Wie wichtig ist Power over Ethernet in Zukunft?

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Im Rahmen der Vorbereitung des ComConsult Netzwerk Redesign Forums haben wir die Frage diskutiert, ob wir einen Vortrag zum Thema Power over Ethernet (plus) in das Programm aufnehmen sollen. Eine der Kernfragen war, auf welchen Verbrauch ein neu zu kaufender Switch ausgelegt werden soll. Viele Switches unterstützen inzwischen den IEEE 802.3at-Standard auch mit der maximalen Power von 25,5W. Dabei kann diese Leistung aber in der Regel nicht an allen Ports abgefordert werden. Die Frage war also, wie stark der Switch in Zukunft sein muss, reichen 7,5W im Mittel über alle Ports oder welcher Wert sollte angenommen werden.

Unsere Diskussion konzentrierte sich schnell auf die Frage, welche zusätzlichen Geräte in Zukunft über Ethernet mit Strom versorgt werden sollen. Immerhin wird der PoE-Standard als weltweit einziger durchgehend einheitlicher Stromversorgungs-Standard von den Herstellern beworben (was nicht stimmt, da auch USB und Firewire weltweit identisch sind, aber natürlich nur auf Kurzstrecken eingesetzt werden können). Wir stehen vor einer Explosion mobiler Endgeräte wie Smartphones und Tablet-Computer, auch Laptops und Ultrabooks nehmen immer mehr zu. Die Frage war also: müssen wir diese Geräte für eine zukünftige Versorgung bei der Auswahl eines neuen Switches berücksichtigen?

Die Ausgangslage bei Smartphone und Tablets ist einfach. Sie werden in der Regel über USB entweder über einen Computer oder ein USB-Netzteil bei einer Spannung von 5V geladen. Die USB-Netzteile von Apple als Beispiel versorgen Tablets mit 2,1A bei 5V und das kleine iPhone-Netzteil macht 1A. Dabei kann der Stromfluss auch kleiner sein, es dauert dann nur länger. Theoretisch ließe sich also über eine Docking-Station (Smartphones und Tablets haben keinen direkten Ethernet-Anschluss) eine Versorgung realisieren. Unsere mehrheitliche Meinung in der Diskussion war, dass wir das als unwahrscheinlich ansehen. Auch wirtschaftlich sehen wir keinen Sinn darin, ein 20 Euro USB-Netzteil durch eine aufwendige PoE-Lösung zu ersetzen.

Also unser Standpunkt ist klar: wir können Smartphones und Tablets bei der Anschaffung von Switches und der Kalkulation deren Power-Budgets ignorieren. Laptops sowieso, die Spannung ist zu hoch und in der Regel wird eine schnelle Aufladung angestrebt, das ist über PoE nicht zu machen. Außerdem haben mobile Mitarbeiter ihr Laptop-Netzteil sowieso immer dabei.

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Ein Kommentar zu "Wie wichtig ist Power over Ethernet in Zukunft?":

  1. Dr.Kauffels schreibt:

    Grundsätzlich ist PoE eine Raumheizung mit einer verheerenden Energiebilanz, weil die dünnen Drähtchen auf längere Strecken einen erheblichen Niederfrequenzwiderstand haben. Um die gewünschte Versorgungsleistung am Ende zu realisieren, muss also am Anfang eine deutlich höhere Leistung eingespeist werden, die Differenz verschwindet als Wärme. Dennoch ist der praktische Aspekt ebenfalls abzuwiegen.

    Ein vernünftiger Kompromiss ist die Beschränkung auf das unbedingt Notwendige. Da im Zuge von BYOD ohnehin die konventionelle Datensteckdose mit der Zeit immer weiter an Bedeutung verlieren wird, konzentriert sich das Problem auf die Wireless Access Points.

    Zu diesem Thema möchte ich Folgendes beitragen. Es gibt keinen Grund dafür, dass der Leistungsbedarf der jetzt aufkommenden 11ac-APs der ersten Generation höher ist als bei 11n. Im AP selbst gibt es keine einzige Komponente, die mehr Leistung benötigt und der FDX 1 GbE-Anschluss ist auch ausreichend.

    In zwei Jahren allerdings wird sich das ändern, wenn die leistungsfähigeren Ausbaustufen von 11ac und 11ad kommen, die dann 10 GbE-Uplinks benötigen.

    Mit gutem Grund gibt es für PoE über 10 GbE noch keinen Standard. Betrachtet man nämlich die innere Technik einer 10 GBASE-T Schnittstelle und fügt dann das Problem der Leistungsübertragung hinzu, betritt man schnell das Reich des Wahnsinns. Ausserdem würde eine solche Lösung wenn überhaupt nur auf max. 90m, dem Wirkungsbereich von 10 GBASE-T, funktionieren.

    Es zeichnet sich jedoch ein andere Weg ab: verseilte optische Kabel. In einem solchen Kabel befindet sich ein Bündel von Glasfasern und eine metallische Verseilung zur Förderung der Stabilität. Die Elemente der Verseilung sind erheblich dicker als die Drähtchen für die Datenübertragung bei Twisted Pair und haben dem entsprechend einen wesentlich geringeren Innenwiderstand.

    Also könnte man die Lichtwellenleiter für die Daten- und die Verseilung für die Stromübertragung verwenden. Hier sind letztlich die Hersteller von Verkabelungssystemen gefragt.

    Solange sich die Situation insgesamt nicht besser klärt, ist ausgesprochene Vorsicht hinsichtlich der Anschaffung von Verkabelungssystemen geboten.

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