Vorbereitung auf IPv6 – Erfolgsfaktoren und (erste) Praxiseinblicke

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Adressverwaltung und betriebliche Erwägungen

Ein ähnliches Beispiel, wie man bei „klassischen“ IPv6-Diskussionsthemen die eigene Praxis berücksichtigen sollte, liefert die Betrachtung von Autoconfiguration und DHCP. Veröffentlichungen stellen hier die Varianten „IP-Adresse per Autoconfiguration, DHCP zur Lieferung von Ergänzungsparametern“ und „DHCP im unter IPv4 etablierten vollen Umfang“ gegenüber.

Bei der (völlig richtigen) Diskussion wird dabei aber ein wichtiges Praxisargument kaum genannt: die Fehlerquelle „Mensch“ bei der Eingabe von Adressen/Adresspräfixes. Wer sich die Hexadezimalschreibweise von IPv6-Adressen das erste Mal anschaut, muss hier zwangsläufig zusammenzucken – die Möglichkeit, einen Tippfehler zu begehen und auch nicht sofort zu bemerken ist deutlich größer als unter IPv4. Das gilt sicher nicht nur für die komplett manuelle Festlegung der Zuteilung von IP-Adressen in einer Liste, die dann über DHCP verwaltet wird (unter IPv6 kaum diskutiert!), sondern auch für die Verwaltung von DHCP-Scopes. Auch hier ist wieder keine einseitige Empfehlung zugunsten einer bestimmten Strategie beabsichtigt, jedoch: völlig vergessen sollte man solche Überlegungen bei der Wahl zur Adressverwaltung auch nicht. Am besten bewertet man dies in Verbindung mit der konkreten Arbeits- und Trainings-Situation des zuständigen IT-Personals.

Eindrücke für Migrationsvorbereitung/Administrator- und Fehlersuchealltag

Lesen bildet – aber reicht für die erfolgreiche Wahrnehmung von Administrations- und Betriebsaufgaben nicht aus. Zum Verstehen ist Literatur (auch die oft ungeliebten Handbücher, White Papers und RFCs) wichtig, bei Auswahl der zu vertiefenden Themen sowie zur sicheren Beherrschung hilft aber nur die Beschäftigung mit konkreten Produkten.

Dies beherzigend versucht ComConsult, sich bei entsprechender Produktverfügbarkeit möglichst bald eigene Einblicke zu verschaffen und eine eigene Meinung zu bilden, beginnend im Testlabor. Ein paar Beispiele werden im Folgenden zusammengestellt, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, aber hoffentlich nicht nur für den Autor mit Aha-Wert.

Aspekt Ressourcenbedarf bei Netzkomponenten
Mit der Migrationsdiskussion zu IPv6 ist meist auch eine Diskussion der Auswirkung auf Ressourcenbedarf und Performance bei der Bearbeitung der neu organisierten Header verbunden. Das Thema ist wichtig, aber man muss die Kirche im Dorf lassen: Hier darf man zunächst keine Wunder erwarten, ehe nicht wie bei IPv4 das Grundgeschäft der Paketverarbeitung im Layer 3-Switch oder Router optimiert abläuft, sondern voll über die CPU der Komponente abgewickelt werden muss. Andererseits lohnt sich ein Blick auf die aktuelle Situation der eigenen Routing-Hops: Ein zentraler Layer 3-Switch, der zur Zeit mit IPv4 im Regelfall bei geringer CPU-Auslastung vor sich hindümpelt, wird auch den Übergang auf IPv6 im Parallelbetrieb mit IPv4 verkraften.

Allerdings: man darf nicht versäumen, das dünne Ende des Seils vorsorglich zu prüfen, bevor man sich darauf verlässt. Wie sieht es mit kleinen, für Nebenstandorte oder gar Heimarbeitsplätze verwendeten Routern aus? Hier kann schnell Handlungsbedarf bestehen – oder sogar eine Bremswirkung beim Start in IPv6. Ursprünglich mit Blick auf das Thema „Durchsatz“ sollte im ComConsult-Labor gezielt ein kleineres Router-Modell unter IPv6 verwendet werden, wie es unter IP4 gerne in kleinen Standorten als kombinierter LAN- und WAN-Übergang Verwendung findet. Erster Schritt: die IPv6-fähige Firmware besorgen und aufspielen.

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