Welches Netzdesign benötigt UC?

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In meinen SIP oder VoIP Veranstaltungen kommen immer wieder Teilnehmer auf mich zu und fragen, ob der Aufbau einer UC-Lösung ein bestimmtes Netzwerk Design voraussetzt. Diese Frage scheint also trotz all der Jahre immer noch nichts von ihrer Brisanz verloren zu haben.

Schauen wir uns daher die möglichen Varianten mit ihren Vor- und Nachteilen einmal an und blicken ergänzend auf die Empfehlungen der Netzwerk- und UC-Anbieter.

Die bekannteste Variante ist immer noch der Aufbau von logisch oder physikalisch getrennten Netzwerkumgebungen. Diese besagt, dass der klassische Datenverkehr und die Echtzeitdaten, wie Sprache und Video, in getrennten Umgebungen betrieben werden sollen um eine gegenseitige Beeinflussung auszuschließen.

Diese Meinung wird immer noch von vielen Anbietern von UC-Lösungen verbreitet und findet sogar Unterstützung im Lager der Netzwerk-Ausrüster. Eine kleine Umfrage, die wir im Frühjahr 2013 erhoben haben, zeigte, dass sowohl Cisco, Alcatel als auch HP ein solche Lösung bevorzugen.

Richtig ist, dass sich ein Layer2 Problem nicht auf andere physikalisch oder logisch getrennte Netze auswirkt und das Troubleshooting erleichtert wird.

Einen wirklichen Zugewinn erfährt man aber erst durch eine richtige physikalische Trennung, also dem parallelen Aufbau einer zweiten Infrastruktur. Hier stellt sich, neben den schon genannten Aspekten, noch die höhere Verfügbarkeit als zusätzlicher Effekt ein, aber um den Preis der doppelten Investition.

Aber waren es nicht die Versprechungen der TK-Anbieter, dass man durch die gemeinsame Nutzung der Netzinfrastruktur Kosten einsparen kann?

Und es treten noch weiter Nachteile ans Tageslicht:

  • Softphones auf PCs sind unmöglich
  • PCs und Hardphones benötigen eigene Anschlussdosen
  • Das Design alleine bietet keinen Schutz gegen mutwilligen Missbrauch, da sich ein PC leicht in eine Telefonanschlussdose stecken lässt
  • Die Komplexität beim Einsatz von VLANs erhöht sich, was zu erhöhten Aufwänden führt bei: Betrieb, Administration und Fehlersuche

Alles in allem gewichtige Faktoren, die gegen diesen Designansatz sprechen. Eine strikte Trennung der UC und Datenwelt ist daher kaum einzuhalten:

  • UC Clients brauchen Zugriff auf beide Netze
  • Konfiguration der TK/UC-Server erfolgt über das Daten-Netzwerk
  • Es gibt Zusatzanwendungen aus der allgemeinen Infrastruktur, auf die unsere TK-Lösungen aufsetzen
    • LDAP
    • Active Directory
    • RADIUS
    • Telefonbücher

Folgerichtig kann die Empfehlung nur lauten: Ein Netz für alle Dienste.

Und diese Sichtweise findet auch immer mehr Anhänger. Zwar findet z.B. auch Siemens immer noch Gefallen an logisch getrennten Netzen, schreibt sie aber nur zwingend für die Serverinfrastruktur vor. Für die Anbindung der Clients sind solche Vorgaben nicht vorgesehen und auch Netzausrüster wie Extreme Networks sehen keinen Sinn in diesen Designvorgaben. Mit Recht verweist man hier auf moderne Netzwerkmechanismen, die so ein Design obsolet erscheinen lassen.

Die Empfehlung, Netze für alle Arten von Datenverkehr zu öffnen, entbindet einen natürlich nicht von der Pflicht, sich Gedanken über Verfügbarkeit und Sicherheit zu machen.

Dieses Zusammengehen der Infrastrukturen benötigt vielleicht QoS Mechanismen zur Bereitstellung einer min. Güte oder erfordert die Bildung von Sicherheitszonen, um einen verantwortungsvollen Betrieb zu gewährleisten.

Aber diese Designempfehlung ermöglicht es, alle vormals genannten Einschränkungen aufzuheben und UC Vollumfänglich zu ermöglichen.
Die ComConsult Research Empfehlung kann daher nur lauten: Für UC wird kein spezielles Netzdesign benötigt, ja dies wäre sogar kontraproduktiv.

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