Der Fall Huawei – Wie geht es mit 5G weiter?

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Der aktuelle Streit um den Aufbau des neuen Mobilfunk-Standards nimmt immer absurdere Züge an.

Angefangen von der Forderung der US-Regierung, Huawei als Netzausrüster weltweit – oder aber zumindest bei den „Verbündeten“ – auszuschließen, bis hin zu Überlegungen innerhalb der Europäischen Union, die 5G-Sicherheitsstandards soweit aufzuweichen, dass ein einfaches Abhören der Kommunikation möglich ist; so zumindest der Anti-Terror-Koordinator der EU, Gilles de Kerchove (https://www.sueddeutsche.de/digital/verschluesselung-5g-netz-eu-1.4456284)

Welche Folgen solche Forderungen mit sich bringen, müssen daher nicht nur politisch, sondern auch technisch analysiert werden.

Im Falle von Huawei ließe sich natürlich vortrefflich darüber diskutieren, ob Anbieter wie Ericsson oder Nokia die Lücke schließen könnten, die sich mit einer solchen Entscheidung auftun würde.

Das oft vorgebrachte Argument, dass Cisco einer der Hauptprofiteure wäre, stimmt allerdings nur bedingt. Zum einem kann Cisco im Bereich Radio Access Network (RAN) für 5G keine Expertise und auch keine Produkte vorweisen, und zum anderen mangelt es wohl auch an eigenen Patenten.

Folgerichtig würde Cisco daher „nur“ vom Ausbau des neuen Backbones profitieren, was aber voraussichtlich auch kein schlechtes Geschäft sein dürfte.

Sicher aber scheint, dass ein Ausschluss Huaweis einige schwerwiegende Folgen haben dürfte.

Zum einen würde natürlich der Wettbewerb geschwächt, was folgerichtig zu höheren Systemkosten bei den Providern führen wird, die durch die Frequenzauktion eh schon viel Geld investiert haben.

Diese Systemkosten müssen aber zwangsläufig wieder hereingeholt werden. Dies wird entweder zu höheren Nutzungsentgelten für den Kunden, zu einem langsameren Ausbau oder aber zu einer weniger dichten Infrastruktur führen.

Außerdem stellt sich die Frage nach den technischen Problemen, die hierdurch entstehen.

Denn eines müssen wir bei aller Skepsis, die man durchaus gegenüber Huawei haben darf, bedenken: das Unternehmen ist einer der technologisch führenden Anbieter von 5G-Technik und verfügt über eine sehr hohe Anzahl von wichtigen Patenten in diesem Bereich.

Die Folgen eines Ausschlusses würden demnach entweder zu Einschränkungen in der Nutzbarkeit der neuen Netze führen oder in den schon seit Jahren bekannten Patentstreitigkeiten enden, wie wir sie schon zwischen Qualcomm und Apple beobachten konnten.

Wovon wir jedoch sicher ausgehen können sind zwei Dinge:

  • Der Netzaufbau verlangsamt sich und
  • er wird teurer als geplant.

Jedoch scheint sich die Diskussion bei 5G langsam aber sicher zu verlagern. Immer mehr Experten fragen sich, welche Vorteile ein schneller Ausbau des neuen Mobilfunk-Standards für den gemeinen Nutzer generiert. Sicher ist im Moment nur, dass die neue Technologie eine viel höhere Dichte an Funkzellen benötigt, um eine ähnliche Abdeckung wie 4G zu erreichen, und das wird teuer.

Dabei muss man bedenken, dass selbst der 4G-Ausbau bei uns in Deutschland noch nicht abgeschlossen ist. Aber wo liegen dann die Vorteile?

Zur reinen Sprachkommunikation wird 5G sicher nicht benötigt, und selbst Datenanwendungen durch die Nutzung von Smartphone Apps profitieren nur gering von den höheren in Aussicht gestellten Bandbreiten.

Bleiben also nur Geschäftsanwendungen wie die Vernetzung von Produktionsumgebungen, die zur Prozesssteuerung ein Netzwerk mit Echtzeitfähigkeit benötigen, oder die Bereitstellung von breitbandigen Netzzugängen für MPLS Services über Funk bzw. Internetdiensten.

Inwieweit IoT-Anwendungen hier profitieren werden, hängt von der jeweiligen Anwendung ab.

Sicher benötigt wird 5G für das autonome Fahren, allerdings ist aktuell noch nicht abzusehen, wann zum einen die rechtlichen Rahmenbedingungen vorliegen und zum anderen die Automobilindustrie Produkte präsentieren kann, die auf Level 5 den Fahrer im großen Stil überflüssig machen. Erst die Bereitstellung von völlig autonom agierenden Fahrzeugen auf Level 5, also ohne Fahrer, Lenkrad oder Bremse, erfordert ein Netzwerk, das in Echtzeit den Verkehr großflächig koordinieren und steuern kann.

Daher ist der Ausbau von 4G sicher das vorrangigere Ziel, das angestrebt werden muss.

In einem zweiten Schritt muss dann ein tragfähiges Konzept von Seiten der Provider für 5G erstellt werden, das Kosten und Nutzen in eine gesunde Balance bringt. Was natürlich auch die Vehemenz der Reaktion der Provider erklärt, als erste große Unternehmen wie VW oder BMW laut darüber nachdachten, Standort-bezogene 5G-Lizenzen zu erwerben und sich somit als Kunde von den Providern unabhängig zu machen.

Das führt uns aber wieder zurück zu Huawei, denn auch hier ist das Unternehmen aus Shenzhen einer der führenden Anbieter für die Infrastruktur. Aber nicht nur das, auch andere Netzwerksysteme jenseits des Mobilfunks sind Kernelemente des Produktportfolios von Huawei. Was ist mit den klassischen Switches und Routern? Mit Datacenter und Storage? Spielen die Bedenken der US-Administration hier dann keine Rolle? Das klingt doch ein wenig unglaubwürdig.

Also bleibt als Fazit: Der Verzicht auf Huawei ist aus technischer Sicht möglich und kann durch andere Anbieter aufgefangen werden, jedoch schränken wir uns unnötig ein und beschneiden einen Anbietermarkt, in dem der Wettbewerb jetzt schon sehr überschaubar ist, was zwangsläufig zu höheren Kosten führen wird.

Dass der Ausbau der öffentlichen Mobilfunknetze auf Basis von 5G eventuell länger dauern wird, ist aus meiner Sicht eher zu verschmerzen, da im Moment kein wirklicher Business Case vorliegt.

Das Ziel unserer Bemühungen sollte immer sein, Abhängigkeiten zu vermeiden, auf Standards zu setzen und somit auf Änderungen im Markt, seien sie politischer oder wirtschaftlicher Art, flexibel reagieren zu können.

Unsere Empfehlung lautet daher: Machen Sie sich rechtzeitig Gedanken über die Auswahl Ihrer Technologie-Partner und berücksichtigen Sie immer einen Plan B für einen Fall wie Huawei.

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