Power over Ethernet: wofür, womit, durch wen – Grundsatzentscheidung dringend gefordert!

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Power over Ethernet kombiniert Strom und Netzwerkanschluss. Je mehr Strom wir dabei transportieren können, desto weiter spannen sich die Anwendungsfelder. Und mit 100W lassen sich viele Technologien und Geräte betreiben. Dies reicht von der Beleuchtung über Medientechnik bis hin zu kompletten Arbeitsplatz-PCs. Und die Liste der möglichen Nutzungen wird täglich länger.

Lassen Sie uns aber gleich zum Elefanten im Raum kommen. Dies ist die Frage der Nutzbarkeit von Datenkabeln UND Stecksystemen zur Übertragung von Gleichstrom. Wie heiß werden die Kabel? Welche Konsequenzen haben Bündel? Produzieren Steckverbindungen Funken? Welche Längen sind möglich? Tatsache ist, dass alle diese Fragen leicht beantwortet werden können und bei Einhaltung der einschlägigen Verkabelungsstandards und darauf aufsetzender Empfehlungen auch Bündelsituationen keine große Herausforderung sind. Ja, man kann das falsche Kabel auswählen oder Fehler bei der Verlegung machen, aber dies sind nicht wirklich die herausragenden Probleme. Details zur Auslegung von PoE-Kabelsystemen werden wir auf unserem Netzwerk-Forum und unserem Forum zu IT- und TGA-Infrastrukturen im März besprechen.

Aber die wahren Probleme der Praxis liegen woanders:

  • Wir haben auf einmal eine deutlich größere Anzahl von Kabeln auch an neuen Orten, die Kapazität der Kabelwege muss darauf ausgelegt sein. Wir brauchen auch Verkabelungs-Strukturen, die deutlich weiter ins Gebäude reichen als die althergebrachte Verteilerplanung
  • Die übliche Planung von Verkabelung für eine Lebensdauer von 15 Jahren oder mehr wird durch die weitreichende Nutzung von PoE deutlich schwerer zu erreichen sein
  • Verteilerräume werden deutlich größer sein müssen. Durch die Vermischung von Technikbereichen entstehen Fragen zur Zugangsberechtigung
  • Die dabei zum Einsatz kommenden Switches werden Abwärme produzieren, die insbesondere bei der Klimatisierung berücksichtigt werden muss
  • Generell kann man für viele der denkbaren Anwendungen nicht einfach irgendeinen chinesischen oder koreanischen Billigswitch nehmen. Anforderungen an Switches müssen wohlüberlegt sein und reichen von Management bis zur Frage, was mit der Stromversorgung passiert, wenn der Switch rebootet
  • Die Länge der Kabel muss gegenüber den möglichen Montageorten abgewogen werden. Ggf. ist es besser, die Switches näher zum Nutzer zu bringen. Dann ergeben sich aber Fragen der Montagesystematik, das Zugangs zum Switch, der Abwärme usw.
  • Neue Nutzungsformen sind ein anderes Wort für neue Typen von Endgeräten. Und da wir bei PoE Strom mit dem Netzwerkzugang verbinden ist die Frage, ob wir Mindestanforderungen an ein Gerät stellen wollen, das Netzwerkzugang hat. Dazu gehört die Frage, ob NAC unterstützt wird, wie Sicherheitsaudits zu den Geräten erfolgen und was bei Software-Updates passiert. Generell wird man unterstellen müssen, dass viele der dabei ins Auge gefassten Technologien nicht auf dem Stand der Sicherheitstechnik sind, den wir generell in Netzwerken oder pauschaler in der IT unterstellen

PoE ist deshalb interessant, weil Strom mit dem Netzwerkanschluss kombiniert wird. Damit ist PoE eine der wenigen infrage kommenden Technologien für eine flächendeckende Sensor- und Aktoren-Infrastruktur. Gebäudeautomatisierung steckt bei realistischer Sichtweise in ihren Kinderschuhen. Viele der traditionellen Gewerke der Gebäudeautomatisierung sind es nicht gewohnt, in weitergehende und umfassende Infrastrukturen integriert zu werden. Dabei trifft man auch durchaus auf schlampige Implementierungen von Software und APIs. Betrachtet man die einschlägigen Messen, dann muss man feststellen, dass Sensorik und ihre Möglichkeiten auf für das Smart Office schlicht explodieren. Die wirkliche professionelle Gebäudeautomatisierung kommt erst noch in den nächsten drei bis fünf Jahren. Dies bedeutet aber:

  • Wir brauchen eine Trennung vom Sensor (und Aktor) und der Kommunikations-Infrastruktur. Gemäß dem Motto “Strom kommt bei uns aus der Dose” muss die Infrastruktur für Sensorik flächendeckend da sein. Und sie muss JETZT geplant und realisiert werden. Wenn dann in fünf Jahren eine neue Idee mit neuen Sensoren kommt, dann darf keine Neuverkabelung oder Neuplanung der Netzwerk-Infrastruktur erfolgen müssen. Wir brauchen eine wirkliche dauerhafte INFRASTRUKTUR
  • Wir brauchen mehr als nur PoE. Wir brauchen eine Komplettlösung für die Netzwerk- und Applikations-Integration, die langfristig trägt
  • Wir brauchen eine Sicherheits-Framework, das auf die Zukunft ausgelegt ist
  • Wir brauchen neue Formen des Betriebs von Gebäuden, die die Veränderbarkeit der Nutzung berücksichtigen und in einem geeigneten Change-Management umsetzen

Damit sind wir dann bei der Frage, wer das denn machen kann. Bisher wurden die IT-Infrastrukturen von IT-Planern und die TGA-Infrastrukturen von den entsprechenden TGA-Planern durchgeführt. Das Problem, das wir jetzt zu lösen haben, ist, dass die IT-Seite zu wenig TGA-Kenntnisse hat und die TGA-Spezialisten im Schnitt weit weg sind von den Spezialkenntnissen aus der Netzwerk- und Sicherheitstechnik. Im Moment hilft hier nur, wenn beide Seiten zusammenarbeiten. Auf Dauer muss ein neuer Typ von Planer entstehen, der beide Seiten abdecken kann. Wir haben deshalb eine entsprechende Ausbildung gestartet, um den TGA-Leuten die Detailkenntnisse aus der Netzwerkwelt zu vermitteln.

Wir kommen wir mit diesen kritischen Fragen weiter? Das würden wir gerne auf zwei herausragenden Kongressen mit Ihnen besprechen. Ich würde mich freuen, Sie dabei persönlich begrüßen zu können:

IT- und TGA-Infrastrukturen im Gebäude der Zukunft vom 11.3. bis 12.3.19 in Düsseldorf

Netzwerk-Forum vom 25.3. bis 28.3.19 in Düsseldorf

In diesem Sinne freue ich mich auf spannende Diskussionen mit Ihnen

Ihr
Dr. Jürgen Suppan

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