Wichtige Netzwerk-Management Produktstrategien

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Teil 67 von 71 aus der Serie "Professionelle Datenkommunikation"
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Bevor wir uns weiter gefassten Aufgaben des Netzwerk- und System-Managements zuwenden, wollen wir in diesem Teil wichtige Netzwerk-Management Produktstrategien Revue passieren lassen. Die Fähigkeiten der neuesten Versionen kann sich der Interessent auf den Webseiten der Hersteller ansehen. Hier geht es vielmehr um wichtige strukturelle Aspekte, die die jeweiligen Strategien auszeichnen. Außerdem werden in realen Umfeldern auch noch ältere Versionen im Produktivbetrieb sein.

Netzwerk-Management ist ein sehr individuelles Gebiet, weil praktisch jedes Unternehmen andere Zielsetzungen und finanzielle und personelle Mittel zu deren Durchsetzung hat. Tatsächlich sind ja viele Bereiche des Netz-Managements bei näherem Hinsehen nur dazu da, die Mängel der Technologie besser zu verwalten. Bei einer konventionellen Nebenstellenanlage mit 10.000 Teilnehmern musste man nur einen verschwindend geringen Aufwand betreiben, z. B. einmal in der Woche danach sehen und einmal im Monat Rechnungen herauslaufen lassen. Ein LAN ist wesentlich pflegeintensiver. Der dem Autor bekannte negative Rekordhalter benötigte 1 Betreuer für 17 Benutzer. Üblich sind 100 –500 Benutzer pro Betreuer. Angesichts der hohen Kosten für Betreuer ist das aber immer noch ein viel zu schlechtes Verhältnis.

Die meisten Probleme, aber auch das größte Sparpotential, liegen in der Gesamtorganisation des Netzwerk-Betriebs. Die gleich genannten Plattformen sind nur Werkzeuge, Hilfsmittel in einem größeren Prozess. Stimmt dieser Prozess nicht, dann können diese Werkzeuge auch nur wenig ausrichten. Wenn jemand handwerklich ungeschickt ist, helfen ihm auch die besten Qualitätswerkzeuge wenig dabei, wenn er ein Regal bauen muss. Ist jemand aber begabt, wird er auch mit dem Notdürftigsten ordentliche Ergebnisse erzielen. Genauso ist es mit dem Netzwerkmanagement.

Begabte Administratoren sind allerdings wesentlich weniger verbreitet als begabte Heimwerker. Also versucht man es auch beim Netzwerk-Management mit einer Art Ikea-Modell: Einzelteile zum Selbstzusammenbauen auch für Ungeschickte. Bei Ikea klappt das, weil man ja durch die Katalogabbildung und eigene Anschauung ein genaues Bild von dem Regal, was man bauen möchte, hat. Also sollte man auch beim Netzwerkmanagement zunächst ein klares Bild davon haben, was man eigentlich will. Und dieses klare Bild ist das Betriebskonzept. Fehlt dies, wird das Ergebnis genauso sein wie das eines Gelegenheits-Möbelbauers, dem man die Aufbauzeichnung weggenommen hat und der jetzt vor einem Haufen Holzteile mit ein paar Schrauben steht.

Die heute erhältlichen Plattformen unterscheiden sich hauptsächlich hinsichtlich der Größe der zu steuernden Netze und der insgesamt vorhandenen Möglichkeiten.

Eine ganz wichtige Plattform ist OpenView von HP. Durch die Übernahme der Softwarefirma Mercury in 2007 sollte der Name geändert werden Mittlerweile werden die einzelnen Module eher danach bezeichnet, was sie machen, aber nach wie vor gibt es haufenweise Infos, wenn Sie auf der HP-Website das Stichwort OpenView eingeben.

Zu Beginn gab es zwei grundverschiedene Versionen, eine für Windows und eine, die unter Unix läuft. Die Windows-Variante ist für kleinere Netze, die Unix-Variante für große bis sehr große Netze. Eine schon unübersehbare Vielfalt von Modulen macht es leicht, sich seine Umgebung so zurecht zu bauen, wie dies für die Problemstellung angemessen ist. Es gibt viele Software-Module von anderen Herstellern, die unter OpenView laufen. Viele Großbetriebe möchten zwar OpenView einsetzen, aber nicht unter Unix. Für diese gibt es eine weitere Variante, die dem Leistungsumfang des OpenView/Unix entspricht, aber unter Windows-NT läuft. OpenView unterstützt alle wichtigen Netz-Management-Standards. Mittlerweile wurde OpenView stark in Richtung System- und Anwendungsmanagement sowie Cloud Computing weiterentwickelt.

Der SunNet Manager von Sun Microsystems ist ebenfalls eine Plattform der ersten Stunde. Auch hier existiert ein unübersehbar großes Angebot von Modulen und Fremdprogrammen. Eine größere Variante war der Sun Solstice Enterprise Manager (Solstice ist der neuere Oberbegriff für alle Netzwerk-Management-Produkte der Firma Sun). Er beinhaltete allerneueste Programmiertechniken verteilter Systemumgebungen und stellte zu seiner Zeit ein wirkliches Spitzenprodukt dar. Sun Microsystems wurde von Oracle übernommen. Was jetzt mit dem SunNet Manager passiert, ist offen.

IBM verwirrt Kunden und Nichtkunden seit jeher mit einem wahren Feuerwerk unterschiedlicher Netz-Management-Produkte. Jedes Produkt basiert auf einer anderen Plattform (Windows, OS/2, AIX, MVS) und hat einen für den Sichtbereich der jeweiligen Plattform abgestimmten Funktionsrahmen. Die Produkte arbeiten nicht immer zusammen, die wichtigsten Standards werden jedoch unterstützt. Das Produkt auf den Hosts ist auf SNA-Umgebungen abgestimmt. Das Produkt NetView/AIX auf den Systemen 6000 ist am ehesten mit OpenView/Unix vergleichbar. Eine Zeitlang sind diese Systeme auch zusammen entwickelt worden, dies wurde aber 1995 beendet. Auf dem Sektor der PC-Netze gibt es Produkte wie NetView/Windows, die allerdings auch nur ein sehr begrenztes Spektrum von Geräten sehen und steuern können. Fremdfirmen stellen außer für die AIX-Variante kaum Zusatzsoftware her. Der strategische Oberbegriff für die Management-Produkte ist SystemView. Die Weiterentwicklungen bei größeren Systemen hören durch den Aufkauf der gleichnamigen Firma auch auf den Namen »Tivoli«. Der Einsatz der IBM-Systeme soll in der Praxis einfacher sein, als sie auseinanderzuhalten.

Eine weitere sehr innovative Plattform ist Spectrum® von Cabletron. Cabletron wurde 2005 von Concord übernommen, kurz danach wurde Concord von CA übernommen. CA hat dann den Bereich der Netzkomponenten an Enterasys verkauft und als Softwareunternehmen Spectrum zum CA Spectrum ® Enterprise Manager weiterentwickelt.

Spectrum war von Beginn an eine sehr innovative Lösung und eigentlich die erste große Plattform, die den Gedanken des CORBA/JAVA-basierten Netz-Managements aufgegriffen hat. Web Alarm View zentralisiert die Resultate der Fehler-Isolierung von überall im Netz und kann weltweit zur Anzeige von Fehlern benutzt werden. Web-based Reporting als Erweiterung der Reporting Anwendung hat den Vorteil der Vorteil beweglichen Browser-Benutzung. SpectroRx basiert auf Spectrums automatisiertem Resolution Expert um eine eingeschränkte Menge von Lösungsmöglichkeiten bei Problemen vorzuschlagen, die bei älteren Problemen gelernt wurde. Der ActiveX SPECTRUM Information Viewer schließlich sorgt für freizügige Informationssuche über alle verteilten Spectroserver.

Das Produkt hat jedoch immer sehr darunter gelitten, dass der Hersteller Cabletron sagen wir mal weniger beliebt war und es nie über einen einstelligen Prozentbetrag bei den Installationen gebracht hat. Dadurch konnte sich das Produkt in seinen ersten Jahren nicht richtig etablieren. Erst die Abspaltung von der Hardware durch den neuen Besitzer brachte den verdienten Erfolg. CA hat das System konsequent weiterentwickelt und vor allem die Perspektive auch auf Bedarfe von Providern erweitert. CA Spectrum® Enterprise Manager ist heute eines der führenden Produkte auf diesem Bereich.

Zu Beginn der Plattformentwicklungen hat man die Vorstellung gehabt, dass möglichst viele Fremdmodule, z. B. zur Steuerung von Hubs oder Routern, in die Plattformen integriert werden sollten. Dies hat z. B. zu Produkten wie Optivity von Nortel Networks geführt, welches man auf allen wichtigen Plattformen laufen lassen kann.

Entschließt man sich jedoch dazu, Produkte für eine größere Installation aus einer Hand zu kaufen, ist die Plattform eigentlich überflüssig, denn sie stellt ja nur eine Umgebung für z.B. Optivity dar.

Also kommt man mehr und mehr dazu, die eigentlichen Anwendungsprogramme direkt auf passenden Betriebssystemen laufen zu lassen. Die nächste Stufe ist die Integration dieser Steuerungsmöglichkeiten in das allgemeine System-Management.

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