Vorbereitung auf IPv6 – Erfolgsfaktoren und (erste) Praxiseinblicke

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Natürlich wird man beim Provider-Wechsel seinen Präfix mitnehmen können, wenn man bereit ist, dafür zu zahlen. Es wäre aber keine Überraschung, wenn die interessanteren Preise mit dem Akzeptieren einer Adressmigration zu einem neuen Präfix, gestellt vom neuen Provider, angeboten werden sollten. Autsch – bei jedem Providerwechsel eine Adressmigration? Hier gibt es verschiedene Gesichtspunkte:

  • Wie aufwändig ist eine Adressumstellung im Endgerätebereich?

    Sofern man nichts an der internen Netzstruktur und dem Adresskonzept ändert, sondern nur die „elektronische Postleitzahl“ Präfix wechselt, hat man hier sowohl DHCP als auch – bei entsprechender Entscheidung – Autoconfiguration als Helfer auf seiner Seite.

  • Wie aufwändig ist die Umstellung der Routing-Punkte im eigenen Netz?

    Hier spielt natürlich die Umgebungsgröße und Vermaschung des Netzes / Wegeredundanz eine Rolle, vor allem aber der Umfang eines Einsatzes von Sicherheits-motivierten Eingriffen (ACLs etc.). Ist die Router-Umstellung geschafft, geht in Autoconfiguration-Bereichen vieles „von selbst“ weiter.

  • Adressumstellung im Bereich interner Dienste und Server?

    Eigentlich dürfte man hier angesichts von Tendenzen in Richtung SOA gar nicht zucken – das Zusammensetzen von IT-Angeboten aus (wechselnden) Bausteinen in einem losen Verbund von Diensteservern muss entsprechende Mechanismen hergeben.

    Das ist aber für viele noch Zukunftsmusik, viele arbeiten intern erfolgreich nach der Methode „ein Dienst – ein Server – mein Server!“ und finden die Aussicht auf häufigere Adresswechsel im Serverbereich wenig angenehm.

Aha – mit IPv6 wird es schwieriger, den Internet-Provider zu wechseln? Gegenfrage: Wieso war das bisher unter IPv4 denn einfacher? Wegen der Strategie zum Umgang mit (der Knappheit von) registrierten Adressen: vielfach wurde interne Kommunikation gar nicht mit registrierten Adressen realisiert, sondern mit „privaten“ IPv4-Adressen, bei Übergang zum Internet über Proxies etc. Natürlich soll an dieser Stelle kein Loblied auf NAT gesungen werden, die damit verbundene Problematik ist hinlänglich bekannt. Allerdings: es ist erstaunlich, wie überrascht häufig auf die Information reagiert wird, dass es auch unter IPv6 mit den Unique Local Adresses (ULA) Adressen „rein für den internen Gebrauch“ gibt, dabei (kurze „Standard-Präfixes“) mit geringerem Korsett-Effekt für die interne Netzstrukturierung. (siehe Bild 1)

Noch einmal, um nicht falsch verstanden zu werden: dies ist kein Plädoyer für den Einsatz „privater“ (ULA)-Adressen und NAT, aber: Wenn andere Möglichkeiten in der konkreten Situation zu unangenehm erscheinen, ohne dass man sich aus solchen Gründen fest an den „ersten“ Provider binden will, sollte man auch die Beibehaltung bislang aufgebauter und beherrschter Architekturen in die Überlegungen einbeziehen. Entsprechend als erster Tipp für die Vorbereitung auf IPv6: Beim Einarbeiten „gründlich lesen“, auch das Kleingedruckte, d.h. in Übersichtsartikeln nicht so oft Erwähnte – dann erst mit der Planung beginnen.

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