, bietet aber als Basistechnologie die entsprechende Plattform, um zukünftig vollumfängliche Lösungen zur Verfügung stellen zu können. Da WebRTC eine Web-Technologie ist, bleibt es zukünftig nicht mehr nur VoIP-Spezialisten überlassen, Lösungen zu entwickeln, die weitreichende Kommunikationsfunktionen beinhalten. Vielmehr können jetzt auch Webprogrammierer ihrerseits entsprechende Lösungen anbieten, ohne sich zwingend über Signalisierungs- und Routing-Mechanismen Gedanken machen zu müssen.

Die technischen Grundlagen von WebRTC
Durch die Nutzung verschiedener Netzwerkstandards wie ICE / STUN und TURN wird eine unternehmensübergreifende Verbindung, selbst über bestehende Firewalls hinweg, möglich. Diese wird über das im Standard vorgeschriebene End-to-End Verschlüsselungsverfahren DTLS abgesichert. Zur Einbindung der Sprachkommunikation wird entweder G.711 oder aber der hocheffiziente Codec OPUS eingesetzt. Dieser benötigt trotz HD-Qualität nur einen Bruchteil der Bandbreite von klassischen Sprachverbindungen und ist extrem schnell. Für eine Videoverbindung wird H.264 zur Übertragung verwendet oder aber der ebenfalls lizenzfreie VP8-Codec.

WebRTC: der Status Quo
Der offene Standard WebRTC befindet sich nach wie vor im Standardisierungsprozess des World Wide Web Consortiums (W3C). Er wird maßgeblich getrieben und unterstützt von Google Inc., Mozilla Foundation sowie Opera Software ASA. Damit ist nachvollziehbar, dass als Browser derzeit Chrome, Firefox und Opera unterstützt werden. Die Web Real-Time Communications Working Group hat am 13. September 2016 ein Working Draft für eine Version 1.0 veröffentlicht. Inzwischen arbeiten bereits mehr als 800 Hersteller an WebRTC-Implementationen bzw. liefern diese schon als Produkte aus. Obwohl Microsoft nicht Teil der WebRTC-Bewegung ist, unterstützt das Unternehmen die Arbeit der ORTC Community (Object Real-Time Communications Community). Derzeit ist es nicht möglich, WebRTC-Applikationen auf einem ORTC-basierten Browser ohne zusätzliche Zwischenebene zur Emulation von WebRTC einzusetzen. Es wird von allen Seiten erwartet, dass sich, sobald die derzeit laufenden Arbeiten an WebRTC 1.0 abgeschlossen sind, WebRTC Next Version (WebRTC NV) und ORTC weiter annähern. Darauf weist auch die Zusammenarbeit von Google und Microsoft in der „Alliance for Open Media“ hin. Sogar Apple scheint seine Zurückhaltung in Sachen WebRTC aufgegeben zu haben, nachdem das Unternehmen jüngst mit der Entwicklung von WebRTC für seine WebKit Engine begonnen hat, die die Grundlage für Safari bildet.

Neue Möglichkeiten in der Unternehmenskommunikation durch WebRTC
Der Marketing-Anspruch vieler Unternehmen, über Call-Me-Buttons und Video-Chat- Funktionen die Ansprache zum Kunden direkter zu gestalten, lässt sich heute einfacher denn je erfüllen. Viele Hersteller – so auch innovaphone – bieten Toolboxes an, mit welchen deren Implementierung schnell und einfach realisiert werden kann. WebRTC ist grundsätzlich für die einfache Peer-to-Peer Kommunikation zwischen Browsern konzipiert. Der große Vorzug von WebRTC kommt demnach für Unternehmen erst dann zum Tragen, wenn diese Peer-to-Peer Kommunikation in die übrige Unternehmenskommunikation voll umfänglich eingebunden wird, um entsprechende zusätzliche Funktionen wie Presence, Routing der Calls, Anruflisten oder Recording ebenfalls zu nutzen.

Noch weitreichender sind die Möglichkeiten von WebRTC, wenn – wie etwa mit dem innovaphone myPBX-Client – den eigenen Mitarbeitern die Nutzung der vollen UC-Funktionalitäten unabhängig vom (eigenen) Endgerät und ohne vorinstallierte Applikation an jedem beliebigen Browser ermöglicht wird. Auf diese Weise lassen sich sehr ökonomisch und effizient auch Szenarien mit standortübergreifenden Arbeitsgruppen und die zeitlich begrenzte, projektbasierte Zusammenarbeit mit externen Mitarbeitern unabhängig von der eingesetzten Hard- und Software realisieren.

Es bestehen kaum Zweifel daran, dass sich die ORTC- und die WebRTC-Initiativen kurzfristig aneinander annähern, so dass die Technologien zu einer gemeinsamen fusionieren und in der Folge auch Apple-Browser für die WebRTC-Implementierung offen sind. Damit verfügen die Web-Entwickler über eine neue, mächtige API, um völlig neue Funktionalitäten bereit zu stellen: Neben Sprach- und Videokommunikation sind dann etwa auch Chat, Co-Browsing, Application Sharing oder White Boarding denkbar. Damit ist auch die Nutzung an Arbeitsplätzen interessant, an denen der Zugriff auf Mikrofon oder Kamera nicht möglich sind.

Weiterer Ausblick
Sobald das moderne Verschlüsselungsverfahren DTLS und die neuen Audio- und Video-Codecs auch in den Infrastrukturkomponenten implementiert werden, kann mit dieser Technologie sogar eine Hochsicherheitslösung realisiert werden, welche selbst Man-in-the-Midde-Angriffe von Hackern erkennen würde.

WebRTC-basierte Lösungen werden sich langfristig nur dann erfolgreich durchsetzen können, wenn sie intelligent in eine zentrale Infrastruktur eingebunden werden. Nur so können Dienste bereitgestellt und die Einbindung an die herkömmliche VoIP-Kommunikation ermöglicht werden, Medien- und Datenströme gesteuert und damit die Bandbreite kontrolliert werden.

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